Welche Auswirkungen hat die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die Gesellschaft?

Wir stecken mitten im Zeitalter der Digitalisierung. In einem Zeitalter, in dem alles online und über das Internet abläuft. Die künstliche Intelligenz schreitet immer weiter voran und vieles wird automatisiert. Somit werden viele Jobs wertloser, da sie von Systemen und Robotern oft sogar effizienter erledigt werden können. (Straubhaar, 2013)

Sommersemester 2022: Celine Lorenz und Desiree Lorenz

 

Dies wirft ein Thema immer häufiger auf und sorgt für viel Diskussion. Das bedingungslose
Grundeinkommen. Daraus ergibt sich die folgende Forschungsfrage: Welche Auswirkungen
hat die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die Gesellschaft?

Beim bedingungslosen Grundeinkommen handelt es sich um einen monatlich, zur Verfügung
gestellten Betrag, der jedem Bürger bedingungslos zusteht. (Werner et al., 2013) Dieser
Betrag steht jedem Bürger, unabhängig von Alter, Erwerbstätigkeit, Geschlecht oder
Beziehungsstatus zu. Bedingungslos, aus dem Grund, weil dafür keine Gegenleistung
erbracht werden muss. (Straubhaar, 2013)

Warum kann nun aber ein bedingungsloses Grundeinkommen sinnvoll sein? Wir befinden
uns in einem demographischen Wandel. Die Bevölkerung wird immer älter, was zur Folge
hat, dass es mehr alte als junge Menschen gibt. (Straubhaar, 2013)
Ein weiterer Punkt ist, dass durch die bereits erwähnte Digitalisierung, sowie Automatisation
und durch das Einsetzen von Robotern die menschliche Arbeit zunehmend unbedeutender
wird. (Schupp, 2020) Durch die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens wäre
dies jedoch kein großes Problem mehr, da eine Erwerbstätigkeit nicht mehr zur Erhaltung
des Lebensunterhaltes notwendig wäre. (Straubhaar, 2013)

Umsetzung des bedingungslosen Grundeinkommens:

Zunächst gilt es zu klären in welcher Höhe das bedingungslose Grundeinkommen ausgezahlt
werden soll. Es ist zu überprüfen, wie das bedingungslose Grundeinkommen finanziert
werden soll. Dies stellt auch häufig einen Kritikpunkt dar, da dabei die Behauptung
aufgestellt wird, dass die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens unfinanzierbar
wäre. (Raddatz, 2019) Dem ist jedoch nur bedingt zuzustimmen. Ausschlaggebend dabei ist
nämlich die Höhe des bedingungslosen Grundeinkommens. Wird ein niedriges Einkommen
ausgezahlt, werden niedrige Steuersätze benötigt. Wird ein hohes Einkommen ausgezahlt,
werden hohe Steuersätze benötigt. (Werner et al., 2013)

Auswirkungen des bedingungslosen Grundeinkommens:

1) Auf die Arbeitnehmer(innen): Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass sich
Menschen eine Arbeit suchen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Mit
Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens würde sich dieser
Gesichtspunkt ändern, denn der Lebensunterhalt wäre für jeden gesichert. Dies
könnte also dazu führen, dass diejenigen mit sehr geringen Einkommen ihre Arbeit
kündigen würden. Das wäre bei Jobs mit schlechten Arbeitsbedingungen und
niedrigen Löhnen der Fall. Es würden vermutlich auch viele in die
Teilzeitbeschäftigung wechseln, da sie den gleichen Lohn erhalten würden mit
geringerem Arbeitsaufwand (wenn man davon ausgeht, dass das bedingungslose
Grundeinkommen zum Arbeitseinkommen hinzugezählt wird).

