Die Organisation von Kunst

 

Forschungsprojekt 2009-2011

Die Organisation von Kunst: Die Praxis einer Paradoxie? Transdisziplinäre Analysen und Konzepte zur Theoriebildung

Institut für Organisation und Lernen

Institut für Kunstgeschichte

 

Kunst und Organisation haben a priori wenig miteinander zu tun. Zum Teil werden sie sogar als Ge­gensätze begriffen. Welcher Künstler lässt sich schon gerne „organisieren“. Dennoch wird Kunst de facto in vielerlei Hinsicht organisiert. Organisation wird hierbei als ein ge­schaffenes System von Regeln verstanden, um gemeinsame Ziele zu verfolgen. Sie kann als notwendige operative Umsetzung jedes wirtschaftlichen Unterfangens betrachtet werden. Insoweit reprä­sentiert der Begriff der Organisation den Effektitiväts- und Effizienzgedanken wirtschaftlichen Handelns. Beide Bereiche, Kunst und Wirtschaft bzw. die sie repräsentieren­den Organisationsformen, un­terliegen eigenen Regeln, die nicht aufeinander zu reduzieren sind: Die Wirtschaft im Allge­meinen orientiert sich an Profiten und die Kunst hat sich zumin­dest teilweise davon strikt abgegrenzt. So scheint eine Verknüpfung und interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Themengebiet wohl ein Wagnis zu sein. Jedoch sind in den letzten drei Jahrzehnten vermehrt Stimmen, Initiativen und wissenschaftliche Beiträge ent­standen, die das Verhältnis von Kunst und Organisation aus den verschiedensten Blickwin­keln betrachten, um dadurch neue Anknüpfungspunkte zu finden und weitere Perspektiven zu öffnen. Insbeson­dere in der heutigen Zeit weisen die Sphären von Kunst, Wirtschaft und Organisa­tion sowohl eine Vielzahl von Berührungspunkten als auch mehrere Paradoxien, auf:

Im Bereich des Kunstmarktes und seiner Akteure (Künstler, Händler, Sammler, Art Consul­tants, Museen, Kritiker) verschwimmen die Grenzen zunehmend. Ein relevanter Aspekt des Kunstmarktes, aber auch ein marktwirtschaftliches Faktum, ist der Preis eines Kunstwerkes. Einerseits repräsentiert er die Zahlungsbereitschaft verschiedener Akteure und andererseits hat er de facto auch einen gewichtigen Einfluss auf die Qualitätswahrnehmung.

Genauso wie versucht wird, die Wirtschaft durch die Einflüsse der Kunst zu verbessern, gibt es einige Vorschläge zur gesteigerten Selbstvermarktung von Künstlern. Wohl eine Schnitt­stelle, aber auch eine Streitfrage, ist der Bereich Werbung, Grafik und Design. Dieser ist nicht identisch mit Kunst, aber kunstaffin. Von Seiten der Kunst wird häufig Kritik an der Funktionalisierung der Kunst für die Werbung geübt. Generell jedoch gibt es weniger Bei­träge aus dem Bereich der Kunst. Wenige betrachten die Thematik positiv und finden ihre eigene Art von Freiheit in der Zusammenarbeit. Häufiger wird die Zusammenarbeit als fausti­scher Pakt eingestuft. Freiheits- und Substanzverlust der Kunst wird vorausgesagt, das unkultivierte Draufgängertum der Sponsoren wird beklagt, die Frage nach der Herkunft und moralischen Reinheit des Geldes oder die Manipulation der öffentlichen Meinung durch eine Alibifunktion des kulturellen Engagements wird thematisiert. Auch wenn sich mancher die Kunst als Garant für Humanität, und den Künstler als großen Verweigerer zurechtlegt, kön­nen auch Künstler zu Kompromissen neigen und ihre Anpassungsbereitschaft kann durchaus die Grenzen des Opportunismus unauffällig überschreiten. Es ist jedoch wichtig zu überle­gen, welche Auswirkungen eine fortschreitende Ökonomisierung und Organisation der Kunst auf ihre Inhalte hat und haben kann. Diese Ef­fekte auf die Kunst wurden bislang noch nicht hinreichend analysiert.

Eine „besondere Paradoxie“ im Bereich von Kunst und Organisation stellt das Kunstmanage­ment dar. Als verbindendes Element befindet es sich ständig in einem mehr oder weniger stark ausgeprägten Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichen und künstlerischen Zielen. Häufig wird angemerkt, dass in vielen Kunstinstitutionen nicht einmal einfache Grundsätze effizien­ten Managements zur Regel gehören. Andererseits befürchten Kunstschaffende die Gefahr des Eindringens kommerzieller Interventionen und in der Folge einen „Ausverkauf der Kunst“. Ein Mehr an Management bedeutet nicht automatisch ein Mehr an Kunst. Es stellt sich die Frage wie weit der Inhalt der Kunst an die Form des Managements gebunden wer­den kann, um es dem Publikum nahe zu bringen. Die Kunst des Kunstmanagements könnte darin bestehen, hier gangbare Wege aufzuspüren und begehbar zu machen.

Auf der Basis dessen beschäftigt sich das vorliegende Forschungsprojekt mit der Wechselwir­kung von Kunst und Organisation, mit der Frage wie und welche organisationalen Rahmun­gen Kunst beeinflussen und welche Konsequenzen daraus erwachsen. Der Einfluss auf die Kunst wird aus der Perspektive der Organisation „Museum“ (Musealisierung), der Perspektive der handelnden Professionisten (Kuratorenschaft) und der Perspektive der Kunstvermittlung betrachtet. Der Einfluss ökonomischer Knappheiten ist in allen drei Bereichen präsent und wird im Anschluss behandelt. Schließlich wird die Frage gestellt, auf welche Weise diese Rahmungen die künstlerische Freiheit einschränken bzw. auch ermöglichen bzw. gesell­schaftliche Relevanz erzeugen können. Am Beginn stehen einige Überlegungen zur Entwick­lung des Begriffes der künstlerischen Freiheit.

 

 
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