Projektteil 08: Siedlungsarchäologie und vorgeschichtlicher Bergbau im Montafon, Vorarlberg

 

Zusammenfassung
> Siedlungsforschung und Montanarchäologie 2000 bis 2006
Feuergruben am Bodaweg - eine zweite bronzezeitliche Siedlung 
  Tag der offenen Grabung 2008 

Bericht der Jahre 2000 bis 2006 (Forschungsstand): Seit dem Jahre 2000 wird im Montafon ein interdisziplinäres Forschungsprojekt durchgeführt, das sich den Fragen der frühesten Besiedlungsgeschichte des Tales und der möglichen prähistorischen Nutzung der Kupfer- und Eisenerze widmet. Ausgangspunkt waren zunächst mehrere bronze- und eisenzeitliche Einzelfunde (Beile, Lanzenspitzen), die eine Begehung und mögliche Nutzung dieser inneralpinen Talschaft und ihren Wege- und Passverbindungen anzeigten. Mittlerweile ist durch archäologische Ausgrabungen, Prospektionen und vegetationsgeschichtlichen Untersuchungen durch Klaus Oeggl (PP11) eine Nutzung der Tallandschaft seit der Zeit um 3000 v. Chr. nachgewiesen (Siedlungszeiger, Pollenanalysen), wobei durch Ausgrabungen und 14C-Datierungen Nachweise einer Besiedlung bis jetzt in die jüngere Frühbronzezeit (ca. 18./17. Jh. v. Chr.) zurückreichen. Insbesondere die intensive bronzezeitliche Besiedlung wird im Rahmen einer Arbeitshypothese und allgemeinen Überlegungen auch im Vergleich mit anderen inneralpinen Siedlungskammern und Bergbaurevieren, mit den reichen Kupfererzvorkommen im Silbertal und am Bartholomäberg in Verbindung gebracht. Archäometallurgische Untersuchungen (chemische und bleiisotopische Analysen) durch Ernst Pernicka (PP09) an Erzen aus dem Montafon an 20 Artefakten aus dem südlichen Vorarlberg haben ergeben, dass zumindest ein Teil dieser Bronzeartefakte aus Erzen aus dem Montafon hergestellt worden sein können, ohne dass dafür jedoch bislang montanarchäologische Belege erbracht werden konnten.

Im Mittelpunkt der archäologischen Ausgrabungen stand seit 2000 eine befestigte Höhensiedlung in Spornlage mit Besiedlungsphasen der jüngeren Frühbronzezeit, der Mittelbronzezeit und der älteren Eisenzeit im Friaga Wald in Bartholomäberg. Es handelt sich um eine stark befestigte Burgsiedlung der älteren Mittelbronzezeit aus dem 16./15. Jahrhundert v. Chr., die mit ihrer 80 m langen und bis drei Meter breiten Mauer eine der ältesten bronzezeitlichen Burgen in den Alpen darstellt. Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts wurden zwischen 2001 und 2005 neben vegetationsgeschichtlichen Untersuchungen an Mooren auch montanarchäologische Untersuchungen mit dem Ziel durchgeführt, bronzezeitlichen Bergbau zu lokalisieren. Eine erste montanarchäologische Ausgrabung wurde im Jahre 2003 im hinteren Silbertal im Gafluna Tal in einem Untertagebau mit Feuersetzspuren durchgeführt. Im Sommer 2005 folgte eine Untersuchung in einem Pingenfeld (Erz-Abbaugruben) auf dem Kristberg im Silbertal. 14C-Datierungen ergaben bislang hin, dass es sich um Abbauspuren des Hochmittelalters (11./12. Jh. n. Chr.) handelt.

Im Zuge umfangreicher Begehungen und Prospektionen mit dem Ein-Meter-Bohrstock konnten am Bartholomäberg auf verschiedenen Gelände- oder Bergterrassen Hinweise und Befunde auf mindestens zwei weitere prähistorische Siedlungen gemacht werden. Im Bereich des Bodawegs wurde 2005 damit begonnen, einen Siedlungsplatz möglichst vollständig flächig auszugraben, um die Struktur der Ansiedlung und die Zahl der Bauten erfassen zu können. Die bis 2007 vorliegenden Ergebnisse der Ausgrabungen und der 14C-AMS-Daten belegen eine Besiedlung während der späten Frühbronzezeit und der späten Mittelbronzezeit.

 

Bartholomäberg, Friaga Wald
Bartholomäberg, Friaga Wald, 2002. Die Ausgrabungen des Instituts für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin auf der Siedlungsterrasse mit Kulturschichten mehrerer Besiedlungsphasen und Resten der bronzezeitlichen Terrassierungsmauer (rechts).
Bartholomäberg, Friaga Wald. Schnitt 3, Profil
Bartholomäberg, Friaga Wald. Schnitt 3, Profil durch die Kulturschichten auf der Siedlungsterrasse. Am linken Bildrand sind bis zu vier Steinlagen der Terrassierungsmauer (10) zu erkennen. (1) moderner Waldhumus, (2) sterile Planierschicht, (3) und (5) Kulturschicht der Eisenzeit, (4) Kulturschicht der mittleren Bronzezeit, (5) Holzkohle- und Aschekonzentration innerhalb der eisenzeitlichen Kulturschicht 3, (6) Planier- und Kulturschichten der frühen Bronzezeit, (7) Steinreihe, Fundamentvorlage innerhalb der frühbronzezeitlichen Kulturschicht 6, (8) anstehender Fels und gewachsener Boden. Die Schichtmächtigkeiten betragen an der Terrassierungsmauer bis zu 1,4 m.
Silbertal, Kristberg. Großes Pingenfeld
Silbertal, Kristberg. Großes Pingenfeld bei der Skipiste.
Ausgrabung und Dokumentation von zwei Schachtpingen mit kreisförmig angeschütteter Halde im Sommer 2005. Radiocarbondatierungen an Holzkohlen datieren diesen Bergbau in das 11.12. Jahrhundert n. Chr., also in das Hochmittelalter. Damit handelt es sich um die bisher ältesten, archäologisch nachgewiesenen Bergbauspuren im Montafon.
 
Bartholomäberg, Bodaweg 2006
Bartholomäberg, Bodaweg 2006.
Arbeiten an einer der Brandgruben.
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