Disability Studies und Inklusive Pädagogik

Themen

Die Themen des Lehr- und Forschungsbereiches Disability Studies und Inklusive Pädagogik sind sozial- und erziehungswissenschaftlich ausgerichtet und umfassen Fragen nach den Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderungen in unterschiedlichen sozialen, regionalen und institutionellen Kontexten sowie die Genese und Legitimität von Wissen um (Un-)Gleichheit und (A-)Normalität.

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Behinderung wird für gewöhnlich mit Vorstellung eines individuellen Mangels oder Defizits verknüpft. Das interdisziplinäre Forschungsfeld der Disability Studies versteht das Phänomen „Behinderung“ hingegen als Produkt gesellschaftlicher Verhältnisse, d.h. als soziale Konstruktion. Dabei wird u.a. der Wandel der Bedeutung von Behinderung sichtbar, wenn die rechtlichen, institutionellen und technologischen Bedingungen beschrieben werden, die den Ein- und Ausschluss von Menschen mit Behinderungen und Benachteiligung z.B. in Bildung und Arbeit organisieren.

Die Inklusive Pädagogik setzt ein menschenrechtliches, soziales Verständnis von Behinderung voraus. Behinderung wird in „Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren (die Menschen mit Beeinträchtigungen) an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“ (UN-BRK, Art. 1) verstanden. Für den Bildungsbereich wird untersucht, welche sozialen, kulturellen und professionellen Praktiken die Selbstbestimmung und Inklusion befördern.

Lehre

Schwerpunkte in der Lehre sind Grundlagen der Disability Studies und inklusiven Bildung, Theorie und Geschichte der sozialen Ungleichheit, gesellschaftlicher und sozialer Teilhabe sowie Inklusion.

Der Lehr- und Forschungsbereich bemüht sich um einen möglichst barrierefreien Zugang zu (dem Inhalt von) Lehrveranstaltungen und kooperiert dazu mit dem Büro der Behindertenbeauftragten.

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Studierende sollen die historischen, sozialstrukturellen, kulturellen und pädagogischen Aspekte von Exklusion, Segregation, Inklusion und Heterogenität respektive Diversität verstehen. Sie erwerben Kenntnisse über wohlfahrtsstaatliche und pädagogische Klassifikationsprinzipien von Behinderung sowie Ansätze zur demokratischen Teilhabe, Partizipation und Selbstbestimmung kennen und im internationalen Vergleich einzuschätzen. In forschungsorientierten Seminaren werden eigenständige Fragestellungen entwickelt, Schritte in der Erhebung von (qualitativen) Daten nachvollzogen, und diese auf Basis qualitativ-empirischer Auswertungsverfahren interpretiert und ausgewertet.

Bei der Gestaltung der Lehre ist es uns wichtig, vielfältige und abwechslungsreiche Möglichkeiten zum selbstbestimmten Lernen und Forschen anzubieten. In den Seminaren wird ein dialogisches und forschendes Lernen sowie selbstreflexive Arbeits- und Schreibprozesse gefördert. Dabei versuchen wir, die Lehre möglichst barrierefrei zu gestalten und erweitern die Möglichkeiten zum e-Learning, um Studierenden open online access zu Materialien und Texten zu gewährleisten. Siehe dazu auch die vom Lehr- und Forschungsbereich betriebene digitale Bibliothek bidok (mit Texten und Materialien zu Behinderung Inklusion Dokumentation), die auch regionale Projekte umsetzt und einen Newsletter betreibt.

Wir bemühen uns, Studierenden Raum zu geben, um ihre Bedürfnisse zu äußern und bemühen uns um faire Bedingungen für alle Studierende – auch durch individuell vereinbarte Lösungen. Kommen Sie bitte bei Bedarf auf uns zu, wenn Sie z.B. bestimmte Materialien benötigen oder unter erschwerten Bedingungen studieren. Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Ihnen im Einzelfall sogenannte ‚Nachteilsausgleiche’ oder ‚modifizierte Prüfungen’ zustehen. Diese sind mit der Behindertenbeauftragten der Universität Innsbruck abzuklären. Nähere Informationen erhalten Sie bei der Behindertenbeauftragten der Universität Innsbruck. Zudem können Sie sich bei Fragen oder Konflikten an die Ombudspersonen der bildungswissenschaftlichen Fakultät wenden (siehe unten).

