Projektteil 04: Kulturelle Tendenzen und Dominanten im modernen Bergbau

 

Leitung

Ao. Univ.-Prof. Dr. Ingo Schneider (Homepage)
Tel.: 0043-(0)512-507-4433

Mitarbeiter/innen

Univ.-Ass. Mag. Reinhard Bodner (Dissertant) (Homepage)
Tel.: 0043-(0)512-507-4438

Mag.a Margret Haider (Dissertantin) (Homepage)
Tel.: 0043-(0)512-507-4435

Mag.a Valeska Flor (Forschungsbeihilfe) (Homepage)
Tel.: 0043-(0)512-507-4439

Roland Unterweger Bakk. phil. (Forschungsbeihilfe)

 

Universität Innsbruck
Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie
Fach Europäische Ethnologie
Innrain 52/7.Stock
A-6020 Innsbruck
Fax.: 0043-(0)512-507-2675
Email: europ-ethnologie@uibk.ac.at

 

Ergebnisse PP04 (Publikationen, Vorträge, Abstracts)

Zusatzprojekt: Bibliothek & Archiv der Montanwerke Brixlegg

Zusatzprojekt: Salzbergbau in Hall

Literaturauswahl PP04

Quellenübersicht Schwaz / Kitzbühel PP04

 

Forschungsprofil

Innerhalb des SFB HiMAT nimmt der Projektteil 4 (Fach Europäische Ethnologie) insofern eine besondere Stellung ein, als er sich mit dem Bergbau in der Industriemoderne beschäftigt. Dabei werden einerseits Phänomene und Probleme des Niedergangs und der Wiederbelebung bergbaulicher Aktivitäten untersucht, zum anderen aber auch Aspekte des „zweiten Lebens“ des Bergbaus im Kontext von Musealisierung und Erinnerungskultur in den Blick genommen. Der Untersuchungszeitraum geht fallweise bis ins 18. Jh. zurück, konzentriert sich vorwiegend aber auf die zweite Hälfte des 19. Jh.s und das 20. Jh. Das Untersuchungsgebiet umfasst, wie bei den anderen Projektteilen des SFB auch, Tirol und die angrenzenden Regionen in Südtirol, Salzburg und Vorarlberg.

Die Europäische Ethnologie, aus deren Perspektive die Untersuchungen durchgeführt werden, versteht sich grundlegend als „Krisenwissenschaft“. Sie fragt nach Phasen und Momenten des gesellschaftlichen Umbruchs und dem Stellenwert, der dabei der „Kultur“ als „Medium der Kommunikation wie Distinktion“ (R. Lindner) zukommt. Im Sinne eines weit gefassten Kulturbegriffs gilt der Alltagskultur unterer Sozial- und Bildungsschichten dabei besondere Aufmerksamkeit. Deren Äußerungen werden in historischer und zugleich gegenwartsbezogener Perspektive untersucht, woraus sich die Notwendigkeit zum Methodenpluralismus ergibt. Insgesamt sind qualitative, sogenannte „weiche“ Verfahren dabei von größerer Bedeutung als quantitative Methoden, die begleitend angewandt werden. Ethnographische Zugänge vor Ort und Recherchen im „Archiv als Feld“ (K. Maase) greifen ineinander und werden ergänzt und erweitert durch Verfahren der teilnehmenden Beobachtung, der Erzählforschung und Diskursanalyse sowie der volkskundlichen Bild- und Sachkulturforschung.

Arbeitsgebiete

In der ersten Projektphase liegt der Arbeitsschwerpunkt des Projektteils auf dem Tiroler Unterland, wo zwei Dissertanten (Bodner und Haider) sich mit der letzten Phase des Erz-, Quecksilber- und Dolomitabbaus am Falkenstein bei Schwaz und des Silber- und Kupferbergbaus am Röhrerbühel bei Oberndorf im Bezirk Kitzbühel beschäftigen. Zwei zentrale Krisenmomente der jüngeren österreichischen Bergbaugeschichte kommen damit in den Blick, die bisher zwar aus natur- und ingenieurwissenschaftlicher, nicht aber aus kultur- und geschichtswissenschaftlicher Sicht analysiert worden sind: der Bürgerprotest gegen eine Wiederaufnahme des Röhrerbüheler Bergbaus durch den südafrikanischen Bergbaukonzern „Union Corporation“ (um 1970), der in der Neuregelung der Bergrechtssprechung im Berggesetz 1975 einen nachhaltigen Niederschlag fand, und die Felsstürze am Eiblschrofen (1999), die eine ausführliche Schulddiskussion und das vorläufige Ende der traditionsreichen Schwazer Bergbaugeschichte nach sich zogen.

