Sosnovsky-Preis geht an Hannes Wallnöfer

Der Chemiker Hannes Wallnöfer wurde am 19. Juni mit dem Georg und Christine Sosnovsky-Preis ausgezeichnet. Er erhält den mit 2000 Euro dotierten Preis für seine Dissertation zur Proteinbeweglichkeit. Das Wissen um die Beweglichkeit der Proteine spielt unter anderem eine wesentliche Rolle bei dem Verständnis der Funktion und damit bei der Entwicklung von Hemmstoffen gegen Schlangengift.
Rektor Märk überreichte die Auszeichnung an Hannes Wallnöfer.
Bild: Rektor Märk überreichte die Auszeichnung an Hannes Wallnöfer.

Rektor Tilmann Märk überreichte die Auszeichnung im Beisein vom Prof. Joachim Schantl, dem Koordinator des Preises. Im Anschluss an die Verleihung präsentierte Hannes Wallnöfer seine Arbeit, die er bei Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG und in der Arbeitsgruppe von Prof. DDr. Klaus R. Liedl am Institut für Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie der Uni Innsbruck verfasst hat.

Bewegliche Proteine

Biomoleküle sind nicht starr, sondern ständig in Bewegung. Dieses Verhalten wird von den meisten Computer-gestützten Methoden in der Medikamentenentwicklung vernachlässigt, als Referenz werden starre Strukturen benutzt. Da aber mehr als nur dieser eine starre Zustand des Moleküls zu seinem Verhalten beiträgt, widmete sich Hannes Wallnöfer der Berechnung der Proteinbeweglichkeit. Die bei Computersimulationen entstehenden dreidimensionalen Strukturen der Biomoleküle helfen wesentlich, ihre Funktionsweise besser zu verstehen. So konnte Wallnöfer beispielsweise erstmals einen auf Proteinbeweglichkeit basierenden Mechanismus für eine bestimmte Klasse von Schlangengiftproteinen aufzeigen, der für deren verheerende Blutgefäß-zersetzende Wirkung verantwortlich ist.

Daneben konnte Hannes Wallnöfer für ein entscheidendes Protein aus der menschlichen Blutgerinnungskaskade zeigen, wie stark in die Proteinstrukur eingebaute Wassermoleküle das Verhalten dieses Proteins beeinflussen. „Meine Simulationen zeigten, dass die Interaktionsenergie mit potentiellen Medikamentenmolekülen nur richtig berechnet wurde, wenn das Wasser in Verbindung mit der Proteindynamik betrachtet wird“, so Wallnöfer. Dieses Wissen spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen sollen.

Preis für ChemikerInnen-Nachwuchs

Die Stifter des Preises, Dr. Christine und Professor Dr. Georg Sosnovsky, haben in den ersten Nachkriegsjahren an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Chemie studiert. Ihre berufliche Laufbahn führte Georg und Christine Sosnovsky zunächst nach Australien und später in die USA, wo sie einen Großteil ihres Berufslebens verbrachten. Anlässlich ihres Goldenen Doktorjubiläums im Jahr 1998 kamen beide nach 50 Jahren wieder nach Innsbruck und stifteten den nach ihnen benannten Preis. Dieser zeichnet eine hervorragende Dissertation aus dem Fach Chemie an der Universität Innsbruck aus. Prof. Georg Sosnovsky ist Ehrenbürger der Universität.

Zur Person

Dr. Hannes Wallnöfer, geboren 1980 in Innsbruck, begann 1998 das Diplomstudium der Chemie an der Universität Innsbruck, das er 2007 mit Auszeichnung abschloss. Nach einem dreimonatigen Praktikum bei Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG begann er dort und an der Universität Innsbruck mit seiner Doktorarbeit. 2011 schloss er das Doktoratsstudium ebenfalls mit Auszeichnung ab. Nach seiner Tätigkeit bei Boehringer Ingelheim Pharma im Bereich Computational Chemistry war Wallnöfer von Juli bis Dezember 2011 als Post-Doc am Institut Allgemeine, Anorganische und Theoretische Chemie an der Universität Innsbruck beschäftigt. Seit Dezember 2011 ist er als Regulatory Affairs Manager für Biopharmazeutika bei Sandoz GmbH, a Novartis Company, tätig.

(sr)