Chancengleichheit durch Gehaltsangaben in Stelleninseraten?

(Start: 2017)

Seit 2011 gibt es in Österreich gesetzlich verpflichtende Entgeltangaben für ArbeitgeberInnen und ArbeitsvermittlerInnen bei Stelleninseraten. Damit wollen der Gesetzgeber und die Sozialpartner Informationen über die Verdienstmöglichkeiten potenzieller Jobs transparent machen. Dies soll Frauen dabei helfen, Unterschiede in Verdienstmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt leichter zu erkennen und in Gehaltsgesprächen besser zu verhandeln, um zwei maßgebliche Ursachen für Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern zu bekämpfen Eine jüngst durchgeführte Evaluationsstudie zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der ArbeitgeberInnen und VermittlerInnen Entgeltangaben umsetzt, allerdings lässt das Gesetz Spielräume bei der exakten Formulierung der Entgeltangaben zu, wodurch sich in der Praxis eine Bandbreite an  Formulierungen entwickelt hat, die sich in ihrer Transparenz bezüglich des verhandelbaren Entgelts unterscheiden. Untersuchungen mit potenziellen BewerberInnen deuten zudem an, dass die Schwierigkeiten von BewerberInnen, die Gesamtvergütung sowie ihre Verhandlungsmöglichkeiten (Stichwort 'Überzahlung') realistisch einzuschätzen, zunehmen, je weniger diese Personen mit dem lokalen Arbeitsmarkt vertraut sind. Die transparente Gestaltung von Gehaltsangaben gerade für solche Personengruppen kann einen Beitrag zur Verbesserung von deren Chancen in der Arbeitswelt leisten.

Das Projekt fragt auf Angebotsseite des Stellenmarktes, welche Formate zur Darstellung von Entgeltangaben vorliegen. Im Fokus der Analyse stehen Angaben zur Arbeitszeit, Tarifvertrag, Grundlagen für Verhandlungsoptionen (nach Qualifikation, Erfahrung...) sowie Verhandlungsbasis (Mindest-, Bandbreiten- und Ist-Gehälter). Auf der Nachfrageseite des Stellenmarktes fragt das Projekt, wie die Fähigkeit zum Schließen von den Entgeltangaben auf das Gesamtgehalt zwischen verschiedenen sozialen Gruppen verteilt ist. Eine Arbeitshypothese ist, dass mit dem spezifischen Stellenmarkt weniger vertraute Personen in geringerem Maß in der Lage sind, die Verdienstmöglichkeiten realistisch abzuschätzen als Personen, die besser mit dem Stellenmarkt vertraut sind.    

Das Projekt liefert Erkenntnisse, in welchen Segmenten des Stellenmarktes (Betrieb, Beruf, Region, Sprache) die spezifischen Formate primär eingesetzt werden und welchen Personengruppen es besser bzw. schlechter gelingt, sich auf Basis von Entgeltangaben ein realistisches Bild über Verdienstmöglichkeiten potenzieller Jobs zu machen. Für die an der Gesetzgebung beteiligten Akteure tragen die Erkenntnisse dazu bei, die Wirksamkeit vorhandener (Österreich) bzw. geplanter (Deutschland) Regulierungen auf die Verbesserung der Chancengleichheit im Arbeitsmarkt abzuschätzen. Die Ergebnisse lassen sich nutzen, um Empfehlungen für die Gestaltung von Entgeltangaben zu entwickeln.

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