In Vino Scientia

Dass nicht nur der Wein, sondern insbesondere die Sprache des Weines eine Wissenschaft ist, das wird vielen bei einer Verkostung schon aufgefallen sein. Tatsächlich zum Forschungsgegenstand wurde die Weinsprache bei einer Tagung, die von der Romanistik Innsbruck gemeinsam mit dem Frankreich-Schwerpunkt und der Université de Bourgogne (Dijon) organisiert wurde.
Die TeilnehmerInnen der Weinsprache-Tagung bei der Weinverkostung
Bild: Die TeilnehmerInnen der Weinsprache-Tagung bei der Weinverkostung

Im festlichen Rahmen der Claudiana tagten Mitte Oktober TeilnehmerInnen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien. Das entspricht genau den Sprachen, die im EU-Projekt VinoLingua vertreten sind, zu dem die Weinsprache-Tagung wissenschaftlich begleitend hinzutrat.

„Unité et diversité dans le discours sur le vin en Europe“ (Einheit und Vielfalt der Weindiskurse in Europa) war der Titel der Tagung, der dritten einer Reihe von Tagungen zur Weinsprache, von der die beiden ersten 2010 und 2011 in Dijon stattgefunden hatten.

„VinoLingua“ ist ein EU-Projekt der Lifelong Learning Schiene, das zum Ziel hat, Sprachlehr-Materialien für Winzer/innen in den Sprachen Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch zu entwickeln. Unter der Federführung der Universität Innsbruck arbeiten neun Partner aus vier europäischen Ländern (Österreich, Frankreich, Italien, Spanien) und fünf Weinregionen (Südtirol, Toskana, Krems, Toro und Burgund) in einem interdisziplinären Konsortium, das ExpertInnen für Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik sowie Weinbauschulen und private Unternehmen verbindet.

Die Leiterin des Projekts, Prof. Eva Lavric, stellte in ihrem einleitenden Vortrag das Projekt und seine didaktische Konzeption vor. Sie erklärte: „Für Burgund gehört dem VinoLingua-Konsortium Prof. Laurent Gautier an; er forscht, wie auch ich selbst, im Bereich der kontrastiven Linguistik Französisch-Deutsch und der Fachsprachen, insbesondere der Wein¬sprache. Daraus ergab es sich ganz natürlich, dass wir gemeinsam die Initiative ergriffen, dem VinoLingua-Projekt eine Tagungsreihe zur Seite zu stellen.“

Die Tagungsreihe zur Weinsprache begleitet das Projekt über seine gesamte Dauer (2010-2012), damit die Inhalte, die unterrichtet werden wie auch die didaktischen Zugänge dem aktuellen Stand der Forschung entsprechen. Wie das Projekt ist die Tagungsreihe international und interdisziplinär ausgerichtet. Die ersten beiden Tagungen haben zur Herausgabe von zwei Sammelbänden geführt, die beide derzeit im Druck sind und demnächst bei Peter Lang in der Reihe InnTrans erscheinen werden:

  • Gautier, Laurent / Lavric, Eva / Rousseau-Jacob, Isabelle (Hrsg.): Figures et images dans les discours sur le vin en Europe, Frankfurt/M. e.a.: Peter Lang 2012
  • Gautier, Laurent / Lavric, Eva (Hrsg.): Les descripteurs du vin : Regards contrastifs, Frankfurt/M. e.a. : Peter Lang 2012

Für die dritte Tagung, deren Akten natürlich ebenfalls publiziert werden, war nun Innsbruck Gastgeberin; etwa die Hälfte der TeilnehmerInnen kamen aus dem VinoLingua-Projekt. Es wurden linguistische, terminologische, lexikographische und didaktische Themen im Zusammenhang mit der Weinsprache behandelt. Etliche Beiträge verglichen mehrere Sprachen und Kulturen, von den Projektregionen bis nach China und Georgien. Der Wein erwies sich so als ein Kulturgut, das Europa vereint, aber auch in seiner Vielfalt erkennen lässt.

(Eva Lavric)