Univ.-Prof. Dr.in Dora Lisa PfahlDr. Lisa Pfahl

Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Institut für Erziehungswissenschaft
A-6020 INNSBRUCK – Liebeneggstr. 8
Zi. 01-06 (1. Stock)
Tel: 0043-512-507/40049
E-Mail:
lisa.pfahl@uibk.ac.at



Forschungsprofil

 

Die Themen meiner Forschung sind sozial-, kultur- und erziehungswissenschaftlich ausgerichtet und umfassen Fragen nach den Ursachen und Folgen von Behinderung, Benachteiligung und sozialer Ungleichheit, nach der Genese, Legitimität und Machtförmigkeit von Wissen sowie nach Auswirkungen und Folgen von Arbeitsmarkt- und Wissenspolitik für die Bildungskarrieren von Frauen. Mit meiner Forschung zur sozialen und kulturellen Konstruktion von Behinderung im Bildungswesen und im Übergang von der Schule in das Erwerbsleben sowie den Wissenschaftskarrieren von Frauen konnte ich Beiträge zu den Disability Studies/Soziologie der Behinderung, zur Sonderpädagogik und zu den Gender Studies leisten.

In den nächsten Jahren werde ich mich in der Forschung der Behinderung als ökonomischer und rechtlicher Kategorie widmen. Diese beiden Kategorien sind in der Wissenschaft vernachlässigte Bestandteile von Behinderung; wenn sie thematisiert werden, dann weniger als kontingente Wissensordnung, sondern als Rahmenbedingung der Rehabilitationswissenschaft, nicht als ihr Untersuchungsgebiet. Im Hinblick auf die Ökonomie und das Recht der Behinderung kann eine Forschungslücke konstatiert werden. Die kulturelle und institutionelle Konstruktion von Behinderung ist als Forschungsgegenstand etabliert – dieses Forschungsfeld möchte ich gerne auf den Zusammenhang von Behinderung, Ökonomie und Recht ausweiten. Der Zusammenhang von Behinderung, Ökonomie und Recht bildet also ein neues Untersuchungsfeld, das eine hohe Relevanz für praktische und theoretische Fragen der Rehabilitationswissenschaft/Sonderpädagogik/Erziehungswissenschaft hat und außerdem für die Medizinsoziologie und Wissenssoziologie von Interesse ist.

 

Forschungsprojekte (Übersicht)

 

1. „Stigma-Management im Jobcoaching. Berufliche Orientierungen benachteiligter Jugendlicher“

Diplomarbeitsprojekt, unterstützt durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (2001 – 2003)

Die Praxis des Jobcoaching und die beruflichen Übergänge von Sonderschulabsolvent/innen von Lernbehindertenschulen standen im Mittelpunkt des qualitativ und quantitativ ausgerichteten Forschungsprojekts. Mittels einer standardisierten Lebenslaufbefragung der Jugendlichen wurden im Rahmen der Nachwuchsgruppe „Ausbildungslosigkeit“ die Einflüsse von Schule, Familie und Peers auf die (schulische) Sozialisation der Befragten erkundet. Diese Befragung wurde im Rahmen des Diplomprojekts um qualitative Interviews mit den Jugendlichen und ihren Coaches ergänzt und um die fallanalytische Rekonstruktion der subjektiven Berufsorientierungen erweitert. Es zeigt sich, dass die Problemlage der stigmatisierten Jugendlichen am Übergang Schule - Beruf maßgeblich aus ihrem Sonderschulbesuch erwächst und dass dies maßgeblich eine Kompensation ihrer „Lernbehinderung“ erschwert. Die Jugendlichen bilden geschlechterstereotype Formen des Stigma-Managements aus: sie ‚passen sich an’, indem sie ihre beruflichen Ambitionen reduzieren oder handeln trangressiv in einem ‚acting-Out’.

