Äpfel und Birnen in Deutsch und den romanischen Sprachen

Anfang September tagten kontrastive LinguistInnen aus Frankreich, Deutschland, Italien und Rumänien in Innsbruck. Die Veranstaltung führte ForscherInnen aus Romanistik, Germanistik und Translationswissenschaft rund um Themen zusammen, die hohe wissenschaftliche Ansprüche mit dezidierter Anwendungsorientierung verbinden.
Die TagungsteilnehmerInnen beim Ausflug auf das Hafelekar.
Bild: Die TagungsteilnehmerInnen beim Ausflug auf das Hafelekar.

Haben Sie sich schon gefragt, wo das Wissen herkommt, das in Sprachkursen vermittelt wird? Vieles davon ist kontrastive Linguistik, der Vergleich der Muttersprache mit der zu lernenden Sprache. In Innsbruck tagten von 5. bis 8. September 2012 WissenschaftlerInnen, die das Deutsche mit den romanischen Sprachen vergleichen und damit das Erlernen des Italienischen, des Französischen und des Spanischen ein bisschen leichter machen. Wie übrigens auch des Portugiesischen, des Rumänischen und des Ladinischen, denn all diese Sprachen wurden im Rahmen der „VII. Internationalen Arbeitstagung zum romanisch-deutschen und innerromanischen Sprachvergleich“ einander gegenübergestellt.

Mit den Arbeitstagungen zum romanisch-deutschen und innerromanischen Sprachvergleich ist es Prof. Eva Lavric vom Institut für Romanistik und Prof. Wolfgang Pöckl vom Institut für Translationswissenschaft gelungen, eine wohleingeführte und hochkarätige Tagungsreihe, die über Jahrzehnte in Leipzig von Prof. Dr. Gerd Wotjak mit großem Erfolg veranstaltet worden war, nach Innsbruck zu holen. Bereits im September 2008 konnte Innsbruck die VI. Arbeitstagung beherbergen; dem Vierjahresrhythmus entsprechend fand in Innsbruck nun die VII. Arbeitstagung statt, die nicht minder großen Anklang in der „Scientific Community“ fand.

Vizerektor Psenner betonte in seiner Eröffnungsrede, die Veranstaltung hebe sich aus zwei Gründen etwas vom üblichen Tagungsbetrieb ab: „Zum einen handelt es sich um das einzige institutionalisierte Forum für Kontrastive Sprachwissenschaft im deutschsprachigen Raum, zum anderen ist es keine geringe Anerkennung für die Innsbrucker Romanistik und Translationswissenschaft, die Nachfolge von Leipzig und Prof. Wotjak antreten zu dürfen. Wichtig für solche internationalen Projekte sind auch die Länderzentren: Der Frankreich-Schwerpunkt fungiert nicht zufällig nun schon zum zweiten Mal als Mitveranstalter dieser Tagung.“

Etliche der TeilnehmerInnen waren schon 2008 zur VI. Arbeitstagung nach Innsbruck gekommen und hatten mit ihren Aufsätzen zu den Akten beigetragen, einem zweibändigen Sammelband mit 54 Beiträgen auf 952 Seiten. Das große Echo der Tagung, die Internationalität der "Community" und wahrscheinlich auch die Attraktivität des Veranstaltungsorts Innsbruck unterstrichen die große Zahl der TeilnehmerInnen und die Vielfalt der behandelten Themen. Mehr als 70 Vortragende aus 18 Ländern füllten die sieben Sektionen, dazu kamen vier Plenarvorträge von ForscherInnen aus Frankreich, Deutschland, Italien und Rumänien. Die Vorträge fanden in 5 Sprachen statt, nämlich in Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch, sie behandelten aber nicht weniger als 12 verschiedene Sprachen: Französisch, Spanisch, Italienisch, Rumänisch, Portugiesisch, Ladinisch sowie Deutsch, Englisch, Niederländisch, Schwedisch, Norwegisch und Serbisch, die in den verschiedensten Kombinationen und unter verschiedensten Gesichtspunkten miteinander verglichen wurden.

Ein besonderer Höhepunkt war das Kulturprogramm, das von einem der Tagungsteilnehmer bestritten wurde: Der Kölner Nachwuchsromanist Patrick Gililov spielte gemeinsam mit seiner Mutter, der berühmten Pianistin Carmen Daniela Gililov, für die TagungsteilnehmerInnen ein Klavierkonzert, das Komponisten aus allen romanischsprachigen Ländern gewidmet war. Und am nächsten Tag begeisterte er das – neugierig gewordene – Publikum nicht minder mit seinem Vortrag zum Vergleich der Hervorhebungsstrategien in Französisch und Rumänisch.

(Eva Lavric)