Mit den beiden Dissertationsvorhaben sind zwei Fragenkomplexe verknüpft, denen teils von den Mitarbeiter/inne/n des Projektteils, teils im Rahmen von Forschungsbeihilfen nachgegangen wird: Ein erster Schwerpunkt liegt auf der Musealisierung des Bergbaus in Tirol. Dieser Themenbereich wird exemplarisch am Beispiel des Schwazer Schaubergwerks (Haider) und in lokal-übergreifender, kulturtheoretischer Perspektive (Schneider) untersucht. Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Erzählforschung des Bergbaus. Damit ist zunächst die „klassische“ Sagenüberlieferung angesprochen, die in einer Datenbank auf der Basis der stoff- und motivgeschichtlichen Untersuchungen G. Heilfurths erfasst und im Rahmen einer Magisterarbeit am Beispiel der Namengebungssage der Grube „Zum Stier“ (Schwaz) qualitativ untersucht wurde (Steidl). Darüber hinaus werden aber auch die unauffälligeren Formen des „alltäglichen Erzählens“ (H. Bausinger) im und vom Bergbau in den Blick genommen. Beispiele dafür sind die lebensgeschichtlichen Erinnerungen ehemaliger Bergleute oder die stereotypen Vorstellungsbilder der Untertagearbeit und ihrer Auswirkungen, die in einer lokalen Bevölkerung zirkulieren und sich insbesondere in Krisensituationen aktualisieren können (Bodner, Haider, Rizzolli).

Mit Blick auf eine zweite Projektphase sind außerdem bereits Untersuchungen initiiert worden, deren geographischer Fokus über denjenigen der ersten Projektphase hinausgeht: So werden im Rahmen einer Magisterarbeit derzeit die Arbeitsbedingungen und das Alltagsleben der Bergleute am Schneeberg (Ridnaun) um 1955 untersucht, als in Südtirol das Gewerkschaftswesen erste Auswirkungen zu zeigen begann. In Kooperation mit dem Südtiroler Bergbaumuseum „BergbauWelt Ridnaun Schneeberg“ wird dieses Thema auf der Grundlage von Interviews mit den letzten noch lebenden Knappen und weiteren Zeitzeug/inn/en untersucht (Unterweger). Ähnliche Zugänge sollen in der zweiten Projektphase in weiteren Fallstudien in der Provinz Bozen erprobt werden (Flor).

Inter- und transdisziplinäre Vernetzung

Um das Scharnier zwischen Projektteil 4 und den anderen Projektteilen des SFB zu verstärken, wird außerdem eine Erweiterung des zeitlichen Fokus angestrebt. So wurde in Kooperation mit Projektteil 3 (Onomastik) das Projekt „Erschließung der Bibliothek und des Bergbauarchivs der Montanwerke Brixlegg“ beim Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF) beantragt und genehmigt. Die Arbeiten daran wurden im März 2009 aufgenommen, laufen bis Juli 2010 und werden mit externer Fachberatung durch die Bibliothek des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum durchgeführt. Bisher wurden an die 1.800 Gruben-, Situations-, Bau- und technische Konstruktionspläne erfasst, darüber hinaus über 2.000 Bücher, 400 Manuskripte und Lithographien verzeichnet sowie 360 Ordner mit über 30.000 Schriftstücken aus dem späten 20. Jh. und ca. 1.100 Fotos zur Geschichte des Werkes, ebenso aus dem 20. Jh., aufgenommen. In den Beständen finden sich teils singuläre Quellen zur Geschichte des Tiroler Montanwesens vom 16. Jh. bis zur Gegenwart, die über die Firmengeschichte der Montanwerke Brixlegg hinaus von wissenschaftlichem und gesellschaftlichem Interesse sind. (Bodner, Rampl, Bendler)