Pfahl, Lisa (2006) Schulische Separation und prekäre berufliche Integration: Berufseinstiege und biographische Selbstthematisierung von Sonderschulabgänger/innen. In: Anke Spies und Dietmar Tredop (Hg.), „Risikobiografien“ – Benachteiligte Jugendliche zwischen Ausgrenzung und Förderprojekten. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 143–158.

Pfahl, Lisa (2006) Stigma-Management und berufliche Orientierung sozial benachteiligter Jugendlicher. In: Karl-Siegbert Rehberg (Hg.) Soziale Ungleichheit – Kulturelle Unterschiede. Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Wiesbaden.

Pfahl, Lisa (2004) Stigma-Management im Jobcoaching. Berufliche Orientierungen benachteiligter Jugendlicher (Diplomarbeit). Working Paper 1/2004 der Nachwuchsgruppe „Ausbildungslosigkeit“. Berlin: MPIB.

Pfahl, Lisa (2003) Datenbericht „Jobcoaching“. Zur Studie der Lebensverläufe von Schulabgängern von Sonderschu-len für Lernbehinderte (NRW). Working Paper 1/2003 der Nachwuchsgruppe „Ausbildungslosigkeit“. Berlin: MPIB.

 

2. „Menschenrecht auf Bildung und Teilhabe. Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“

Transferprojekt mit Prof. Dr. Justin Powell (University of Luxembourg) zur Umsetzung der UN-Konvention (seit 2009)

Bildung ist Menschenrecht. Aus dieser Formulierung in der Allgemeinen Erklärung der Men-schenrechte leiten die Vereinten Nationen und die Europäische Union die Forderung ab, Bil-dung möglichst inklusiv zu gestalten. Inklusiv heißt: Alle Kinder und Jugendlichen werden gemeinsam unterrichtet. Die Vertragsstaaten verpflichten sich, Menschen mit Behinderungen einen gleichberechtigten Zugang zu einem hochwertigen, inklusiven Unterricht zu gewährleisten. In diesem Transferprojekt engagieren wir uns in der Allianz der Nichtregierungsorganisationen zur Erstellung eines Schattenberichts über die Umsetzung der UN-Konvention, transferieren Forschung in die Öffentlichkeit und sprechen Policy-Empfehlungen aus.

Pfahl, Lisa (2014) Das Recht auf Inklusion und der Wandel pädagogischer Professionalität. In: Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hg.) Bildungsforschung 2020 – Herausforderungen und Perspektiven, S. 295–307.

Pfahl, L. & J.J.W. Powell (2010): Draußen vor der Tür: Die Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderung. Aus Politik und Zeitgeschichte 23/2010: 32–38.

Pfahl, Lisa; Powell, Justin (2009) Menschenrechtsverletzungen im deutschen Schulsystem: behindert werden durch Sonderbeschulung. In: Till Müller-Heidelberg et al. Grundrechte-Report 2009. Zur Lage der Bürger- und Menschen-rechte in Deutschland. Frankfurt a. M.: Fischer, S. 95–98.

Powell, Justin; Pfahl, Lisa (2009) Ein kontinuierlicher deutscher Sonderweg? Schul- und Berufsbildung von Schüle-rinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. In: Sabine Knauer und Jörg Ramseger (Hg.) Welchen Beitrag leistet die schulische Integration von Menschen mit Behinderungen auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt? Ergebnisse eines Expertenhearings. Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, S. 61–73.

