ArchäobotanikUniversität Innsbruck

Prähistorischclearinge und historische Bergbauaktivitäten hinterlassen vielfältige Spuren in der Vegetation und der Umwelt, begründet im damit verbundenen großen Bedarf an Rohmaterialien und der Versorgung der Bergleute mit Nahrungsmitteln. Primär stellen dabei Wälder eine Quelle für Rohmaterial (Holz) dar, sie stehen außerdem als potenzielles Ackerland zur Verfügung. Das Holz wird als Baumaterial für Siedlungen benötigt, dient der Verschalung von Minenschächten und stellt die Hauptenergiequelle für metallurgische Aktivitäten dar (Feuersetzung, Verhüttung etc.). Obwohl bereits mehrere paläoökologische Studien aus Bergbaugebieten in Europa vorliegen, ist das Wissen um die Interaktion zwischen Paläo-Umwelt und Bergbau noch gering. Diese bemerkenswerten Untersuchungen machen die Formung der Kulturlandschaft in Verbindung mit Bergbauaktivitäten bereits deutlich, doch ein eindeutiges paläoökologisches Signal für prähistorischen Bergbau konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Der entscheidende Punkt ist dabei, den paläoökologischen Imprint des Bergbaus von dem der Landwirtschaft zu trennen. Neuere geochemische Analysen (Al, Ba, Pb, Cu, Si, Ti, and V) in Torfablagerungen stellen hier einen vielversprechenden Ansatz dar, zusätzlich zu Pollenanalysen zur Rekonstruktion historischer und prähistorischer Verhüttungstätigkeit beizutragen. Ein weiterer sehr hilfreicher Ansatz ist die Holzkohlenanalyse, die in archäologischen Kontexten von Feuersetzungen und Schmelz- oder Verhüttungsplätzen durchgeführt wird, in denen sich die Nutzung der Holzressourcen widerspiegelt. Die Kombination dieser Methoden verspricht eine effektive Herangehensweise, die diversen Auswirkungen des Bergbaus auf die prähistorische Umwelt zu ermitteln.

In Verbindung mit dem Erforschen des anthropogenen Einflusses auf die Vegetation durch Holznutzung konzentriert sich die zweite Zielsetzung auf die Subsistenzstrategie von Bergbaugebieten. Bedingt durch die unterschiedlichen ökologischen und klimatischen Bedingungen in den Untersuchungsgebieten sind auch Bewirtschaftungsweisen zu erwarten, die sich voneinander in Zeit und Raum unterscheiden. Im Alpenraum stellt außerdem die Almwirtschaft einen integralen Bestandteil der Agrarsysteme dar, deren Ursprung jedoch kaum bekannt ist. Einer der ältesten Hinweise stammt aus einem bergbaulichen Kontext, weshalb die Rolle der Almwirtschaft in der Versorgung der Bergleute ebenso Teil der Untersuchungen ist.

Am Ende stellt natürlich auch das Klima einen wichtigen Faktor dar, durch den Lebensräume langfristig beeinflusst und verändert werden. Seit dem Neolithikum sind sind mehrere kurzzeitige Klimaschwankungen bekannt, die Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauerten. Sie hatten die Verschiebung von Ökotonen (wie etwa der Waldgrenze) zur Folge und beeinflussten deshalb vermutlich auch Agrarsysteme und Bergbauwesen.

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Arbeitsbereiche

A) Die Paläoökologie des Bergbaus

Bearbeiterin: Mag. Elisabeth Breitenlechner 

Der pollenanalytische Nachweis von Bergbauaktivitäten gestaltet sich besonders für die vorgeschichtliche Zeit als schwierig. Gerade für die Prähistorie bietet sich neben der Archäologie und Dendrochronologie auch die Pollenanalyse (Palynologie) als hilfreiche Wissenschaft an, mit deren Hilfe man Bergbauaktivitäten nachweisen, sowie deren Auswirkungen auf die Umwelt rekonstrieren kann.

