Versagen wir in der Klimakrise?

Die Klimakrise ist eines der größten Probleme, mit denen die Menschen im Moment umgehen müssen. Die Auswirkung sind bereits jetzt schon zu spüren. Die Sommer werden heißer, der Wasserpegel steigt und Naturkatastrophen nehmen zu (Archer et al., 2010).

Wintersemester 2022/23: Alexander Stastny

 

Nicht zuletzt wurde eine UNO-Klimakonferenz in Ägypten einberufen, in der sich mehrere Staatsoberhäupter
zusammengefunden haben, um gemeinsam sich über die aktuelle Krise zu beraten. Dabei
wurden große Reden geschwungen, wie zum Beispiel vom deutschen Bundeskanzler Olaf
Scholz, welcher zugesagt hat, dass Deutschland garantiert aus den fossilen Brennstoffen aussteigen
wird (Goffart, 2022). Grundsätzlich es schön zu hören, wenn politisch hochrangige
Menschen solche Worte sagen, doch reicht dies aus, um die Klimakrise bewältigen zu können
oder muss trotzdem noch mehr für den Klimaschutz getan werden?

Wie sieht es aktuell aus?
Betrachtet man den internationalen Vergleich im Kohlenstoffdioxidausstoß,
so sieht es auf den ersten Blick nicht sonderlich gut aus (Siehe Abbildung 1).
Über die letzten 200 Jahren ist der Kohlenstoffdioxidausstoß drastisch gestiegen und
erreichte 2021 sogar einen neuen Rekordwert von über 35 Milliarden Tonnen
Kohlenstoffdioxid. Allen voran ist China einer der Hauptemittenten von CO2 und trägt gut
ein Drittel am Gesamtausstoß bei. Anders als bei China, konnten europäische Staaten sowie Nord- und Südamerika ihren
Ausstoß wieder senken.

 blogbeitrag_stastny

 Abbildung 1: Jährliche CO2 Emissionen nach Regionen und Ländern
Quelle: ourworlddata.org

Auf der anderen Seite spielt natürlich auch der Beitrag zum Klimaschutz bei der Fragestellung
eine entscheidende Rolle. Dieser kann über den Climate Change Performance Index (CCPI)
gemessen werden, welcher 59 Länder sowie die europäische Union miteinander vergleicht.
Die Spitze des Vergleichs führt Dänemark an, gefolgt von Schweden und einigen nicht-europäischen
Staaten. Die gesamte EU befindet sich im soliden Durchschnitt, USA und China bilden
die Schlusslichter im Ranking.

blogbeitrag_stastny_2

Abbildung 2: Climate Change Performance Ranking
Quelle: CCPI.org

Dass diese Länder nichts zum Umweltschutzbeitragen stimmt aber auch nicht ganz. Es investiert
nicht nur Europa in den Klimaschutz. Ganz im Gegenteil, viele andere Länder haben bereits
eine Vorreiterrolle in manchen Gebieten übernommen. So befindet sich zum Beispiel der
weltgrößte Solarkomplex in Marokko (Borchers, 2017), China und die USA sind an der Spitze
des Windkraftausbaus (Eder, 2022) und in Kenia wird bereits 95% des Strombedarfs durch
erneuerbare Energien wie Geothermie gedeckt (BMZ, 2022).

Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Durch diese Investitionen ergeben sich neue Chancen
und Geschäftsmodelle. Zukunftsträchtige Forschung, Technologien, Infrastruktur und Energiesysteme
werden in der Zukunft immer gefragter sein und eröffnen so den Ländern Zugang zu
neuen Märkten. Außerdem tragen sie zu Begrenzung von Klimafolgeschäden bzw. -kosten bei
und sichern so mittel- und langfristig die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern (Hennicke
et al., 2007).