Powell, Justin J.W.; Pfahl, Lisa (2009) Sonderschule behindert Chancengleichheit. WZBrief Bildung 2008/04. Online verfügbar: www.bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung200804_PowellPfahl.pdf

 

3. „Doing Gender im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich“

Literaturstudie, finanziert durch Akademie für Technikwissenschaften, München (2009)

Die Literaturstudie über die (Re-)Produktion von Geschlechterungleichheiten im Bildungswe-sen und Arbeitsmarkt zum Thema und verdeutlicht, dass in der soziologischen, erziehungswissenschaftlichen und psychologischen Forschung nach wie vor überwiegend sozialisationstheoretische Ansätze verfolgt werden. Es ist wird gut belegt, wie in den Natur- und Technikwissenschaften Mädchen und Frauen sehr früh im Lebensverlauf verloren werden: Wie beim Durchlauf eines Trichters (‚leaking pipeline’) verringert sich mit jeder Bildungs- und Karrierestufe die Anzahl von Frauen in diesen Fächern und Berufen. Zugleich verweisen einige wenige Studien auf die große Bedeutung, die den Arbeitsmarktchancen von Frauen in diesem Bereich beizumessen ist. Insbesondere der ländervergleichende Blick macht deutlich, dass in Gesellschaften, in den Frauen selbstverständlich am naturwissenschaftlichen und technischen Arbeitsmarkt partizipieren auch das Interesse an diesen Disziplinen größer ist. Ein Wandel der disziplinären Kultur der deutschen Natur- und Technikwissenschaften ist also nötig, wenn Frauen dauerhaft als Nachwuchskräfte gewonnen werden sollen.

Solga, Heike; Pfahl, Lisa (2009) Doing Gender im technisch–naturwissenschaftlichen Bereich. In: Joachim Milberg (Hg.), Förderung des Nachwuchses in Technik und Naturwissenschaft. Beiträge zu den zentralen Handlungsfeldern. Berlin: Springer, S. 155–218.

Solga, Heike; Pfahl, Lisa (2009) Doing Gender im technisch- naturwissenschaftlichen Bereich. WZB Discussion Paper SP I 2009-502. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. (Reprint)

Solga, Heike; Pfahl, Lisa (2009) Wer mehr Ingenieurinnen will, muss bessere Karrierechancen für Frauen in Technikberufen schaffen. WZBrief Bildung 2009/07. Online verfügbar: www.bibliothek.wzb.eu/wzbrief-bildung/WZBriefBildung072009_solga_pfahl.pdf

 

4. „Gemeinsam Karriere machen. Die Verflechtung von Berufskarrieren in Akademikerpartnerschaften“

Mitarbeit im Forschungsprojekt von Dr. Alessandra Rusconi und Prof. Dr. Heike Solga (Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin), finanziert durch das BMBF (2006 – 2011)

Wissenschaftskarrieren von Frauen sind bis heute in vielen akademischen Disziplinen eine Sel-tenheit. Dass die Bedeutung von Partnerschaft für die Wissenschaftskarrieren von Frauen zentral ist, wurde in diesem quantitativ und qualitativ angelegten Forschungsprojekt gezeigt. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden die Lebens- und Erwerbsläufe von 700 Wissenschaftlerinnen an deutschen Universitäten standardisiert erhoben. Die Studie schloss sowohl eine standardisierte Befragung der Lebenspartner der Frauen als auch eine qualitative Befragung von über 40 Wissenschaftlerinnen und ihrer Partner aus allen Statusgruppen ein. Die themenfokussierten, narrativen Interviews wurden sozialwissenschaftlich-hermeneutisch ausgewertet und dienten einerseits zur Thesengenerierung für die statistische Auswertung, andererseits konnten offene Fragen zu den innerpartnerschaftlichen Aushandlungsprozessen exemplarisch geklärt werden: Die langen Arbeitszeiten und intensiven Arbeitsphasen stellen eine Herausforderung für Wissenschaftlerinnen mit Familie dar, wie die Rekonstruktion von Paargeschichten zeigt. Als ‚Zwang’ empfundene überlange Arbeitszeiten werden als unvereinbar mit der Organisation eines Familienalltages beschrieben. Die Tatsache, nach selbst gesetzten, relativ flexiblen Arbeitszeiten tätig zu sein, stellt für Wissenschaftlerinnen eine Belastung und zugleich die Möglichkeit dar, Familienarrangements zu schaffen.

