"Problem-Schüler?" Geschlechterreflektierende Perspektiven auf Männlichkeit in Schulkontexten
Tagung des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck
Freitag 15.01.2016, 14:30 bis 19:00 Uhr
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Die Vorträge zum Nachhören


 

Jungenbenachteiligung und Feminisierung
Was bringt der Diskurs über Jungen zur Kritik und Überwindung von Bildungshindernissen?

Dr. Thomas Viola Rieske | Dissens - Institut für Bildung und Forschung, Berlin

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/21/Speaker_Icon.svg/200px-Speaker_Icon.svg.png Aufzeichnung des Vortrages von Thomas Viola Rieske

Informationen zum Vortrag

Die verbreitete These, dass Jungen durch eine Feminisierung des Bildungswesens benachteiligt werden und demgegenüber eine jungengerechte Transformation von Bildungsinstitutionen und -angeboten nötig ist, erweckt den Eindruck, als würden damit Bildungshindernisse festgestellt und überwunden werden. Allerdings beschreibt sie die Situation von Jungen (und Mädchen) nicht angemessen und verstärkt durch Forderungen nach mehr Männern und Männlichkeit in der Bildung geschlechtsbezogene Entwicklungshindernisse anstatt diese zu lösen. Der Vortrag stellt eine Kritik an der These von der Jungenbenachteiligung und den mit ihr verknüpften Nahelegungen vor und präsentiert alternative Ansätze für eine geschlechtergerechte Bildung.

Informationen zum Vortragenden

Thomas RieskeThomas Viola Rieske ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V. (Berlin) und dort derzeit in Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekten im Arbeitsbereich Gewaltforschung tätig (Aufdeckungsprozesse von männlichen Betroffenen sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend und Stärkung gewaltbetroffener Jugendlicher in stationärer Jugendhilfe). Weitere Arbeitsschwerpunkte sind Jungenpädagogik und Jungenpolitik, Geschlechtertheorie und –forschung sowie Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit zur Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt.

Ausgewählte Publikationen

  • Rieske, Thomas Viola (2015): Pädagogische Handlungsmuster in der Jungenarbeit. Eine Untersuchung zur Praxis von Jungenarbeit in kurzzeitpädagogischen Settings. Opladen: Budrich UniPress.
  • Rieske, Thomas Viola (2014): Queer und Jungenarbeit? Zur Verknüpfbarkeit von Männlichkeitskritik und jungengerechter Pädagogik. In Sozialmagazin, 3-4, S. 74-80.
  • Rieske, Thomas Viola (2011). Bildung von Geschlecht: Zur Diskussion um Jungenbenachteiligung und Feminisierung in deutschen Bildungsinstitutionen Frankfurt/Main: GEW. URL: www.gew.de/Binaries/Binary72549/Bro_Bildung_von_Geschlecht_low.pdf


Der Boxerstil
Zur Produktion aggressiver Männlichkeit in der Hauptschule

Dr. Stefan Wellgraf | Institut für Kultur- und Sozialanthropologie, Europa-Universität Viadrina Frankfurt

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/21/Speaker_Icon.svg/200px-Speaker_Icon.svg.png Aufzeichnung des Vortrages von Stefan Wellgraf

Informationen zum Vortrag

Kampfgesten und provozierend-angriffslustiges Verhalten sind an Hauptschulen omnipräsent. Vor allem männliche Schüler inszenieren sich immer wieder mit Hilfe aggressiver verbaler und körperlicher Performances. In dem Vortrag wird gefragt, wie dieses Verhalten entsteht und wie es zu verstehen ist. Die Bezeichnung „Boxerstil“ bezieht sich dabei zunächst auf einen Sportkontext. Hier wird sie jedoch als Chiffre für einen mit spezifischen Konsum- und Körperpraktiken verbundenen jugendkulturellen Stil verstanden, der von tradierten Vorstellungen männlicher Härte und dem Motiv des Kämpfens als zentralem Referenzpunkt von Lebenseinstellungen und Weltsichten geprägt ist. Basierend auf Feldforschungen an Berliner Hauptschulen deute ich Boxerposen als eine spezifisch männlich konnotierte Reaktionsweise auf die gesellschaftlich produzierte Verachtung von Hauptschülern - als eine widerspruchsvolle Form der Selbstbehauptung, die auf vielschichtige Weise mit den Machtstrukturen von Klasse, „Rasse“, Geschlecht und Körper verknüpft ist.

Informationen zum Vortragenden

WellgrafStefan Wellgraf ist Mitarbeiter am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt/Oder. Er studierte Kultur- und Sozialwissenschaften in Berlin, Frankfurt/Oder, Paris und New York, war Kollegiat im Graduiertenkolleg „Berlin – New York. Geschichte und Kultur der Metropolen“ und Stipendiat der Europa-Universität Viadrina, wo er mit einer Ethnografie über Berliner Hauptschüler promovierte. Seit 2015 hat er eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierte Forschungsstelle zur Erforschung der emotionalen und ästhetischen Dimensionen von Exklusionsprozessen inne. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Exklusion, Migration, Populär- und Medienkultur.


