DendrochronologieUniversität Innsbruck

 

 

Für den prähistorischen und historischen Bergbau war Holz ein unentbehrlicher Rohstoff, der auf vielfältige Weise zum Einsatz gekommen ist, z.B. zum Bau von Stollenanlagen, für Vorrichtungen zur Weiterverarbeitung des abgebauten Erzes, für Arbeitsgeräte, als Brennmaterial für den Erzabbau mittels "Feuersetzen" oder auch für die im Anschluss daran notwendigen Schmelzprozesse. Reste dieser mit dem Bergbau in Verbindung stehenden Hölzer sind im Alpenraum vorwiegend aus dem Mittelalter und der Neuzeit erhalten geblieben, aber auch aus früheren Perioden stammende hölzerne Artefakte sind im Zuge des modernen Bergbaus des 19. und 20. Jh. sowie bei archäologischen Grabungen zu Tage getreten. Dendrochronologische Analysen erlauben prinzipiell nicht nur eine jahrgenaue Datierung der einzelnen Hölzer, sondern ermöglichen, zusammen mit weiteren archäologischen und historischen Ergebnissen, Erkenntnisse zur räumlichen und zeitlichen Entwicklung der bergbaulichen Aktivitäten im Alpenraum. Des Weiteren können mit den erarbeiteten Jahrringdaten Ereignisse und Entwicklungen der Umwelt- und Klimageschichte mit hoher zeitlicher Auflösung bestimmt werden.

Ziele der Arbeitsgruppe Dendrochronologie im FZ HiMAT sind:

  • Verbesserung der Jahrringdatenbasis für prähistorische und historische Bergbauhölzer des Ostalpenraums
  • Dendrochronologische Datierungen von Bergbauhölzern und -holzkohlen
  • Dendrochronologische Untersuchungen zur bergbaulichen Erschließung des hochalpinen Raumes in den Ostalpen unter Berücksichtigung der gegebenen Umweltverhältnisse
  • Analysen zur Waldnutzung und zur Verwendung des Rohstoffs Holz im prähistorischen und historischen Bergbau
  • Dendroklimatologische Analysen zur Rekonstruktion der klimatischen und ökologischen Verhältnisse in den Bergbaurevieren zum Zeitpunkt ihrer Aktivität

In den letzten Jahren wurde von der Arbeitsgruppe Dendrochronologie in Zusammenarbeit mit vornehmlich archäologischen Partnern eine Vielzahl von Untersuchungen zum prähistorischen und historischen Bergbau in verschiedenen Bergbaurevieren des nördlichen Ostalpenraumes (Tirol, Salzburg) durchgeführt. Analysiert wurden dabei Hölzer und Holzkohlen des mittelbronzezeitlichen bis früheisenzeitlichen Kupferbergbaus (14. bis 8. Jh. v. Chr.) sowie des historischen Metallbergbaus (ab dem 15. Jh. n. Chr.). Mit diesen Untersuchungen konnten einerseits erstmals Kalenderjahr-genaue Datierungen für den prähistorischen Kupferbergbau in den österreichischen Alpen erarbeitet werden, andererseits wurde die Verwendung der Rohstoffressource Holz durch die prähistorischen und historischen Bergleute analysiert. Darüber hinaus war durch die dendrochronologische Bearbeitung der Hölzer die Erstellung neuer lokaler Referenz-Jahrringchronologien möglich.