Projektteil 06: Metallerzbergbau und Handel mit Metallen

 

Leitung:
A.Univ.-Prof. Dr. Gerhard Tomedi

Mitarbeiter:
Ur- und Frühgeschichte
Dr. Gert Goldenberg
Mag. Michael Klaunzer
Mag. Ulrike Töchterle
Markus Staudt Bakk phil.

Mittelalter/Neuzeit:
Harald Stadler


Universität Innsbruck
Institut für Archäologien
Zentrum für Alte Kulturen
Langer Weg 11
A-6020 Innsbruck

   
   

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Zusammenfassung

In der Kulturgeschichte haben herausragende technologische Errungenschaften stets die Entwicklung neuer Wirtschafts- und Sozialsysteme gefördert. Dabei hatte kaum eine Entwicklung so einschneidende und weitreichende Folgen wie das Aufkommen der Metallherstellung und -verarbeitung. In der Frühphase, seit dem späten Neolithikum, kann die Verwendung von Metallen vor allem im Zusammenhang mit der Bedeutung von Prestigegütern wie Schmuck und Trachtbestandteilen gesehen werden. Auch Werkzeuge wurden aus dem begehrten Material hergestellt. Während es sich anfänglich noch um fast reines Kupfer handelte, rückten später Legierungen von Kupfer mit anderen Metallen (vor allem Zinn) in den Vordergrund – die Bronzen. Kupfer und Bronze wurden weiträumig verhandelt, was zu einem intensiven Austausch zwischen den Kulturgruppen führte und mit erheblichen Auswirkungen auf die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen der prähistorischen Gesellschaft einherging.

Diese Entwicklung führte zu einem besonderen Verhältnis zwischen "Produzent" und "Verbraucher". Die Aufrechterhaltung eines Systems, das auf der Nutzung von Gütern aus Metall beruhte, verlangte nach einem stetigen Nachschub an Rohstoffen. Hierzu wurden Montanreviere erschlossen und Handelsrouten eingerichtet, wie sie auch schon bei der Versorgung mit anderen Werkstoffen wie Silex seit dem Mesolithikum bekannt waren. Durch die sehr ergiebigen Kupfererzvorkommen im Alpenraum erlangte speziell diese Region eine zentrale Bedeutung für die Metallversorgung großer Teile Europas. Eine ganz analoge Situation wiederholte sich Jahrtausende später, als sich im Spätmittelalter im Unterinntal ein europäisches Montanzentrum der Silber- und Kupfergewinnung zu entwickeln begann: Schwaz, die "Mutter aller Bergwerke".

Inzwischen belegen zahlreiche Analysen an prähistorischen Metallartefakten, dass große Gebiete in Mitteleuropa und wahrscheinlich auch Teile Nordeuropas mit alpinem Kupfer beliefert wurden. Während die potenziellen Rohstoffquellen für dieses Kupfer weitgehend bekannt sind, fehlen – von Ausnahmen abgesehen – systematische archäologische Untersuchungen und materialkundliche Analysen.

Im Rahmen des SFBs  sollen die Beziehungen zwischen den Kulturgruppen, die Rohstoffe bzw. Metalle lieferten, und den Verbrauchern, die außerhalb der Produktionsräume lebten, rekonstruiert werden. Die Auswertung von Metallanalysen  liefert hierbei wichtige Erkenntnisse über die Herkunft der Rohstoffe. Dabei darf allerdings die Möglichkeit eines Recyclings von Altmetall nicht außer Acht gelassen werden. Die Ergebnisse archäologischer und naturwissenschaftlicher Untersuchungen sollen in ihrer Gesamtheit zu einer Bewertung der inneralpinen Metallproduktion im Rahmen der europäischen Metallzeiten beitragen.

Ein weiteres Ziel der Forschungsarbeiten im Rahmen des SFBs HiMAT ist es, die Auswirkungen des Metallerzbergbaus im alpinen Raum auf Mensch und Umwelt über die Jahrtausende – vom Neolithikum (Kupferzeit) bis hin zur Neuzeit – aufzuzeigen. Die archäologischen Forschungen sollen technologische Entwicklungen des Bergbau- und Hüttenwesens ebenso erschließen wie die Besiedlungsgeschichte in den Bergbauregionen. Berücksichtigt werden kulturelle und soziale Aspekte sowie Austausch und Handel mit benachbarten Kulturgruppen. Hierbei gilt es, einen nahtlosen Übergang der überwiegend auf archäologischen Quellen basierenden frühen Bergbaugeschichte zum schriftlich überlieferten Montanwesen der Frühen Neuzeit zu schaffen und damit die Kontinuität bis in die Moderne herzustellen. Dies erfolgt in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den natur-, ingenieurs- und geisteswissenschaftlichen Projektpartnern.

 

 

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