Mission Statement

Das inhaltliche Profil des Instituts für Erziehungswissenschaft gestalten aktuell die Themen- und Forschungsschwerpunkte: Allgemeine Erziehungswissenschaft, Disability- und Inklusionsforschung, Generationen- und Bildungsforschung, Feminismus und kritische Geschlechterforschung sowie Migrations- und Rassismusforschung; zudem gibt es eine Reihe von Einzelforschungen, die sich im Verbund mit den Schwerpunkten in den Curricula der unterschiedlichen Studiengänge widerspiegeln..

Das Wissenschaftsverständnis des Instituts ist von jenem Wandel gekennzeichnet, der eine an den gesellschaftlichen Verhältnissen sich ausrichtende kritische Erziehungswissenschaft auszeichnet. So folgte beispielsweise in den 1960er Jahren der erziehungsphilosophisch orientierten Periode der Gründungszeit eine empirisch ausgerichtete Phase mit umfassenden quantitativen Erhebungen und in der Folge wurden neue Strömungen wie die Handlungsforschung und die qualitative Sozialforschung aufgenommen. Sozialisationsforschung, Curriculumsforschung und -entwicklung sowie eine geistes- bzw. kulturwissenschaftliche Ausrichtung konturieren in den 1970er Jahren das Institut. Die wachsenden Studierendenzahlen veranlassen Schwerpunktbildungen wie Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung. In den 1980er Jahren entsteht ein psychoanalytischer, ein feministischer sowie ein behindertenpädagogischer Theorie-Praxis-Bereich und die kulturwissenschaftliche Orientierung wird als Historische Anthropologie neu gefasst; gleichzeitig richtet sich die Aufmerksamkeit verstärkt auf Fragen der Hochschuldidaktik. In den 1990er Jahren wird die Sozialisationstheorie als Theorie des Generationenverhältnisses weiter entwickelt, es entsteht ein medien- sowie ein integrationspädagogischer Schwerpunkt und unter der Einflussnahme postmoderner Theorieansätze schreitet die Differenzierung weiter voran, was sich seit 2001 im Diplomstudium ausgedrückt hat, das 2008/09 vom BA - Studium abgelöst wurde.

Die Ausdifferenzierung des Faches in Teildisziplinen stellt die Frage nach dem Allgemeinen als ein Offenhalten im Widerstreit und verortet die Erziehungswissenschaft in den Bildungswissenschaften. Dabei wird die Historizität des Menschlichen, des Imaginären und des Körpers bewusst, der als sinnlichleibliches Fundament alles Wahrnehmen, Begreifen, Erinnern und Denken begründet. Darüber hinaus wird deutlich, dass Bildung einen Vermittlungs- und Übersetzungsprozess darstellt, der zu seinem Gelingen einer systematisch erarbeiteten Sprache des Menschen bedarf, die in der Gegenwart methodisch zu entfalten ist.

Für die angesprochenen Forschungs- und Lehraktivitäten des Instituts für Erziehungswissenschaft ist eine methodologische Haltung der Kritik grundlegend. Die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Differenz- und Ungleichverhältnissen wird getragen von dem Interesse, pädagogische Felder und Handlungen zu erörtern, in denen es Menschen ermöglicht oder versagt ist, in einer würdevollen Weise handlungsfähig zu sein. Der Begriff der Handlungsfähigkeit wird als offener Begriff auf Verhältnisse bezogen, für die Konzepte und Diskurse über disability, gender, generation, culture, aber auch race, class und body konstitutiv sind.

Diese Bereiche verweisen auf zentrale gesellschaftliche Differenzverhältnisse, die Erziehungs- und Bildungsprozesse reproduzieren, strukturieren sowie hervorbringen. Sie artikulieren ein Theorie-Praxis-Verhältnis, das sich die Analyse und Beantwortung gesellschaftlich brisanter Frage- und Problemstellungen[1] im Zusammenhang mit Erziehung und Bildung zum Maßstab setzt. Die in diesen vier Bereichen anzusiedelnden sozialen und kulturellen Gegenstände und Prozesse sind zeitdiagnostisch, aber auch systematisch gesellschafts- und subjektanalytisch von großer Bedeutung. Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive müssen sie theoretisch-begrifflich, historisch, empi­risch, mit Bezug auf Fragen pädagogischer Professionalität und Kompetenzen und im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Bildungspolitik und Bildungssysteme bearbeitet werden. Genau hierin findet sich das Kompetenzprofil des Instituts. Das Institut ist sowohl regional, national als auch international vernetzt und bemüht, ausgezeichnete ForscherInnen und Lehrende zu verpflichten. Forschung und Lehre zeichnen sich durch eine besondere Bandbreite der Gegenstände und theoretischen Ansätze aus und zielen auf die Ausbildung reflexiv-kritischer Handlungsvermögen.

[1] z.B. Normalität und Normierung, sich überkreuzende Ungleichheits- und Differenzverhältnisse: Heteronormativität bzw. queer, Heterogenität und Partizipation, Exklusion und Inklusion, soziale Herkunft und sozialer Status, Gestaltung von Lebensphasen (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Alter), Familien und privaten Lebensformen, Bildungsinstitutionen und -kulturen, Erziehungswissen und -weisen, Subjektgenese und Subjektivierungsformen, Körper und Erfahrung, Biografie und Lebenslauf, Lebenskompetenz, interkulturelles Lernen, nicht-formelles und informelles Lernen, Adult Learning, Pädagogiken der Vielfalt.