Hess, Johanna/Pfahl, Lisa (2011) „Under Pressure...“ Biografische Orientierungen von Wissenschaftlerinnen in Beruf, Partnerschaft und Familie. In: Alessandra Rusconi und Heike Solga (Hg.) Gemeinsam Karriere machen. Opladen: Barbara Budrich, S. 117–146.

Althaber, Agnieszka/Hess, Johanna/Pfahl, Lisa (2011) Karriere mit Kind in der Wissenschaft – Egalitärer Anspruch und tradierte Wirklichkeit der familiären Betreuungsarrangements. In: Alessandra Rusconi und Heike Solga (Hg.) Gemeinsam Karriere machen. Opladen: Barbara Budrich, S. 83–116.

Althaber, Agnieszka/Hess, Johanna/Pfahl, Lisa (2011) Gleichheit im Job - und am Wickeltisch. Kinderbetreuung durch beide Eltern ist für Wissenschaftlerinnen zentral. In: WZB-Mitteilungen 133, S. 34–38.

 

5. „Techniken der Behinderung. Der deutsche Lernbehinderungsdiskurs, die Sonderschule und ihre Auswirkungen auf Bildungs- und Erwerbsbiografien“

Dissertationsprojekt, finanziert durch Max-Planck-Gesellschaft, Graduiertenkolleg LIFE (2003 – 2009)

In diesem Projekt wurde die Institutionalisierung von Bildungsungleichheit aus wissenssozio-logisch-diskursanalytischer Perspektive beschrieben. Dabei wird ein methodeninnovativer Ansatz verfolgt: sozialkonstruktivistische Ansätze zur Selbstkonstitution und zum biographischen Handeln von Schülern mit sogenannter Lernbehinderung werden mit einer diskursanalytischen und professionssoziologischen Analyse des Diskurses der Sonderpädagogik, insbesondere des Lernbehinderungsdiskurses verbunden. In dieser Arbeit wird das in den Disability Studies beschriebene medizinische und soziale Modell der Behinderung in Bezug auf den bislang wenig erforschte Bereich der Lernbehinderung rekonstruiert. Es wurde herausgearbeitet, dass ein kultursoziologisches Verständnis bzw. ‚Modell’ von Behinderung nötig ist, um die Verbindung sozialer, medizinischer, professionskultureller und biographischer Konstruktionsprozesse in der Genese von Behinderungskonzepten und ihrer institutionellen Befestigungen zu begreifen.

Auf der Grundlage einer standardisierten Lebenslaufbefragung wurde eine qualitative Panel-Befragung von Sonderschulabsolvent/-innen zum Zeitpunkt des Schulabgangs und zum Zeitpunkt in Berufsbildung bzw. in Berufsausbildung durchgeführt. Es konnte gezeigt werden, dass der Lernbehinderungsdiskurs im schulischen und beruflichen Sozialisationskontext individuelle geschlechtertypische Subjektivierungsprozesse in Gang setzt, die durch die Vermittlung von Selbsttechniken und durch Zuschreibungen von Behinderung angestoßen werden. Diese makrostrukturell bedingten und institutionell vermittelten Prozesse führen dazu, dass Sonderschüler/innen nicht nur aus dem allgemeinen Bildungswesen sondern auch systematisch und langfristig vom Arbeitsmarkt exkludiert werden und dabei eine Identität als Lernbehinderte ausbilden. Die starke berufliche Orientierung der jungen Erwachsenen wurde durch die Erfahrungen des Anpassungsdrucks im Ausbildungskontext und das Scheitern einer langfristigen beruflichen Integration beeinträchtigt.

Pfahl, Lisa (2014) Befähigende Bildungsverhältnisse. Wissenssoziologische Grundlagen einer Theorie der pädagogi-schen Beziehungen. In: Annedore Prengel und Ursula Winklhofer (Hg.) Kinderrechte in pädagogischen Beziehungen. Opladen: Verlag Barbara Budrich, 45–60.

