GeschichteUniversität Innsbruck


Historischer Bereich

Der historische Bergbau hat in TirolSchwazer Bergbuch deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. In manchen Orten ist die Bergbautradition noch lebendig, die zumal durch die in letzter Zeit vielfach entstandenen Bergbaumuseen und Schaubergwerke verstärkt ins Bewusstsein gerückt wird. Die Blütezeit des Tiroler Bergbaus ist freilich ins 15. und 16. Jahrhundert zu datieren. In erster Linie war es das in Schwaz gewonnene Silber, das diesem Ort seit etwa 1470 zu allgemeiner Bekanntheit und europäischer Geltung verhalf: Im Jahr 1523, als die Produktion einen absoluten Höhepunkt erreichte, wurden hier nicht weniger als 15695 kg Silber gewonnen und damit   62 % der Silberproduktion der fünf führenden europäischen Reviere erwirtschaftet.

Zur Erforschung dieses beispiellosen Aufschwungs vermag die historische Wissenschaft, die insbesondere auf der Sichtung und kritischen Analyse von schriftlichen Quellen fußt, einen maßgeblichen Beitrag zu leisten, zumal gerade seit dem Spätmittelalter eine wachsende Zahl von Schriftdokumenten überliefert ist. Vor allem die nunmehr anzutreffende typologische Vielfalt ermöglicht es, eine ganze Reihe von bergbaurelevanten Fragestellungen zu untersuchen: Jetzt werden Bücher angelegt, die Grubenverleihungen festhalten, Rechnungsbücher informieren über die Produktivität und über Ausgaben zur Aufrechterhaltung des Bergbaubetriebs, eine Fülle von Bergordnungen illustriert den sich ständig wandelnden Regelungsbedarf, Waldbeschreibungen vermitteln einen Eindruck über den Zustand der Wälder, und Bruderschaftsbücher erlauben Einblicke in die Alltagswelt der Bergleute, um nur einige Beispiele zu nennen. Damit stehen im Vergleich zu früheren Jahrhunderten, in denen in der Regel nur einzelne Urkunden auf bergmännische Aktivitäten verweisen, weit mehr aussagekräftige Informationen zur Verfügung, die freilich der kritischen Auswertung durch die Geschichtswissenschaft bedürfen.

Neben Fragen der Organisationsstruktur, der Produktivität und der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen sind aber auch die Aus- und Rückwirkungen auf das Territorium und die unmittelbare Umgebung von zentraler Bedeutung. Der für die zahlreichen Bergarbeiter zu schaffende Wohnraum veränderte die Siedlungsstruktur, und von der Notwendigkeit der Versorgung des Bergbaus und der Knappen mit Betriebs- bzw. Nahrungsmitteln profitierten Handel und Gewerbe, ebenso wie die benachbarten Bauern die wohl dazu bewogen wurden, auf die Bedürfnisse der Bergleute zu reagieren; angesichts des gewaltigen Holzbedarfs war schließlich auch die Wald- und Holzwirtschaft völlig neu zu regeln. Für alle diese Aspekte ist nicht nur die Boomphase von Interesse, zwingen doch gerade Zeiten der Stagnation und des Niedergangs zu Anpassungsleistungen. Vermehrt lässt sich in solchen Phasen jedenfalls auch Kritik am Bergbau und seinen Auswirkungen auf die Umwelt feststellen. Dank der immer umfangreicher werdenden Überlieferung ist die historische Wissenschaft in der Lage, solche Fragen insbesondere seit der Frühen Neuzeit mit zunehmender Präzision zu beantworten.

Der Fokus zur Erforschung von schriftlich überlieferten Quellen liegt derzeit auf den Montanrevieren Kitzbühel (Tirol), Schwaz/Brixlegg (Tirol), Klausen/Schneeberg/Ridnaun (Südtirol) und Montafon (Vorarlberg). Ziel ist ein Gesamtbild zum Bergbau in den Ostalpen zu erhalten.