Sprachwissenschaft/OnomastikUniversität Innsbruck

Onomastik im Einflussbereich des Tiroler Bergbaues

Namen erlauben eine Zeitreise in die Vergangenheit, nicht nur, indem sie frühere Sprachzustände konservieren, sondern auch, indem sie die Akteure, also die Namengeber und deren Tun ins Blickfeld rücken. Daraus ergeben sich Fragestellungen, die weit über den Horizont linguistischer Betrachtungen hinausreichen: Was an der Sprache hat sich im Vergleich zu den Namen verändert? Wie und warum? Wer waren die Akteure? Wo ließen sie sich nieder? Welchen Einfluss hatten sie auf ihre Umwelt? Trafen gar mehrere Ethnien aufeinander? Wie beeinflusste das die Namengebung? Was können wir über das Tun und Denken der Siedler herauslesen? Solche und ähnliche Fragen sind Gegenstand nicht nur einer Wissenschaftsdisziplin und insofern sind sie prädestiniert für eine interdisziplinäre Herangehensweise.

Der Projektteil "Onomastics in Mining" hat sich zur Aufgabe gemacht, derartige Fragestellungen im interdisziplinären Kontext besonders im Bezug auf den Bergbau zu beantworten und gemeinsam Lösungsansätze zu finden. Dabei sind es vor allem Toponyme (Orts- und Flurnamen, u. U. auch Haus- und Hofnamen), die hier Auskunft über die Orte des Geschehens geben, indem sie etwa einstige Abbau- und Verhüttungsstätten und die dazwischen liegende Infrastruktur nachzeichnen. Anthroponyme (Personennamen) wiederum ermöglichen es, sozio-kulturelle Aspekte aufzuzeigen: so lassen sich etwa in montanistischem Kontext stehende Berufsgruppen nachweisen, die beispielsweise über die Sozialstruktur der vom Bergbau geprägten Siedlungen Aufschluss geben. Auch die meist im Dunkeln liegenden Beginnphasen der Abbautätigkeit können dadurch erhellt werden. Des Weiteren lassen sich durch Herkunftsnamen Siedlungsdynamiken greifbar machen, um somit einen wesentlichen Beitrag zur Frage nach der Herkunft der Bergarbeiterschaft zu leisten.

Die Sammlung des Namenmaterials erfolgt zum einen auf synchroner Basis: mit Hilfe der lokalen Bevölkerung wird das rezente Namengut erhoben, verortet, georeferenziert und in einer Datenbank erfasst. Zum anderen ermöglichen Quellenstudien eine Einbettung in den historischen Kontext: wann tauchen erste bergbaurelevante Namen auf? Was benennen sie? Was bedeuten sie? Die Verknüpfung der synchron bzw. diachron ausgerichteten Sammlungen und die Einbettung in unsere montanistischen Fragestellungen lässt ein umfassendes Bild der Namenlandschaft und damit der Sprach-, Kultur- und Soziallandschaft in den key areas zu.

Laufende Arbeiten/Kooperationen

Im Jahre 2011 schloss Yvonne Kathrein ihre Dissertation mit dem Titel „Historisches Familiennamenbuch der Landgerichte Freundsberg und Rottenburg. Die Namenlandschaft einer Montanregion“ ab. Die Abhandlung enthält eine alphabetisch gegliederte Darstellung der Familiennamenlandschaft im Umkreis des Schwazer Bergbauareals. [1]

Neben den anthroponymischen Forschungen in und um Schwaz sind bislang nur einzelne toponymische Umfelder von Bergbauarealen (Mühlbach am Hochkönig, Kogelmoos, Klausen/Villanders) einer genaueren Examination unterzogen worden.

Aufgrund der bisherigen Forschungsergebnisse ergibt sich die weitere Vorgehensweise des PP 03: die Erstellung eines ganzheitlichen Bildes der onymischen Umfelder von Montanregionen in Nord- und Osttirol sowie deren linguistische, historische und geographische Analyse und Interpretation.

Im Zuge der rezenten Namenerhebung wird mit dem Projekt „Flurnamendokumentation im Bundesland Tirol“ [2] kooperiert


[1] Kathrein, 2011: 6

[2] Being an initiative of the "Tiroler Nomenklaturkommission" (Tyrolean Commission of Nomenclature) and the "Tiroler Chronistenverband" (Tyrolean Association of Chroniclers) (http://www.onomastik.at/index.php?article_id=99).