Pfahl, Lisa (2012) Bildung, Behinderung und Agency. Eine wissenssoziologische Untersuchung der Folgen schuli-scher Segregation und Inklusion. In: R. Becker und H. Solga (Hg.) Sonderheft Bildungssoziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Jg. 52, 415–436.

Pfahl, Lisa (2011) Techniken der Behinderung. Der deutsche Lernbehinderungsdiskurs, die Sonderschule und ihre Auswirkungen auf Bildungsbiografien. Bielefeld: Transcript.

Pfahl, Lisa (2008) Die Legitimation der Sonderschule im Lernbehinderungsdiskurs in Deutschland im 20. Jahrhun-dert. Discussion Paper SP I 2008-504. Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Online verfügbar: www.skylla.wz-berlin.de/pdf/2008/i08-504.pdf

 

6. „Knowledge and Authority of the Special Education Profession in Germany“

Forschungsprojekt mit Prof. Dr. Justin Powell (University of Luxembourg), teilfinanziert durch das T.H. Marshall Program, Volkswagen Foundation (2010)

In this collaboration, we investigate special education’s shifting knowledge base since the early twentieth century, including international standards. We focus on the seminal ideas and norms guiding the profession and academic discipline of special education as primary sources of its legitimacy. We contrast older notions of ab/normality, therapy, learning disability, and segregation with less prevalent but rising ideals such as educational and social inclusion and labor market participation.

In dieser Zusammenarbeit untersuchen wir die Wissensbestände der Sonderpädagogik seit dem beginnenden 20. Jahrhundert. Die Gründungs- und Leitideen der Sonderpädagogik und ihr Wandel durch die Etablierung als akademische Disziplin werden als zentrale Quelle der Legitimität beschrieben. Dabei werden ältere Vorstellungen von (A-)Normalität, Therapie, Lernbehinderung und Segregation mit Idealen der schulischen und sozialen Inklusion und Arbeitsmarktbeteiligung kontrastiert und das gegenwärtige Selbstverständnis der Profession bestimmt.

Pfahl, Lisa; Powell, Justin J.W. (2015) „Ich hoffe sehr, sehr stark, dass meine Kinder (...) mal eine normale Schule besuchen können.“ Pädagogische Klassifikationen und ihre Folgen für die (Selbst-)Positionierung von Schüler/innen. In: Vera Moser und Birgit Lütje-Klose (Hg.) Zeitschrift für Pädagogik. Sonderheft Schulische Inklusion 4/2015. (im Druck)

Pfahl, Lisa; Powell, Justin J.W. (2014) Subversive Status: Disability Studies in Germany, Austria and Switzerland. In: Disability Studies Quarterly 34/2, Special Issue: “Growing Disability Studies”. www.dsq-sds.org/article/view/4256/3596

Powell, Justin J.W.; Pfahl, Lisa (2012) Sonderpädagogische Fördersysteme. In: Ullrich Bauer, Uwe H. Bittlingmayer und Albert Scherr (Hg.) Handbuch Bildungs- und Erziehungssoziologie. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 721–740.

Pfahl, L. & J.J.W. Powell (2011): Legitimating School Segregation. The Special Education Profession and the Dis-course of Learning Disability in Germany. Disability & Society 26(4): 449–462.

 

7. „Hochbegabung inklusive. Inklusion als Impuls für Begabungsförderung an Schulen“

Forschungsprojekt mit Prof. Dr. Simone Seitz (Universität Paderborn), finanziert durch die senatorische Behörde Bremen und Karg-Stiftung (2011 – 2014)

