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Hörimplantate-Pionier Erwin Hochmair am 25.09.2009 verabschiedet

Er hat tauben und schwerhörigen Menschen wieder Hoffnung gegeben: Prof. Erwin Hochmair gilt weltweit als einer der Pioniere in der Entwicklung von Hörimplantaten. Nun tritt er in den Ruhestand. Anlässlich seiner Emeritierung als Professor für Angewandte Physik fanden gestern an der Universität Innsbruck ein Symposium und eine Akademische Feier statt.

Als überaus schätzenswerten Kollegen beschrieb Rektor Karlheinz Töchterle gestern anlässlich dessen Verabschiedung Prof. Erwin Hochmair. „Sie haben während ihrer akademischen Laufbahn nicht nur die wissenschaftliche sondern auch die medizinische und die wirtschaftliche Entwicklung vorangetrieben", sagte der Rektor. Vizerektor Tilmann Märk betonte, dass Hochmair eine wesentliche Stütze der erfolgreichen Entwicklung der Lebenswissenschaften am Forschungsstandort Tirol sei. Die Laudatio auf den emeritierenden Wissenschaftler hielt der Mediziner Prof. Jan Helms aus Würzburg. Er sagte: „Aus meiner Sicht sind die Cochlea-Implantate die bedeutendste medizinische Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, denn sie ersetzen ein ganzes Sinnesorgan."

Mit den in das Ohr implantierten elektronischen Apparaten wird der Hörnerv direkt stimuliert. In den Anfangsjahren hatten viele Experten bezweifelt, dass diese Form der Therapie überhaupt erfolgreich sein könnte. „Erwin Hochmair erkannte vielversprechende Forschungsrichtungen immer sehr frühzeitig und hat diese dann mit viel Mut und Engagement weiter verfolgt, auch wenn sich Erfolge erst nach vielen Jahren eingestellt haben", erzählt sein langjähriger Mitarbeiter Prof. Clemens Zierhofer vom Institut für Ionenphysik und Angewandte Physik der Universität Innsbruck. Für die Vermarktung der Hörimplantate wurde 1989 das Unternehmen MED-EL gegründet, das bisher erfolgreichste Spin-off-Unternehmen der Universität Innsbruck. Heute arbeiten über 850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die weltweit agierende Firma mit Stammsitz in Innsbruck und erwirtschaften einen Umsatz, der im Vorjahr die Grenze von 1 Milliarde Schilling (rd. 73 Mill. Euro) durchbrochen hat.

Ertragreiches Forscherleben
Der ausgebildete Elektrotechniker Erwin Hochmair hatte sich gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg schon früh dem Ziel verschrieben, Hörverlust mit implantierbarer Medizintechnik zu überwinden. Bereits in den 1970er-Jahren entwickelte er erste Hörimplantate. Zugute gekommen sind ihm dabei seine Kenntnisse in der Entwicklung integrierter Halbleiterschaltungen und die Erfahrung mit dem Rauschverhalten solcher Bauelemente. 1977 wurde der ersten Patientin ein von Prof. Hochmair und seinem Team entwickeltes mikroelektronisches Mehrkanal-Cochlea-Implantat eingesetzt. Darauf aufbauend entwickelte er eine auf analogen Stimulationssignalen basierende Strategie, die 1980 erstmals zu einem verwertbaren Sprachverständnis führte. Nach seiner Berufung an die Universität Innsbruck 1985 führte Prof. Hochmair mit seiner Forschungsgruppe diese Arbeiten erfolgreich weiter. Heute können taube oder schwerhörige Menschen mit solchen Implantaten wieder hören, taub geborenen Kindern verhelfen sie zu einer praktisch normalen Entwicklung.

25 Jahre Professor in Innsbruck
Erwin Hochmair wurde 1940 in Wien geboren. Er studierte an der dortigen Technischen Hochschule Elektrotechnik und forschte von 1967 bis 1985 als Universitätsassistent an der TU Wien. Mehrjährige Forschungsaufenthalte führten ihn in dieser Zeit auch an das NASA Weltraumzentrum in Huntsville, Alabama, und an die Stanford Universität in Kalifornien. 1980 habilitierte sich Hochmair für das Fachgebiet Elektronik einschließlich medizinischer Anwendungen. 1985 folgte er dem Ruf an die Universität Innsbruck, wo er Ordinarius für Angewandte Physik und Mikroelektronik an der Naturwissenschaftlichen Fakultät wurde. Von 1993 bis 1995 war er Dekan dieser Fakultät, von 1995 bis 2006 leitete er das Institut für Angewandte Physik. Sein wissenschaftliches Werk umfasst über 100 Fachpublikationen auf den Gebieten Elektronik, Schaltungstechnik und Cochlea Implantate. An über 40 Patenten war er als Erfinder beteiligt. Für seine Leistungen wurde Prof. Hochmair mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er 2003 den Erwin Schrödinger Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 2004 verlieh ihm die TU München gemeinsam mit seiner Frau Dr. Ingeborg Hochmair-Desoyer das Ehrendoktorat für Medizin.