Die Aktivitäten rund um Erzgewinnung und -verarbeitung zogen gravierende Auswirkungen auf die Umwelt nach sich. Rodungen zur Deckung des hohen Bedarfs an Holz für Konstruktions- und Energiezwecke veränderten das Waldbild und damit auch den Pollenniederschlag in benachbarten Mooren und Seen. Des Weiteren erforderte die Versorgung der Bergarbeiter mit Gütern des täglichen Bedarfs eine Intensivierung der lokalen und regionalen Landwirtschaft, was sich ebenfalls in Rodungen der Wälder auswirkte. Letztere indirekte Auswirkungen des Bergbaus auf die Vegetation fördern das Aufkommen bestimmter Zeigerpflanzen. Eben diese Siedlungs- und Kulturzeiger (Behre & Kučan, 1986) wie zum Beispiel Spitzwegerich (Plantago lanceolata) oder auch Getreide (Cerealia), können pollenanalytisch erfasst werden und kennzeichnen Siedlungsaktivitäten im Pollendiagramm. Allerdings ergibt sich durch die Überlagerung der Pollensignale die Schwierigkeit, Siedlungsaktivitäten von Bergbauaktivitäten zu trennen. Dieses methodische Problem gilt es im Zuge der Arbeiten des Spezialforschungsbereiches HiMAT durch einen interdisziplinären Ansatz zu lösen.

Neben Pollenanalysen, die über die Zusammensetzung der Vegetation Auskunft geben, liefern geochemische Analysen von Torfproben – insbesondere von Blei -  Aufschluss über die Umweltbelastung durch Bergbauaktivitäten. Während der Erzaufbereitung und –verarbeitung werden Schwermetalle in die Atmosphäre emittiert, die  sich zunächst auf der Mooroberfläche ablagern und später im Torf stabil gebunden werden. Außer diesem anthropogenen Eintrag werden Schwermetalle durch atmosphärischen Staub auch auf natürliche Weise ins Moor eingebracht. Um die Anreicherungen aufgrund anthropogener Aktivitäten besser abschätzen zu können ist es üblich, die Metallgehalte auf konservative Elemente wie Scandium (Sc) zu normieren, da dieses Element bislang durch den Menschen nicht in größeren Mengen in die Umwelt freigesetzt worden ist. Mit diesen paläoökologischen Daten aus Pollen- und geochemischen Analysen ist es möglich, die Mensch-Umwelt-Beziehungen im Zuge von vergangenen Bergbauaktivitäten zu erfassen (Mighall et al., 2002). In dieser Studie werden die Auswirkungen des frühneuzeitlichen Bergbaus im ehemaligen bedeutsamen Bergbaugebiet Schwaz pollenanalystisch und geochemisch evaluiert. Dieses paläoökologische Modell des neuzeitlichen Bergbaus wird durch historische und mikrotoponomastische Daten validiert, um es anschließend auch auf die Prähistorie anwenden zu können (Breitenlechner et al., 2009a).

Das Untersuchungsgebiet befindet sich im einstigen Kupfer- und Silberabbaugebiet des Großmontanrevieres Falkenstein südöstlich von Schwaz. In einer Mulde des Nordwest-Hanges des Mehrerkopfes, nahe des Gehöfts Kogelmoos, liegt auf 1120 m Seehöhe das gleichnamige Moor (Abb. 1). Das Niedermoor besitzt eine Fläche von   0,2 ha. Die umgebende Vegetation ist charakterisiert durch nadelholzdominierte Wälder und landwirtschaftliches Grünland. Im vom Moor westlich gelegenen Lärchen-Fichtenwald zeugen zahlreiche verfallene Mundlöcher und teils überwachsene Abraumhalden von spätmittelalterlichen und frühneuzeitliche Bergbau. In den Hängen oberhalb des Feuchtgebietes dehnt sich ein Fichtenwald mit Lärchen aus. An den östlich und unterhalb des Moores gelegenen, intensiv genutzten Wiesen grenzen kleinräumige Fichten-Tannen- (Abietetum) und Buchen-Tannen-Wälder (Abieti-Fagetum) (weitere Beschreibung des Untersuchungsgebietes in Breitenlechner (2008)).        

 

Karte Kogelmoos
Abb. 1: Topographische Karte des Untersuchungsgebietes

 






                                                                      


 

 

 

 

 

 

Nach eingehender Sondierung des Moores wurde aus dem zentral gelegenen Bereich mit Hilfe eines Geonor-Kernbohrgerätes ein Torfmonolith gezogen. Für den chemischen Aufschluss wurden Torfproben des 1,9 m mächtigen Bohrkerns mit der am Institut für Botanik der Universität Innsbruck modifizierten Acetolysemethode nach Erdtmann (1936) chemisch aufbereitet. Jedes Präparat wurde auf 1000 Baumpollen ausgezählt. Die Blei-Werte sowie die Bleiisotopenverhältnisse wurden am Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim mit einem Massenspektrometer (QICP-MS – induktiv gekoppeltes Plasma Quadrupol-Massenspektrometer; AXIOM - hochauflösenden Multikollektor ICP Massenspektrometer) gemessen. Die Radiokarbondatierungen wurden am Vienna Environmental Research Accelerator des Instituts für Isotopenforschung und Kernphysik der Universität Wien vorgenommen (eine detaillierte Beschreibung aller verwendeter Methoden in Breitenlechner et al. 2009b).