In dem qualitativ-empirischen Forschungsprojekt wird die pädagogische Umsetzung des Rechts auf einen allgemeinen Schulplatz aller Kinder und Jugendlichen in Bremen untersucht – dem Bundesland Deutschlands, dass das Recht auf einen allgemeinen Schulplatz im Schulgesetzt verankert hat. Der Wandel des Schulwesens hin zu inklusiven Schulen wird oft gleichgesetzt mit einer pädagogischen Orientierung an ‚leistungsschwachen’ oder negativ ‚sozial auffälligen’ Schülern und Schülerinnen und ihrer Förderung. In diesem Forschungsprojekt wird der Blick auf Prozesse schulischer Inklusion gerichtet, die Potential für die Förderung von ‚leistungsstarken’ oder positiv ‚sozial auffälligen’ Schülern und Schülerinnen bieten. Mithilfe einer Mehrebenenanalyse werden die Schulorganisation, das Unterrichtshandeln der Lehrkräfte als auch die biografischen Orientierungen der Schüler/innen an zwei Schulen in Bremen untersucht. Fokussierend auf die Frage, welche Merkmale eine (Hoch-)Begabungsförderung in einem inklusiven Bildungssetting hat, wird die Strategie der Schulentwicklung, die Qualität der sozialen Interaktion sowie der didaktische Qualität der Unterrichtsgestaltung und die Sicht der Schüler/innen mit unterschiedlicher Herkunft, Befähigung und Geschlecht auf ihre Lebens- und Berufsperspektiven untersucht.

Seitz, Simone; Pfahl, Lisa; Lassek, Maresi; Steinhaus, Frederike; Rastede, Michaela (2016) „Hochbegabung inklusive.“ Inklusion als Impuls für Begabungsförderung an Grund- und Oberschulen. Weinheim: Beltz Verlag. (im Druck)

Pfahl, Lisa; Seitz, Simone (2014) Inklusive Schulentwicklung als Impuls für die Begabungsförderung. In: Beiträge zur Begab-tenförderung und Begabungsforschung (Karg Heft: Werte schulischer Begabungsförderung) 6/2014, S. 46–57.

Pfahl, Lisa; Seitz, Simone (2013) Wissen um Begabung. Theoretische und methodologische Überlegungen zu Praktiken der Begabungsförderung an inklusiven Schulen. In: Clemens Dannenbeck und Carmen Dorrance (Hg.) Doing Inclusion. Inklusion in einer nicht inklusiven Gesellschaft. Bad Heilbrunn: Klinkhardt, S. 178–188.

Seitz, Simone; Pfahl, Lisa (2013) Begabungsförderung an inklusiven Schulen. In: Schenz, Christina/ Schenz, Axel/ Pollak, Guido (Hrsg.) Perspektiven der Grundschule. Auf dem Weg zu einer demokratisch-inklusiven Schule. Berlin: LIT-Verlag, S. 55–73.

Seitz, Simone; Pfahl, Lisa; Scheidt, Katja (2012) Wie Begabungsförderung und inklusive Pädagogik zusammenpassen – ein Diskussionsbeitrag. In: Gemeinsam Leben, Zeitschrift für Integrative Erziehung Jg. 20(3), S. 132–138.

 

8. „ Subjektivierungsanalysen: Verknüpfung von Diskursanalyse und Biografieanalyse“

Forschungsprojekt mit Dr. Boris Traue, Universität Lüneburg und Dr. Lena Schürmann (Alice Salomon Hochschule, Berlin) und dem Berliner Arbeitskreis Diskurs, Medien, Biografie (seit 2011)