Als ein zweites Spin-Off-Projekt, das in Kooperation mit Projektteil 2 (Sozialgeschichte) durchgeführt wurde, ist das Oral-History-Projekt „Die letzten Salzbergarbeiter in Hall“ zu erwähnen, das von der Stadt Hall in Tirol finanziert und im Zeitraum von Februar 2009 bis Februar 2010 in Kooperation mit „büro54. konzept – kommunikation – visuelle gestaltung“ (Innsbruck) und dem Stadtmuseum Hall durchgeführt wurde. Mittels systematisch gesammelter mündlicher Erfahrungsberichte der letzten noch lebenden Salzberg- und Sudhausarbeiter gingen die Projektmitarbeiter/innen der Frage nach, ob und auf welche Weise Teile der Montangeschichte im Bewusstsein von Einzelnen oder sozialen Gruppen geblieben sind. Die Ergebnisse der Erhebungen sollen in die Neukonzeption des „Stadtmuseums Hall“ einfließen. (Unterkircher, Haider, Bedin, Stepanek)

Weitere Andockmöglichkeiten zwischen Projektteil 4 und den anderen Projektteilen des SFB ergeben sich auf folgenden Themenfeldern: 1.) das Spannungsfeld von Ressourcennutzung und Naturereignissen und damit der Zusammenhang von Bergbau- und Katastrophenforschung; 2.) Aspekte der subjektiven und sozialen Raumerfahrung und Raumnutzung, die sich anhand von Namen, Sagen und alltäglichen Erzählungen erschließen lassen; 3.) Fragen der Religiosität und Alltagskultur im Montanbereich, die mit Blick auf Kontinuität und Diskontinuität zu untersuchen sind; 4.) die Reflexion der natur- und ingenieurwissenschaftlichen Tätigkeit als kulturelle Praxis, etwa am Beispiel des Berufsbewusstseins der Archäolog/inn/en als „moderne Knappen“; 5.) Fragestellungen der Museologie und museologischen Praxis, die sich ergeben, wenn montanwissenschaftliche Forschungsergebnisse für eine breite Öffentlichkeit „aufbereitet“ werden.

Verortung im SFB

In den SFB HiMAT bringt die Europäische Ethnologie damit folgende Potentiale und Erfordernisse ein:

1. In räumlicher und zeitlicher Hinsicht: die Möglichkeit (und Notwendigkeit), altertumskundliche und historiographische Fragestellungen mit einem Blick auf die jüngste Vergangenheit und Gegenwart zu verknüpfen.

2. In theoretischer Hinsicht: die Möglichkeit (und Notwendigkeit), natur- und ingenieurwissenschaftliche, archäologische, sozialgeschichtliche und sprachwissenschaftliche Fragestellungen mit einer allgemein-kulturwissenschaftlichen und insbesondere alltagskulturwissenschaftlichen Perspektive ins Gespräch zu bringen.

3. In empirischer Hinsicht: die Möglichkeit (und Notwendigkeit), das Spektrum quantitativer und kartographischer Methoden durch qualitative, sogenannte „weiche“, Methoden nicht nur zu ergänzen, zu spezifizieren oder zu kompensieren, sondern auch zu erweitern und zu reflektieren.

4. In praxisbezogener Hinsicht: die Möglichkeit (und Notwendigkeit), akademische Forschung im Dialog mit der „betroffenen“ Bevölkerung und in Auseinandersetzung mit den Deutungsangeboten des Mediendiskurses und der ideologischen Instrumentalisierbarkeit von „Kultur“ zu führen.

Ausgewählte universitäre und außeruniversitäre Kooperationen


Schwerpunkt der Philosophisch-Historischen Fakultät, „Schnittstelle Kultur“

Deutsches Bergbaumuseum, Bochum

Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck

Tiroler Volkskunstmuseum, Innsbruck

Salzburger Landesinstitut für Volkskunde (SLIVK), Salzburg

Montanwerke Brixlegg AG, Brixlegg

Tiroler Bergbau- und Hüttenmuseum, Brixlegg

Montanbehörde West, Salzburg

Stadtgemeinde und Stadtarchiv Schwaz

Stadtarchiv Kitzbühel

Südtiroler Bergbaumuseum, „BergbauWelt Ridnaun Schneeberg“

Minccon Geo. Mineral Consulting Contracting für Geotechnik und Geowirtschaft, Jenbach

 

Ehemalige Mitarbeiter/innen

Mag. Oliver Haid (Projektmitarbeiter) (Homepage)
Tel.: 0043-(0)512-507-4431 (über das Sekretariat)

Mag. Martin Steidl (Forschungsbeihilfe 2008/09)

Mag.a Michaela Rizzolli (Forschungsbeihilfe 2009)

 

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