Anders wäre dies vermutlich bei Arbeitnehmer(innen) mit sehr hohen Einkommen.
Das bedingungslose Grundeinkommen würde für sie nur einen geringen Teil des
Einkommens ausmachen, sodass diese ihr Arbeitspensum nicht reduzieren würden.
(Schupp, 2013)

2) Für den Arbeitsmarkt: Für den Arbeitsmarkt würde die oben beschriebene Situation
vermutlich dazu führen, dass die Löhne generell steigen müssten, um
Arbeitnehmer(innen) dazu zu bewegen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies
könnte wiederum den Anreiz bei Arbeitgeber(innen) wecken von Menschen auf
Maschinen umzusteigen. Dadurch würden weniger Arbeitskräfte benötigt werden,
was zur Folge hätte, dass die Nachfrage nach Arbeiter(innen) zurückgeht und die
Löhne wieder gesenkt werden würden.

Außerdem könnten Löhne nun frei verhandelt werden. Es könnte jedoch auch
passieren, dass durch die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens
Arbeitsangebot und angenehme Tätigkeiten steigt und somit das Arbeitsangebot und
unangenehmere Tätigkeiten sinkt. Infolgedessen würden die Löhne für die
unangenehmen Tätigkeiten steigen und die Löhne für die angenehmen Tätigkeiten
sinken. (Staubhaar, 2013)

3) Auf die Ungleichheit: Wenn das bedingungslose Grundeinkommen durch die
Einkommenssteuern finanziert wird, würde das bedeuten, dass Menschen mit
höheren Einkommen mehr Steuern zahlen müssten, als Menschen mit geringen oder
gar keinem Einkommen. Dies würde die Ungleichheit natürlich verringern, da der
Nettobetrag der Topverdiener dadurch sinken würde.
Wenn nun aber eine arbeitslose Person nach Einführung des bedingungslosen
Grundeinkommens auch keiner Arbeit nachgeht, weil sie ohnehin ihr
Grundeinkommen bekommt, erwerbstätige Personen hingegen das bedingungslose
Grundeinkommen zuzüglich ihres Arbeitseinkommens erhalten würden, würde die
Ungleichheit wachsen. Natürlich würde es hier jedoch auch darauf ankommen, wie
hoch das bedingungslose im Endeffekt ausfällt. Wenn es sich beispielsweise um einen
niedrigen Betrag handelt, werden auch Menschen mit geringerem Einkommen
weiterhin einer Erwerbstätigkeit nachgehen. (Schupp, 2020)

Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens hat also einige Vorteile, sowie
einige Nachteile. Grundsätzlich müssten genaue Modelle entwickelt werden, um die
Nachteile zu umgehen und von den Vorteilen zu profitieren. Diese Modelle müssten einer
genauen Prüfung unterzogen werden. Die Einführung könnte also nicht von heute auf
morgen geschehen. Dieses Thema wird jedoch auch in Zukunft immer bedeutender werden.
Es sollte also ein genaues Konzept entwickelt werden, von dem jeder profitieren kann.

 

Literaturverzeichnis:

- Raddatz, G. (2019). Das bedingungslose Grundeinkommen–ein Luftschloss (No. 02).
Zeitthemen.

- Schupp. (2020). Bedingungsloses Grundeinkommen: viel Zustimmung, aber auch
große Ablehnung. Wirtschaftsdienst (Hamburg), 100(2), 112–116.
https://doi.org/10.1007/s10273-020-2580-z

- Straubhaar, T., Werner, G. W., Eichhorn, W., Friedrich, L., Habermacher, F.,
Kirchgässner, G., ... & Thieme, S. (2013). Das Bedingungslose Grundeinkommen—ein
tragfähiges Konzept?. Wirtschaftsdienst, 93(9), 583-605.

- Werner, G., Eichhorn, W., & Friedrich, L. (2013). Bedingungsloses Grundeinkommen,
Soziale Marktwirtschaft, Finanzierungsfrage: Begriffserklärungen und Ergebnisse.
Beitrag zu Zeitgespräch: Das bedingungslose Grundeinkommen, ein tragfähiges
Konzept. Wirtschaftsdienst, 93(9), 583.

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