Das Verhältnis von Wohlfahrtsstaat und Individuum wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in den Sozialwissenschaften meist als befähigendes und integrierendes Ver-hältnis begriffen. Handlungsfähiges Subjekt zu sein, setzt zweierlei voraus: Erstens, sich be-stimmen zu lassen, d.h. in Subjektivierungsprozesse einzutreten, in denen der Einzelne in die Macht sozialer Beziehungen eingefädelt und eingebunden wird und lernt, sich an und in kulturellen Zeichen-, Normen- und Wert-, kurz: Wissensbeständen und Medienverhältnissen zu orientieren. Zweitens, sich nicht dermaßen bestimmen zu lassen, d.h. Relevanzen aufzugeben, geschlossene Wissensformen zu hinterfragen und eine Positionierung an den Rändern der vorgegebenen Identitäten zu ertragen. Diese beiden Prozesse, die sich analytisch unterscheiden lassen, sind empirisch eng miteinander verbunden. Es handelt sich also nicht um getrennte Modi der Subjektkonstitution, sondern um sich alternierende Formen der Formierung von Selbst- und Weltbezügen. Dieses Subjektverständnis, das (De-)Subjektivierungsprozesse in den Mittelpunkt rückt, soll die Diskussion um das Subjekt auf das Problem der Rechte und der Ökonomie hin öffnen. Subjektivierung, also die Vermittlung und Aneignung von Wissen und Techniken, ist eben nicht nur ein auferlegter Zwang, sondern auch ein rechtlich abgesichertes Privileg.

Pfahl, Lisa; Schürmann, Lena (2015) Subjektivierungsanalyse. In: Leila Akremi, Boris Traue, Nina Baur und Hubert Knoblauch (Hg.) Handbuch interpretativer Forschung. Praktiken, Potentiale und Aufgaben qualitativer Methoden. Weinheim: Juventa (in Vorbereitung).

Pfahl, Lisa; Schürmann, Lena; Traue, Boris (2014) Das Fleisch der Diskurse. Zur Verbindung von Biographie- und Diskursforschung in der wissenssoziologischen Subjektivierungsanalyse am Beispiel der Behindertenpädagogik. In: Susann Fegter, Fabian Kessel, Antje Langner, Marion Ott, Daniela Rothe und Daniel Wrana (Hg.) Diskusanalytische Zugänge zu Bildungs- und Erziehungsverhältnissen. Wiesbaden: VS, S. 89–106.

Traue, Boris; Pfahl, Lisa; Schürmann, Lena (2014) Diskursanalyse. In: Nina Baur und Rainer Lepsius (Hg.) Handbuch Methoden der Sozialforschung. VS, S. 493–509.

Traue, Boris; Pfahl, Lisa (2012) Desubjektivierung. Zum Verhältnis von Körper, Wissen und Recht nach dem Neoliberalismus. In: Mechthild Bereswil, Marco Perels und Carmen Figlestahler (Hg.) Wechselverhältnisse im Wohlfahrtsstaat. Münster: Westfälisches Dampboot, S. 124–136.

Pfahl, Lisa; Traue, Boris (2012) Die Erfahrung des Diskurses. Zur Methode der Subjektivierungsanalyse in der Untersuchung von Bildungsprozessen. In: Reiner Keller und Inga Truschkat (Hg.) Anwendungen der wissenssoziologischen Diskursanalyse. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 425–450.

 

9. „Armuts- und Erwerbsdynamiken im Lebensverlauf von chronisch kranken Menschen“

Forschungsprojekt mit Dr. Andreas Hirseland, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg und dem Berliner Arbeitskreis Diskurs, Medien und Biografie

Seit 2004 beschäftige ich mich im Kontext der Lehre und Publikationen zur Erwerbsintegration immer wieder mit den Inhalten der Hartz- und Armuts-Gesetzgebung und ihren Auswirkungen auf unterschiedliche Bevölkerungsgruppen auseinander. Diese Beschäftigung setze ich mit einer gezielten Untersuchung der Armuts- und Lebenslaufdynamiken von behinderten Personen fort. Dazu nutze ich die qualitative und quantitative Panel-Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürnberg, von Menschen mit häufigen Ein- und Ausstiegen in Hartz IV. Die Befragung wird seit der Einführung der Gesetzgebung über 10 Jahre hinweg in vier Wellen durchgeführt. Der Datensatz beinhaltet ausführliche Interviews über die Erwerbs-, Lebens-, Wohn- und Partnerschaftssituation von erwerbseingeschränkten Personen und ermöglicht eine fallbezogene und vergleichende Rekonstruktion.

