Forschungsinitiative Kulturmanagement:
Museen zwischen Organisation, Exzellenz, Zahlen und Performance

 

Im Rahmen der Forschunginitiative „Accounting for Art“ werden die zentralen Aspekte der Ökonomisierung von künstlerischen und kulturellen Leistungen erforscht. Grundsätzlich werden Kulturorganisationen im Allgemeinen beforscht. Ein Schwerpunkt liegt auf der Museumsforschung. An vielen praktischen Beispielen im öffentlichen und halböffentlichen Bereich lässt sich derzeit ein Trend zum verstärkten Einsatz von Accounting- und Performance-Measurement-Praktiken ablesen - auch in Museen. Im Zuge der Anwendung von New Public Management wird versucht, verschiedenartige Leistungen zahlenmäßig zu erfassen und u. A. in Kennzahlenform darzustellen. Das vorliegende, vorwiegend empirisch-qualitativ ausgerichtete Projekt zeigt das Vordringen des ökonomischen Denkens in geisteswissenschaftliche bzw. künstlerische Domänen auf und analysiert Konsequenzen, mögliche Verzerrungen in der Darstellung und innovative Handlungsspielräume für Institutionen und Akteure. Insoweit wird auf die unterschiedlichen Perspektiven und Rationalitäten von Kuratoren, (Kunst-)HistorikerInnen sowie ManagerInnen und Controllerinnen in Museen eingegangen.

Für den Ankauf, die Ausstellung, Konservierung und Erforschung von Kunst ist jeweils ein hochspezifisches ExertInnenwissen notwendig, das von außen nicht leicht evaluierbar ist. Dadurch wird auch die Erfolgsmessung der entsprechenden Leistungen komplex und expertInnenlastig. Trotzdem wird versucht den Erfolg in den genannten Aufgabenbereichen mit Hilfe von Performance Measurement und Kennzahlen greif-, steuer- und kontrollierbar zu machen. Dies ist mitunter mit den gesellschaftlichen Erwartungen an öffentliche Organisationen zu begründen.

Auch Museen stellen ihren Nutzen für die Öffentlichkeit und damit die gesellschaftliche Legitimation zum Teil über die Produktion quantitativer Berichte und Kennzahlen wie z. B. die Anzahl der BesucherInnen her. Dies kann mit einer Mythologisierung von Zahlen und ‚rationalen' Managementpraktiken erklärt werden. Obwohl im Zuge dessen auch nicht-finanzielle und Qualitätskennzahlen verwendet werden reduzieren sie ihren Zielbereich auf wenige bzw. eine einzige Dimension und stellen damit nur eine scheinbare Transparenz bzw. Vergleichbarkeit erfolgsrelevanter Qualitätsmaßstäbe her. In Bezug auf die demokratiepolitische Funktion von Kunst ist z. B. die Generierung einer Metrik zur Kundenzufriedenheit von MuseumsbesucherInnen völlig ungeeignet, da Kunst auch provoziert, abschreckt und aufrüttelt. Wird der Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten führt dies nicht zu einer direkten ‚Zufriedenheit', sondern zu einer langfristigen Stärkung des Systems. Darüber hinaus sind der persönliche, individuelle Nutzen eines Besuchers und das Erleben von Kunst einer quantifizierten Darstellung in Schlüsselkennzahlen nur sehr bedingt zugänglich. Nichtsdestotrotz werden die Leistungen von Museen derzeit auf operativer und politischer Ebene vorwiegend mit Kennzahlen erfasst und kommuniziert.

Ziel des Forschungsprojektes ist deshalb die kritische Reflexion der Anwendung von Leistungsmessungs- und Managementsystemen sowie die Entwicklung mehrdimensionaler Darstellungsformen des gesellschaftlichen Nutzens von Museen. Es werden diesbezügliche Widersprüchlichkeiten und mögliche Alternativen zu metrischen Performance-Darstellungen herausgearbeitet sowie der Konflikt zwischen den verschiedenen Wertesystemen von Kunst und Wirtschaft analysiert. Schließlich werden die Beweggründe sowie der äußere Druck zur Einführung von Managementinstrumentarien und Leistungsmessungssystemen für museale Einrichtungen, als auch deren Konsequenzen thematisiert. Hierbei wird im Speziellen auf die Erfahrungen von Krankenhäusern und Universitäten mit Leistungsmessungs- und Managementsystemen zurückgegriffen (Habersam/Piber 2003, Kappler 2003 und Piber/Pietsch 2006). Schließlich soll auf der Basis der Fallstudien und der Erfahrungen international führender Museen im Austausch mit den Beteiligten ein mehrdimensionaler Nutzenbewertungs- und Kommunikationsansatz für heimische Häuser entwickelt werden.

 

Bislang wurden im Rahmen des Forschungsprojektes Fallstudien in Zusammenarbeit mit folgenden Museen erhoben:

MUMOK, Wien: 2007
Goma, Glasgow: 2007
Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz: 2007
Museum of Contemporary Art, Sydney: 2007
Art Gallery of New South Wales, Sydney: 2007
Smithsonian Museums, Washington: 2007
New Orleans Museum of Art: 2007
Kunsthaus Graz: 2008
Kunsthaus Bregenz: 2008
Museo Guggenheim Bilbao/Spain: 2008
Museums of Contemporary Art Riga und Vilnius (in foundation): 2008
Casino Luxembuorg, 2008
MoMA, New York: 2008/2009
Guggenheim, New York: 2008/2009
Whitney Museum, New York: 2008/2009
New Museum, New York: 2008/2009
MUDAM, Luxembourg: 2009
IZIKO Museums, South Africa 2009/2010
Tiroler Landesmuseen 2009/2010

 

Bild Maurizio Cattelan

 

   










 
Foto: Maurizio Cattelan, Untitled, 2007: Ausgestopfte Tiere, Ausstellungsansicht
Kunsthaus Bregenz, Foto: Markus Tretter, © Maurizio Cattelan, Kunsthaus Bregenz

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