Kontaktinformationen

Behindertenbeauftragte
Dr. Elisabeth Rieder
Innrain 52c/ GEIWI Turm/ EG, 6020 Innsbruck
Tel.:0512 - 507 - 8889
E-Mail: Elisabeth.Rieder@uibk.ac.at
Web: www.uibk.ac.at/behindertenbeauftragte

 

Ombudsfrau
Dr. Susanne Roßnagl
Institut für Erziehungswissenschaft
Raum 02-04 (2. Stock), Liebeneggstraße 8; 6020 Innsbruck
Tel.: 0512 / 507 - 40026
E-Mail: Ombudsfrau-biwi@uibk.ac.at

 

Ombudsmann
Dominik Drexel, MA
Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung
Raum U1-09, Schöpfstraße 3, 6020 Innsbruck
Tel.: 0512 / 507 - 44613
E-Mail: Ombudsmann-biwi@uibk.ac.at

 

Forschung

Die Disability Studies und inklusive Pädagogik sind gekennzeichnet durch eine kritische Haltung im Umgang mit sozialen Differenzen und gesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnissen. Bei der Dissemination von Forschungsergebnissen zielt der Lehr- und Forschungsbereich neben Beiträgen zu den Disability Studies und der Inklusiven Bildung darauf sowohl verschiedene benachbarte wissenschaftliche Communities zu adressieren, wie die Gender Studies, die Soziologie und Soziale Arbeit, die Geschichts- und Politikwissenschaft, als auch einen Wissenstransfer in die Praxis zu gewährleisten und eine Vernetzung mit Akteuren in der Behindertenbewegung und der Behindertenhilfe herzustellen. Die Entwicklung und Erprobung demokratisch-partizipatorischer Forschungsstrategien ist ein weiterer Bestandteil des Lehr- und Forschungsbereiches. Mit der digitalen Bibliothek bidok fördern wir zudem regionale Vernetzungsprojekte und den freien Zugang zu Schlüsseltexten der Inklusiven Bildung und den Disability Studies.

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Im Lehr- und Forschungsbereich bearbeiten wir neben grundlegenden Beiträgen in den Disability Studies und der Inklusiven Bildung derzeit vertieft zwei Untersuchungsfelder. Im ersten geht es um ‚Ableism’ im Zusammenhang von Behinderung, Ökonomie und Wissen. Behinderung ‚kostet’ und behinderte Menschen produzieren in vielen Gesellschaften Güter. Daher scheint Behinderung für die gegenwärtige Ökonomie eine wesentliche Formbestimmung darzustellen: Wer nicht als kompetent/begabt/employable/flexibel, kurz ‚able’ gilt, kann nicht (auf angemessene Weise) in Tauschverhältnisse eintreten, und dessen Produktion wird nicht als Arbeit anerkannt bzw. nicht oder nur niedrig entlohnt. In qualitativ-empirischen Forschungsprojekten gehen wir der Frage nach, welche institutionellen und kulturellen Konstruktionen diese Kategorie herstellen und welche behindernde Wirkung sie für Einzelne, Gruppen und ihre Lebenszusammenhänge entfaltet.

Im zweiten Untersuchungsfeld geht es um Behinderung und Bildung im globalen Kontext. Hier steht eine vergleichende Perspektive auf Fragen der Entstehung und Institutionalisierung von Behinderung in Bildungs- und Erziehungssystemen sowie den internationalen Entwicklungen hin zu Gleichstellung und Selbstbestimmung behinderter Menschen im Vordergrund. Es sollen sowohl Fragen zu (absoluten und relativen) Armutsverhältnissen und der Re-/Produktion sozialer Ungleichheiten durch institutionelle Diskriminierung gestellt werden als auch Formen der Partizipation und Inklusion von behinderten Menschen in verschiedenen Lebensbereichen und -Kontexten untersucht werden.

Weitere Forschungsthemen und –projekte sowie eine Auflistung aktueller Publikationen und der laufenden Dissertationsprojekte finden Sie auf der Homepage von Univ.-Prof. Dr. Lisa Pfahl, Julia Biermann und Rouven Seebo.


   NETZWERKE_NEWSLETTER Disability Studies_2021

 

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