Warum wird dann nicht noch mehr getan?
Grundsätzlich gibt es viele Gründe, warum nicht mehr für den Klimaschutz getan wird. Zum
einen existieren strukturelle Hindernisse, weswegen viele Länder aufgrund ihrer Armut und
fehlenden Ressourcen nichts zum Klimaschutz beitragen können. Zum anderen gibt es aber
auch psychologische Faktoren, welche hier mit einfließen (Gifford et al., 2011). Eine mögliche
Rolle könnte zum Beispiel der Present Bias sein, bei dem jedes Individuum gegenwärtige Ereignisse
stärker gewichtet als spätere Ereignisse (Xiao et al., 2019). Für die Klimakrise könnte
dies zum Beispiel bedeuten, dass Menschen bzw. Staaten die aktuellen Kosten zur Bewältigung
der Klimakrise stärker gewichten als der daraus resultierende Nutzen. Ein weiterer Punkt
stellt die mögliche Blindheit durch Unaufmerksamkeit dar, welche die Nichtwahrnehmung von
bestimmten Veränderungen mangels Aufmerksamkeit beschreibt (Simons, 2000). Im Kontext
der Klimakrise kann dies bedeuten, dass Menschen kleine Veränderungen wie die leichte
Klimaerwärmung durch fehlende Aufmerksamkeit nicht wahrnehmen und so der Meinung
sind, dass nicht viel getan werden muss. Verlustaversion ist ebenfalls ein möglicher Faktor,
der besagt, dass Individuen Verluste höher gewichten als Gewinne (Knobloch et al., 2019). Im
Kontext der Klimakrise könnte dies bedeuten, dass Menschen nicht gern auf einen Verlust wie
beispielsweise Urlaube oder Autos verzichten, um damit einen unsicheren Gewinn in der Zukunft
möglicherweise erreichen zu können.

Zusammenfassung
Ob wir in der Klimakrise versagen, lässt sich im Moment noch nicht beantworten. Auf jeden
Fall steht fest, dass es bei jedem Land noch Luft nach oben gibt und die derzeitigen Klimaschutzmaßnahmen
nicht ausreichen. Wir haben zwar immer noch Zeit, die Klimaziele zu erreichen
und das Geschehene ungeschehen zu machen. Sollten wir aber tatsächlich beim Klimaschutz
versagen, dann stehen uns und unseren Nachkommen schwere Zeiten bevor (Ecklundt,
2022).

 

Literaturverzeichnis
Archer, D., & Rahmstorf, S. (2010). The Climate Crisis: An Introductory Guide to Climate Change. New
York: Cambridge University Press.

Borchers, J. (2017). Das größte Solarkraftwerk der Welt. Deutschlandfunk. Von
https://www.deutschlandfunk.de/marokkos-ehrgeizige-energiepolitik-das-groesste-100.html
abgerufen

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. (2022). Ausbau der
Energieversorgung. Von https://www.bmz.de/de/laender/kenia/kernthema-erneuerbareenergie-
58008 abgerufen

Ecklundt, B. (2022). 1.5°C – Point of No Return? Warum spekulative Technologien.

Eder, S. (2022). Windkraft: China und die USA vorn, Deutschland hinkt hinterher. VDI Nachrichten.
Von https://www.vdi-nachrichten.com/technik/energie/windkraft-china-und-die-usa-vorndeutschland-
hinkt-hinterher/ abgerufen

Gifford, R., & Kormos, C. M. (2011). Behavioral dimensions of climate change: drivers, responses,
barriers, and interventions. Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change, 801-827.

Goffart, D. (2022). Scholz bei Klimagipfel COP27 - "Werden aus fossilen Brennstoffen aussteigen -
ohne Wenn und Aber". Wirtschaftswoche. Von
https://www.wiwo.de/politik/deutschland/scholz-bei-klimagipfel-cop27-werden-ausfossilen-
brennstoffen-aussteigen-ohne-wenn-und-aber/28794102.html abgerufen

Hennicke, P., & Fischedick, M. (2007). Erneuerbare Energien. München: Verlag C.H. Beck oHG.

Knobloch, F., Huijbregts, M. A., & Mercure, J.-F. (2019). Modelling the effectiveness of climate
policies: How important is loss aversion by consumers? Renewable and Sustainable Energy
Reviews.

Simons, D. J. (2000). Attentional capture and inattentional blindness. Trends in Cognitive Sciences.

Xiao, J. J., & Porto, N. (2019). Present bias and financial behavior. Financial Planning Review.

 

Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Jährliche CO2 Emissionen nach Regionen und Ländern Quelle: ourworlddata.org
Abbildung 2: Climate Change Performance Ranking Quelle: CCPI.org

Nach oben scrollen