Disability Studies und Inklusive Pädagogik

Univ.-Prof. Dr. Lisa Pfahl, Univ.-Ass. Dr. Sascha Plangger

Die Themen des Lehr- und Forschungsbereiches Disability Studies und Inklusive Pädagogik sind erziehungs-, sozial- und kulturwissenschaftlich ausgerichtet und umfassen Fragen nach der Genese, Legitimität und Machtförmigkeit von Wissen um Normalität sowie Fragen nach der Lebensrealität von Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern mit Behinderungen und ihren biographischen Erfahrungen in unterschiedlichen historischen und regionalen Kontexten.

Behinderung wird für gewöhnlich mit Vorstellung eines individuellen Mangels oder Defizits verknüpft. Das interdisziplinäre Forschungsfeld der Disability Studies versteht das Phänomen „Behinderung“ hingegen als Produkt sozialer und kultureller Konstruktionen. Insbesondere der Wandel der Bedeutung von Behinderung kann nur erklärt werden, wenn die rechtlichen, institutionellen und technologischen Bedingungen beschrieben werden, die den Ein- und Ausschluss von Menschen mit Beeinträchtigungen, Behinderungen und Benachteiligung organisieren.

Die Inklusive Pädagogik setzt ein menschenrechtliches, soziales Verständnis von Behinderung voraus. Behinderung wird in „Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren (die Menschen mit Beeinträchtigungen) an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“ (UN-BRK, Art. 1) verstanden. Für den Bildungsbereich wird untersucht, welche institutionellen und professionellen Praktiken die Selbstbestimmung und Inklusion befördern.

Mit beiden Ansätzen verbunden ist eine kritische Intervention im Umgang mit gesellschaftlichen Differenzen. Die Entwicklung und Erprobung partizipatorischer Forschungsstrategien ist ein Bestandteil des Lehr- und Forschungsbereiches, ebenso die Dissemination von Forschungsergebnissen in der Praxis sowie die Vernetzung von Akteuren in der emanzipatorischen Behindertenbewegung und in der Behindertenhilfe. Siehe dazu auch die Online-Open-Access-Volltext-Bibliothek „Behinderung, Inklusion, Dokumentation“ (kurz BiDok, http://bidok.uibk.ac.at/projekte/bildnis/index.html).
In den nächsten Jahren möchten wir zudem mit dem Zusammenhang von Behinderung, Ökonomie und Wissen ein neues Untersuchungsfeld erschließen. Zum einen hat Behinderung ganz offenkundig eine ökonomische Dimension: Behinderung „kostet“ und behinderte Personen produzieren in vielen Gesellschaften Güter. Zum anderen scheint Behinderung für die gegenwärtige Ökonomie eine wesentliche Formbestimmung darzustellen: Wer nicht als kompetent/begabt/employable/flexibel, kurz “able“ gilt, kann nicht (auf angemessene Weise) in Tauschverhältnisse eintreten, und dessen Produktion wird nicht als Arbeit anerkannt bzw. nicht oder nur niedrig entlohnt. In dem geplanten qualitativ-empirischen Forschungsprojekt werden wir der Frage nachgehen, welche institutionellen und kulturellen Konstruktionen diese Kategorie herstellen und welche Wirkung sie für Einzelne und ihre Lebenszusammenhänge entfaltet.

Weitere Forschungsthemen und –projekte sowie eine Auflistung der laufenden Dissertationsprojekte finden Sie auf der Homepage von Univ.-Prof. Dr. Lisa Pfahl und Dr. Sascha Plangger.