Herma, Holger; Hirseland, Andreas; Pfahl, Lisa; Schürmann, Lena; Traue, Boris (2015) „Habt ihr Arbeit oder keine?“ Armuts- und Erwerbsdynamiken im Lebensverlauf von Menschen mit chronischen Erkrankungen. (in Vorbereitung)

Pfahl, Lisa (2006) Schulische Separation und prekäre berufliche Integration: Berufseinstiege und biographische Selbstthematisierung von Sonderschulabgänger/innen. In: Anke Spies und Dietmar Tredop (Hg.) „Risikobiografien“ – Benachteiligte Jugendliche zwischen Ausgrenzung und Förderprojekten. Wiesbaden: VS-Verlag, S. 143–158.

 

10. „Frauen mit Behinderung: Kampf um Anerkennung und Gleichstellung“

Aktuelles Forschungsprojekt mit Prof. Dr. Swantje Köbsell (Alice Salomon Hochschule, Berlin)

Behinderung wurde lange als ein individuelles oder medizinisches Problem angesehen, als ein Schicksalsschlag, der ausgehalten werden muss. Die betroffenen Personen wurden als (hilfs-)bedürftige, asexuelle und geschlechtslose Menschen wahrgenommen, von denen Dankbarkeit für die ihnen gewährten Sozialleistungen erwartet wurde. Die Entwicklung von diesem Punkt hin zu einer Bewegung für die Rechte behinderter Menschen und die weitere Entwicklung einer Bewegung behinderter Frauen innerhalb dieser Bewegung benötigte eine beachtliche Zeitspanne. Trotzdem die deutsche Frauenbewegung der 1970er Jahre diesen Pro-zess beeinflusste, bleibt festzuhalten, dass die Interessen behinderter Frauen dort keine Berücksichtigung fanden. In diesem Forschungs- und Publikationsprojekt zeichnen wir die Entwicklung der deutschen Behindertenrechtsbewegung in den letzten dreißig Jahren nach. Wir nehmen die Herausforderungen in den Blick, denen behinderte Frauen begegneten und wie sie in der Gegenwart mit diesen Barrieren umgehen. Dabei heben wir das Potential hervor, das in einer vergeschlechtlichten Perspektive auf Behinderung liegt. Diese Perspektive wurde von behinderten Frauen aus der Bewegung initiiert und bereichert den Diskurs um Behinderung sowie die Auseinandersetzungen um Intersektionalität in den Gender Studies. Es werden Unterschiede zwischen der Frauenbewegung und der Bewegung behinderter Frauen aufgezeigt und die zentralen Entwicklungen in der deutschen Behinderten- und Gleichstellungspolitik der letzten 30 Jahre nachvollzogen. Dabei wird der Einfluss von Frauen auf die UN BRK hervorgehoben und auf weiter bestehende soziale Ungleichheiten ein-gegangen.

Pfahl, Lisa; Köbsell, Swantje (2016) Disabled Women in Germany. In: Louise K. Davidson-Schmich et al. (Eds.) Gen-dering Marginalized Interests: Intersectionality & Public Policy Making in Germany. Michigan: University Press. (im Druck)

Pfahl, Lisa; Köbsell, Swantje (2016) Von den Krüppelfrauengruppen zur Disability Pride Parade. Grenzen der Sicht-barkeit von Behinderung. In: Göde Both, Inka Greusing, Sabine Grenz, Tomke König, Lisa Pfahl, Katja Sabisch und Susanne Völker (Hg.) GENDER Sonderheft Bewegung/en. Opladen: Barbara Budrich. (im Druck)

Köbsell, Swantje; Pfahl, Lisa (2015) Behindert, weiblich, migriert – Aspekte mehrdimensionaler Benachteiligung. In: Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft (Arbeitskreis Emanzipation & Partnerschaft) 2015/2, 10–14.