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Migration und Bildung (Teil I)

Im ersten Teil zu Migration und Bildung beschreibt Erol Yilidz die Chancen der neuen Kultur der Beweglichkeit für den Bildungsbereich.

 

Das Leben in der globalisierten Gegenwart geht mit einer Öffnung der Orte zur Welt einher. Das bedeutet auch, Alltagsphänomene sind heute weniger denn je lokal definierbar, unsere Erfahrungs- und Vorstellungsräume sind von weltweiter Reichweite. Ein Zeichen dieses Wandels ist die unübersehbare Vielfalt vor Ort, nicht nur in den Großstädten. Die tägliche Begegnung und Auseinandersetzung mit dieser Diversität setzt Denkbewegungen in Gang, stellt neue Spielräume zur Verfügung und beeinflusst zunehmend unsere Lebensentwürfe und Wirklichkeitsauffassungen. Es ist eine neue Kultur der Beweglichkeit entstanden, die statische Begriffe von Sesshaftigkeit zunehmend fraglich erscheinen lässt.

Auch Bildungsmobilität, die in den letzten Jahren eine große Verbreitung und Intensivierung erfahren hat, trägt wesentlich zu solchen Öffnungsprozessen bei. Eine stetig wachsende Zahl junger Menschen absolviert Studium, Schulbildung oder berufliche Ausbildung ganz oder zeitweise in anderen Ländern. Diese Auslandserfahrungen werden in der Regel von allen Beteiligten hoch geschätzt und ermöglichen später globale oder transkulturelle Aktivitäten und Berufslaufbahnen, die auf persönlichen Erfahrungen, Sprachkenntnissen und vorhandenen Kontakten aufbauen können.

Die neue Kultur der Beweglichkeit im Bildungsbereich nötigt Bildungsinstitutionen dazu, diese Herausforderung bewusst anzunehmen und sich mit gezielten Programmen und international ausgerichteten Konzepten einer grenzüberschreitenden Vernetzung zu öffnen.

Durch Migrations- und Mobilitätserfahrungen werden individuelle Handlungshorizonte erweitert, neue Ideen und soziale Kontakte ermöglicht. Wenn man sich dazu genötigt sieht, sich neu zu verorten, bisher Selbstverständliches zu relativieren oder in Frage zu stellen, umzudenken und sich auf Neues einzulassen, hat das auch einen spürbaren Einfluss auf persönliche Zukunftsorientierungen.

Hier geht es zum zweiten Teil.

 

Erol Yildiz
© Sissi Furgler Fotografie

Erol Yildiz ist seit 2014 Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt „Migration und Bildung“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Innsbruck.

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