Projektteil 03: Onomastik im Einflussbereich des Tiroler Bergbaues

 

Leitung:

Univ.-Prof. Dr. Peter Anreiter

Mitarbeiter:

Elisabeth Gruber (Institut für Sprachen und Literaturen, Abteilung Sprachwissenschaft)
Irina Windhaber (Institut für Sprachen und Literaturen, Abteilung Sprachwissenschaft)

 

Universität Innsbruck
Institut für Sprachen und Literaturen
Institut für Germanistik
Innrain 52
A-6020 Innsbruck

 

Publikationen PP03 

Zusatzprojekt Bibliothek & Archiv der Montanwerke Brixlegg 

 

Namen erlauben eine Zeitreise in die Vergangenheit, nicht nur, indem sie frühere Sprachzustände konservieren, sondern auch, indem sie die Akteure, also die Namengeber und deren Tun ins Blickfeld rücken. Daraus ergeben sich Fragestellungen, die weit über den Horizont linguistischer Betrachtungen hinausreichen: Was an der Sprache hat sich im Vergleich zu den Namen verändert? Wie und warum? Wer waren die Akteure? Wo ließen sie sich nieder? Welchen Einfluss hatten sie auf ihre Umwelt? Trafen gar mehrere Ethnien aufeinander? Wie beeinflusste das die Namengebung? Was können wir über das Tun und Denken der Siedler herauslesen? Solche und ähnliche Fragen sind Gegenstand nicht nur einer Wissenschaftsdisziplin und insofern sind sie prädestiniert für eine interdisziplinäre Herangehensweise.

Der Projektteil "Onomastics in Mining" hat sich zur Aufgabe gemacht, derartige Fragestellungen im interdisziplinären Kontext besonders im Bezug auf den Bergbau zu beantworten und gemeinsam Lösungsansätze zu finden. Dabei sind es vor allem Toponyme (Orts- und Flurnamen, u. U. auch Haus- und Hofnamen), die hier Auskunft über die Orte des Geschehens geben, indem sie etwa einstige Abbau- und Verhüttungsstätten und die dazwischen liegende Infrastruktur nachzeichnen. Anthroponyme (Personennamen) wiederum ermöglichen es, sozio-kulturelle Aspekte aufzuzeigen: so lassen sich etwa in montanistischem Kontext stehende Berufsgruppen nachweisen, die beispielsweise über die Sozialstruktur der vom Bergbau geprägten Siedlungen Aufschluss geben. Auch die meist im Dunkeln liegenden Beginnphasen der Abbautätigkeit können dadurch erhellt werden. Des Weiteren lassen sich durch Herkunftsnamen Siedlungsdynamiken greifbar machen, um somit einen wesentlichen Beitrag zur Frage nach der Herkunft der Bergarbeiterschaft zu leisten.

Die Sammlung des Namenmaterials erfolgt zum einen auf synchroner Basis: mit Hilfe der lokalen Bevölkerung wird das rezente Namengut erhoben, verortet, georeferenziert und in einer Datenbank erfasst. Zum anderen ermöglichen Quellenstudien eine Einbettung in den historischen Kontext: wann tauchen erste bergbaurelevante Namen auf? Was benennen sie? Was bedeuten sie? Die Verknüpfung der synchron bzw. diachron ausgerichteten Sammlungen und die Einbettung in unsere montanistischen Fragestellungen lässt ein umfassendes Bild der Namenlandschaft und damit der Sprach-, Kultur- und Soziallandschaft in den key areas zu.

 

Laufende Arbeiten/Kooperationen:

Die erste Projektphase widmet sich der key area Schwaz: die Namen dieser Region wurden und werden sukzessive in die Datenbank integriert und ausgewertet. Dabei entlastet die rezente Namenerhebung und -verortung, die im Projekt "Flurnamendokumentation im Bundesland Tirol"[1] vorangetrieben wird, unsere Arbeit und verlegt unseren Schwerpunkt mittlerweile auf die archivalische Erhebung.



[1] Auf Initiative der Tiroler Nomenklaturkommission und des Tiroler Chronistenverbandes (Infos: http://www.onomastik.at/index.php?article_id=99)

 

 

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