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Zu Gast: Marcus Zagorski 

Marcus Zagorski

   CV

LFUI Guest Professorship

 

Heimatuniversität / Land
Comenius University in Bratislava / Slowakei

Funktion
Associate Professor of Musicology

Forschungsschwerpunkte
Ästhetik, Musikphilosophie, Sound Studies, Musik des 20. Jahrhunderts, Musikanalyse

Zu Gast bei
Federico Celestini

Institut / Arbeitsbereich
Institut für Musikwissenschaft

Vortragsveranstaltung an der UIBK
"From Naturbeherrschung to Naturbewahrung. Or, where I was and where I will go"

 "Um die Welt zu verändern braucht man das Können."

 

Ich bin Gast an der Universität Innsbruck, weil...

… ich mit einem neuen Forschungsprojekt anfange und Innsbruck der beste Ort dafür ist. Das Projekt versucht, mit einer Kombination von Klanglandschafts-Studien, Landschaftsökologie und regionaler Musikgeschichte, die Klänge des Klimawandels in alpinen Gebieten zu betrachten. Die Klimakrise ist die Hauptmotivation für das Projekt. Klang ist, wie ich glaube, ein effektives Mittel, diese Krise besser zu verstehen und ihre Auswirkungen aufzuzeigen. Die Interdisziplinarität des Themas bietet vielfältige Möglichkeiten für die Mitarbeit von Studierenden: z.B. die Untersuchung durch neue Nutzungsmuster veränderter Klanglandschaften in den Bergregionen; das Studium regionaler Komponist*innen, die sich von den Tiroler Klangwelten inspirieren ließen; die Sichtung regionaler Volks- und Populärmusik darauf, wie sie auf Umweltprobleme reagiert; die Aufnahme städtischer oder ländlicher Klangumwelten.

 

Innsbruck ist für mich...

… wie eine Traumlage – sowohl für das neue Projekt als auch für mich selbst. Hinsichtlich des Projekts: Die Universität ist ein globaler Spitzenreiter der Bergforschung und hat ein Forschungszentrum für Ökologie des Alpinen Raumes. Das Institut für Musikwissenschaft – mein Heimatinstitut für die Dauer meines Aufenthalts – gründete die Forschungsstelle Gustav Mahler in den Dolomiten: Mahler verbrachte dort seine Sommerferien, und die Klangwelten der Region waren für seine Arbeit unentbehrlich. Auch hat das Institut eine Forschungstradition der regionalen Volks- und Populärmusik, welche für das Projekt sehr vorteilhaft ist. Mit Blick auf mich selbst ist Innsbruck ein Ort, an dem ich meine Ideale verfolgen kann: Den Naturzauber möchte ich hier genießen, bevor er verschwindet. Ich möchte auch versuchen, durch eine praktische Tätigkeit wie mein Projekt, einen Teil dieses Zaubers zu bewahren. Und wie viele in Innsbruck, gehe ich gerne klettern, wandern und skifahren.

 

Am wissenschaftlichen Arbeiten fasziniert mich...

… heute anderes als früher. Im Moment versuche ich, meine wissenschaftliche Arbeit neu zu definieren. Also muss ich zwischen meiner früheren Arbeit und meiner künftigen Arbeit unterscheiden. Früher betrieb ich die Forschung einfach, weil ich mehr herausfinden wollte. Meine Erkenntnisse habe ich dann veröffentlicht, da ich das Gefundene mit Worten ausdrücken wollte. Ich sehe aber jetzt, dass meine vorherige Arbeit eher abstrakt und theoretisch war: Auch wenn sie einen kleinen Beitrag zur Erkenntnis geleistet hätte, diente sie hauptsächlich meinen eigenen Interessen. Mit der künftigen Arbeit möchte ich etwas praktischer und für andere leisten – sowohl für andere Menschen als auch für andere Spezies. Ich will ganz praktisch für die Bewahrung der Natur tätig sein. Und diese nicht nur zum Vorteil der Natur selber, sondern auch zum Vorteil der nachfolgenden Generationen, die am meisten durch den Klimawandel zu verlieren haben.

 

Am wissenschaftlichen Arbeiten fasziniert mich...

… auf zweierlei zu achten. Idealerweise: Ich hoffe, den Studierenden das Gefühl verleihen zu können, dass sie angesichts des Klimawandels nicht ohnmächtig sind – dass sie etwas tun können, um zu bewahren, was sie als bewahrenswert beurteilen. Die unberührte Natur war ein Katalysator für profunde Erlebnisse in meinem Leben. Deshalb möchte ich den Studierenden bewusst machen, dass sie sinnstiftende Projekte, Projekte mit Potential ähnliche Erlebnisse zu fördern, durchführen können. Ich weiß: Hochgesteckte Ziele. Aber das Leben ist für hochgesteckte Ziele! Praktischerweise: Den Studenten möchte ich einige Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie sich dem Klang, der Natur, der Musik und der Kultur besser annähern können. Das Praktische aber dient dem Ideal: Um die Welt zu verändern braucht man das Können.

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