 

Schwerpunkt Angewandte Physik gewinnt Lupe 08 bei Langen Nacht der Forschung

 

Übergabe

Am 8. November 2008 präsentierten österreichweit insgesamt 375 Forschungsgruppen ihre Arbeit im Rahmen der Langen Nacht der Forschung (http://www.langenachtderforschung.at) einem interessierten Publikum. Der Schwerpunkt Angewandte Physik behandelte dabei gemeinsam mit dem Christian Doppler Labor für Aktive Implantierbare Systeme die Frage "Wie viel Physik steckt in den Ohren?". Neben Einblicken in die Anatomie und Physiologie des gesunden Gehörs zeigten die Audiologen Katrien Vermeire und Daniel Visser, wie mit modernen Hörimplantaten Hörstörungen inklusive der vollständigen Gehörlosigkeit behandelt werden können. Großen Anklang fand auch eine akustische Simulation von Paul Bader, die nicht nur demonstrierte wie verschiedene Grade der Alters- und Lärmschwerhörigkeit für die Betroffenen klingen, sondern ebenso, warum aktuelle Signalverarbeitungsstrategien für Innenohrimplantate (CochleaImplantate, CI) Sprache sehr gut verständlich, Musik hingegen nur eingeschränkt transportieren können. Diese Diskrepanz zu beseitigen ist einer der zentralen Schwerpunkte des Christian Doppler Labors für Aktive Implantierbare Systeme.

 

Preisübergabe an: Paul Glück (brainiacs), Marco Jesacher (Schwerpunkt Angewandte Physik), Andreas Krenmayr (CD-Labor), Maximilian Kamenar (brainiacs); Foto: pressefotos.at/ DeSt

Magnet

 

Der Physiker Marco Jesacher erklärte mit einer Sequenz von  Demonstrationen zum Magnetismus eindrücklich, wie magnetische Kräfte im  Mittelohrimplantat VIBRANT MED-EL SOUNDBRIDGE zur Hörrehabilitation eingesetzt werden. In Summe bot die Station des Schwerpunkts Angewandte Physik  somit einen umfassenden Überblick über die Welt des Hörens und der Hörimplantate.

Die BesucherInnen der Langen Nacht der Forschung konnten dabei die aktuellsten  Forschungsfragen und -methoden interaktiv selbst erleben. Ebenso waren sie dazu  aufgerufen mittels SMS-Voting diejenigen Stationen zu wählen, die ihre Arbeit am  überzeugendsten präsentierten. In Verbindung mit einer professionellen  Stationsbeurteilung durch Wissenschaftsjournalisten, die nicht nur die Arbeit bei den  Stationen an sich sondern auch flankierende Kommunikationskonzepte im Vorfeld der  Veranstaltung bewerteten, wurden somit für jede der sechs teilnehmenden Regionen  (Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz, Wien und Wiener Neustadt) die jeweils 5 besten  Stationen nominiert. Der Schwerpunkt Angewandte Physik konnte dabei in der Region  Innsbruck den ersten Platz erringen und wurde am 20. November 2008 mit dem mit  2.000 Euro dotierten Preis "Die Lupe 08 für hervorragende Wissenschaftskommunikation" ausgezeichnet.

 

Kooperation mit der Capital Medical University in Beijing

 

BejingDurch eine Kooperation mit der Capital Medical University in Beijing, China, kann das Christian Doppler Labor seine Forschungen zur Feinstrukturstimulation für Tonalsprachen intensivieren. Eine chinesische Mitarbeiterin arbeitet in Beijing mit Technologien aus Innsbruck an der Weiterentwicklung der Sprachkodierungsstrategien.

 

Im Bild: Prof. Zierhofer und Prof. Han Demin

 

Zierhofers Cochlea Implantate als herausragende technische Leistung ausgezeichnet: Karl Heinz Beckurts-Preise 2005 vergeben

 

 

Prof. Clemens Zierhofer von der LFU Innsbruck erhält heute Abend, 9. Dezember 2005, als erster Österreicher den mit 30.000 Euro dotierten Karl Heinz Beckurts-Preis 2005 für seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Cochlea Implantate. Neben Zierhofer werden Prof. Friedrich Kremer (Universität Leipzig) und Prof. Arne Skerra (TU München) ausgezeichnet. Übergeben werden die Preise von Prof. Manfred Popp, Vorsitzender der Karl Heinz Beckurts-Stiftung, im Beisein des Bayerischen Staatsministers für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Thomas Goppel.