Ausgewählte Publikationen

  • Wellgraf, Stefan (2012): Hauptschüler. Zur gesellschaftlichen Produktion von Verachtung, Bielefeld.
  • Wellgraf, Stefan (2008): Migration und Medien. Wie Fernsehen, Radio und Print auf die Anderen blicken, Berlin.


Weitere Informationen auf der Homepage von Stefan Wellgraf


Männlichkeit, Ethnizität und Jugend
Präsentationen von Zugehörigkeit im Feld Schule

Dr. Katrin Huxel | Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Münster

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/21/Speaker_Icon.svg/200px-Speaker_Icon.svg.png Aufzeichnung des Vortrages von Katrin Huxel

Informationen zum Vortrag

Jungen mit sogenanntem Migrationshintergrund tauchen in Bildungsdiskursen in besonderer Weise als ‚Problemfälle‘ auf. Glaubt man den vielfältigen medialen Darstellungen, verstärken sich ihre Geschlechtszugehörigkeit und ihre (zugeschriebene) ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit auf negative Weise gegenseitig. Ihr Geschlecht erscheint als durch ihre ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit determiniert und es entsteht ein Stereotyp rückständiger Macho-Jungs, die den aufgeklärt-emanzipierten Jungen der Mehrheitsgesellschaft gegenübergestellt werden. Diese Zuschreibungen wirken auch in der Schule. Im Beitrag werden Selbstverortungen junger Männer mit Migrationshintergrund nachvollzogen und ihre Bezüge und Umgangsweisen mit den skizzierten Zuschreibungen gezeigt.

Informationen zur Vortragenden

HuxelDr. Katrin Huxel ist am Institut für Erziehungswissenschaft der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster tätig. Sie ist dort wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Interkulturelle Erziehungswissenschaft und leitet gegenwärtig gemeinsam mit Prof. Dr. Sara Fürstenau das BMBF-Projekt MIKS – Mehrsprachigkeit als Handlungsfeld Interkultureller Schulentwicklung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Geschlechterforschung, Intersektionalität, Bildung und soziale Ungleichheit und Interkulturelle Bildungsforschung.

Ausgewählte Publikationen

  • Huxel, Katrin (2014): Männlichkeit, Ethnizität und Jugend. Präsentationen von Zugehörigkeit im Feld Schule, Wiesbaden.

Weitere Informationen auf der Homepage von Katrin Huxel


Vom Umgang mit widersprüchlichen Anforderungen
Theorie und Praxis geschlechterreflektierender Burschenarbeit

Mag. Michael Kurzmann | Fachstelle für Burschenarbeit Graz; Lehrbeauftragter an der Karl-Franzens-Universität Graz

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/2/21/Speaker_Icon.svg/200px-Speaker_Icon.svg.png Aufzeichnung des Vortrages von Michael Kurzmann

Informationen zum Vortrag

Wenn sich Lebensproblematiken männlicher Jugendlicher vor dem Hintergrund sich wandelnder Dominanz- und Diskriminierungsverhältnisse im Klassenraum äußern, stellt dies Pädagog_innen vor große Herausforderungen. Was Lehrkräfte oft als massive Störung des Unterrichts erleben, die auf die Hinterbühne verbannt werden soll, ist für zahlreiche männliche Jugendliche die Hauptbühne ihres Lebens. Der Vortrag plädiert dafür, diese Lebensthemen der Schüler wahrzunehmen und Anerkennungspraktiken als Maßnahmen gegen Exklusion und Gewalt in den Mittelpunkt zu rücken. Anhand konkreter Workshop-Sequenzen und -Methoden werden Chancen und Grenzen einer intersektional erweiterten Burschenarbeit ausgelotet.

Informationen zum Vortragenden

Michael KurzmannMag.(FH) Michael M. Kurzmann ist Sozialarbeiter und Psychoanalytiker i.A.u.S. (APLG/Graz). Er ist Geschäftsleiter der Fachstelle für Burschenarbeit (Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark) und seit Jahren in der Koordination und Durchführung von Burschen-Workshops sowie als Case-Manager in der Gewaltarbeit mit Männern tätig. Er ist Mitglied der GenderWerkstätte, wo er Gender+ Kompetenz-Trainings durchführt und Lehrbeauftragter am Zentrum für Soziale Kompetenz der Karl-Franzens-Universität Graz.



Ausgewählte Publikationen

  • Kurzmann, Michael M. (2014): Burschen Trouble. Die intersektionale Dimension im Klassenzimmer. In: Oberhöller, Katrin/Knoll, Otmar (Hg.) IMST-Newsletter „Gender_Diversität“, Ausgabe 41, Frühjahr/Sommer 2014, S. 12f. Artikel hier zum Download.
  • Stuve, Olaf/ Scambor, Elli/ Kurzmann Michael M. et al. (2011): Handbuch Intersektionale Gewaltprävention. Implementation Guidelines for an Intersectional Peer Violence Preventive Work (IGIV). Text hier zum Download.

Weitere Informationen zu Michael M. Kurzmann finden Sie hier sowie unter www.psychotherapie-kurzmann.at



 

 

Die Tagung wurde gefördert von JUFF, Fachbereich Frauen und Gleichstellung, Land Tirol und der Abteilung Bildung des Landes Tirol.

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