Wirtschaftsnobelpreis für Lloyd Shapley und Alvin Roth

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften hat den diesjährigen Sveriges Riksbank Preis für Wirtschaftswissenschaften zum Gedenken an Alfred Nobel an die US-Wissenschaftler Lloyd Shapley (University of California in Los Angeles) und Alvin Roth (Harvard University und Harvard Business School) verliehen.
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Bild: Nobelpreisträger Lloyd Shapley und Alvin Roth (Illustrationen: Nobel Stiftung)

Die mathematischen Einsichten von Lloyd Shapley sowie deren anwendungsbezogene Weiterentwicklung durch Al Roth waren wegweisend für Jahrzehnte der Forschung zur Gestaltung von Institutionen zur Zuordnung knapper Ressourcen. Insbesondere zeigen ihre Arbeiten in eindrucksvoller Weise, wie knappe Güter ohne einen Preismechanismus in effizienter und gerechter Weise zugeordnet werden können. Lloyd Shapley (und der inzwischen verstorbenen David Gale) entwickelten einen Algorithmus, der für jedes zweiseitige Zuordnungsproblem (z.B. die Suche von Studierenden nach Studienplätzen oder die Suche junger Wissenschaftler nach einem Einstiegsjob), eine stabile Zuordnung findet, bei der kein Paar von Teilnehmern unterschiedlicher Marktseiten (z.B. Student oder Wissenschaftler auf der einen und Universität auf der anderen Seite) sich durch eine private Einigung besser stellen kann. Auf der Grundlage dieses Algorithmus entwickelte Roths Arbeitsgruppe eine Neugestaltung des zentralisierten Einstiegsarbeitsmarkts für Mediziner in mehreren US Bundestaaten, der die zuvor ausufernden frühzeitigen Anwerbungen von Studierenden durch Krankenhäuser verhinderte und die Zufriedenheit aller Beteiligten erheblich steigerte. Nach und nach wurden in der Folgezeit zahlreiche Arbeitsmärkte, aber auch Systeme zur Schulwahl oder zur Zuordnung von Spenderorgane durch Alvin Roth und seine Mitarbeiter umgestaltet und entscheidend verbessert.

Wissenschaftler der Fakultät für Volkswirtschaftslehre wie der vor anderthalb Jahren nach Innsbruck berufene Prof. Markus Walzl, der im März seine Antrittsvorlesung über Fragen des Markt Designs und den Beitrag von Alvin Roth gehalten hat, und der im Mai gemeinsam mit ihm und anderen Forschern aus den USA und Europa einen Workshop zu den neuesten Entwicklungen dieser Forschungsrichtung im Tessin organisiert hat, freuen sich sehr über diese Anerkennung. Die Weiterentwicklung der mathematischen und algorithmischen Resultate von Shapley und Gale durch Roths eigene theoretische Arbeit wie auch durch seine unermüdliche Mitarbeit an der Gestaltung von existierenden Markt- und Tauschinstitutionen, so Walzl, sei eines der besten Beispiele für ein fruchtbares Zusammenspiel von (spiel)theoretischer Grundlagenforschung und anwendungsbezogener Wirtschaftswissenschaft. 

(Christian Flatz)