Bekurt

Professor Dr. Clemens Zierhofer vom Institut für Angewandte Physik der LFU Innsbruck hat wichtige Beiträge zur Weiterentwicklung von Cochlea Implantaten geleistet und dabei insbesondere durch Einführung neuer Techniken und Geräte die Funktion dieser Implantate maßgeblich verbessert. Menschen mit Gehörlosigkeit als Folge des Ausfalls der Haarzellen des Innenohrs, die mechanische Vibrationen in elektrische Signale umwandeln, kann heute in vielen Fällen mit Hilfe von Cochlea Implantaten geholfen werden. Dabei wird der Hörnerv durch Elektroden in der Cochlea direkt elektrisch stimuliert. Professor Zierhofer gelang es, elektronische Implantatschaltungen zu entwickeln, die mehrere Stimulationsorte, so genannte Kanäle, zugleich anregen. Durch eine spezielle Aufbereitung des Hörsignals wurden die Implantate so weit optimiert, dass sie auch in geräuschvoller Umgebung gut funktionieren. Durch die praxisorientierte Forschung Zierhofers konnten in relativ kurzen Zeitabschnitten Innovationen in den klinischen Alltag umgesetzt werden. Er hat es geschafft, alltagstaugliche, kompakte und leistungsfähige Implantate für die Firma MED-El GmbH zu entwickeln. Insgesamt profitieren weltweit mehr als 12.000 PatientInnen von den von Zierhofer entwickelten Implantaten.

 

 

Zur Person:

Clemens Zierhofer, geboren 1962 in Innsbruck, absolvierte ein Studium der Elektrotechnik an der TU Wien. Bereits in seiner Dissertation 1989 mit dem Titel: „Implantat zur kombinierten analogen und pulsatilen Elektrostimulation des Hörnervs“ hat sich sein weiterer beruflicher Weg abgezeichnet. 1995 habilitierte sich Zierhofer im Fach Angewandte Physik an der LFU Innsbruck. Bereits seit dem Jahr 1986 ist Zierhofer in wissenschaflticher Funktion an der LFU tätig. Seit 1993 ist er Konsulent der Firma MED-EL Innsbruck auf dem Gebiet der Innenohrprothesen. Von 2001 bis 2004 war Zierhofer Leitender Entwicklungsingenieur bei der Firma MED-EL. Seit 2004 ist er nun A.o. Univ.-Prof. am Institut für Angewandte Physik der LFU und seit 2005 Leiter des Christian-Doppler-Labors für „Aktive Implantierbare Systeme“, eingerichtet am Institut für Angewandte Physik der LFU Innsbruck.

 

Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft:

Die Karl Heinz Beckurts-Stiftung wurde 1987 von der heutigen Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gegründet, um den Forscher und Manager Karl Heinz Beckurts, der 1986 einem Terroranschlag zum Opfer gefallen ist, zu ehren und das Andenken an ihn wach zu halten. Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Wirtschaft brachten gemeinsam die Mittel für eine Stiftung auf, die sich vor allem die Förderung der Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zum Ziel gesetzt hat. Weitere Informationen zur Karl Heinz Beckurts-Stiftung können Sie im Internet unter http://www.beckurts-stiftung.de abrufen.

 

Weitere Preisträger:

Der Karl Heinz Beckurts-Preis 2005 wird für herausragende wissenschaftlich-technische Leistungen, von denen Impulse für die industrielle Innovation ausgegangen oder zu erwarten sind, vergeben. Die Preisträger im Einzelnen:

•     Prof. Friedrich Kremer, Direktor des Instituts für Experimentalphysik, Universität Leipzig, erhält den Beckurts-Preis für seine exzellenten Arbeiten auf dem Gebiet der breitbandigen dielektrischen Spektroskopie sowie deren industriellen Umsetzung.

•     Prof. Arne Skerra, Ordinarius am Lehrstuhl für Biologische Chemie, Technische Universität München, Freising-Weihenstephan, erhält den Beckurts-Preis für seine bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet des Protein-Designs.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Verleihung der Lehrerpreise 2005 durch Prof. Jürgen Mlynek, den Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft, an 11 GymnasiallehrerInnen. Die Lehrerpreise werden von der Helmholtz-Gemeinschaft gestiftet und durch die Karl Heinz Beckurts-Stiftung vergeben. Sie würdigen besondere Verdienste im naturwissenschaftlichen Unterricht. Ausgezeichnet werden PädagogInnen, die sich um die Anregung ihrer SchülerInnen zu eigenen wissenschaftlichen Arbeiten verdient gemacht haben.

Die Veranstaltung wird abgerundet durch einen Vortrag über „Traum, Idee, Realität – Thesen zur Wissenschaftspolitik“ von Prof. Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, und die Präsentation der Arbeiten durch die diesjährigen Karl Heinz Beckurts-Preisträger.