Das Pollendiagramm (Abb. 2) des Torfmonolithen aus dem Kogelmoos umfasst die Vegetationsgeschichte der letzten 8000 Jahre, welche hier nur verkürzt wiedergegeben wird. In Breitenlechner (2008) und Breitenlechner et al. (2009b) ist eine detaillierte Darstellung der Vegetationsentwicklung zu finden. Die Ergebnisse der neuzeitlichen Vegetationsgeschichte kann durch historische sozioökonomische und mikrotoponomastische Daten validiert werden.

Mit dem Beginn der Neuzeit kommt es zu einer Ausbreitung der Kiefer (Pinus) und nachfolgend der Lärche (Larix) gekoppelt mit einem Anstieg der lokalen Holzkohlenpartikel, die eine erhöhte Feueraktivität anzeigen. Die ab ca. 1500 AD stark ansteigenden Bleiwerte, sowie das Absinken des 206Pb/207Pb-Istotopenverhältnisses im Torf stehen möglicherweise mit erhöhten Verhüttungsaktivitäten im nahen Inntal im Zusammenhang. Historisch belegt ist zu dieser Zeit die Einführung des Saigerprozesses in den Schmelzhütten zu Brixlegg (Ingenhaeff & Bair 2002), bei dem unter Zugabe von Blei aus dem Fahlerz neben dem Kupfer auch Silber in rentabler Qualität und Menge gewonnen werden konnte. Da im unteren Inntal keine bedeutenden Bleilagerstätten vorhanden sind, musste dieses Schwermetall aus benachbarten Gebieten importiert werden. Die Verwendung von Blei aus anderen Lagerstätten könnte zum Absinken des Bleiisotopenverhältnisses geführt haben. Parallel zum starken Anstieg des Bleies im Torf berichten historische Quellen (Sokoll 1994) über enorme Mengen an produziertem Silber im Montanrevier Falkenstein zwischen 1470 und 1530 AD.

Auch Bartels et al. (2006) bestätigen einen intensiven Bergbau im Falkensteinrevier, der am Nordhang des Mehrerkopfes zu dieser Zeit zur Entwicklung von riesigen Schutthalden geführt hat. Mit dem ersten Rückgang der Silberproduktion nach 1530 AD beginnen sich diese Halden zu stabilisieren. Auf dem Schuttmaterial bildet sich ein rudimentärer Rohboden mit einer sehr schlechten Wasserspeicherkapazität, der es nur einigen wenigen Pionierarten ermöglicht, auf den Haldenflächen zu wachsen.

An diese extreme Situation gut angepasste Baumarten sind die Kiefer (Pinus) bzw. die Latsche (Pinus mugo) und auch die Lärche (Larix). Im Pollendiagramm spiegelt sich diese Wiederbesiedelung der Schutthalden durch das Ansteigen der Pollenwerte der eben genannten Pioniergehölze wider. Auch ein weiterer paralleler Anstieg der Lärchen- (Larix) und Kiefern-Werte (Pinus) um ca. 1700 AD lässt eine zunehmende Reduktion der Bergbauaktivität im Montanrevier Falkenstein erkennen. Laut Sokoll (1994) hat sich die Menge der Silberproduktion in den letzten 200 Jahren auf 1/6 der Maximalproduktionsmenge verringert. Auch die Zahl der im Falkensteinrevier vorhandenen Schmieden zur Pflege und Reparatur der für den Bergbau benötigten Werkzeuge reduziert sich bis ca. 1800 AD drastisch. Während 1590 AD noch 3
 2 Schmieden betrieben worden sind, scheinen in den historischen Quellen 1796 AD nur mehr 17 Schmieden auf (Kathrein, unpublizierte Daten). Die aufgelassenen Haldenflächen werden nach und nach von Kie fern (Pinus) und Lärchen (Larix) überwachsen, bevor auch die Fichte (Picea) wiede r einwandert und sich ausbreitet.

Ab ca. 1800 AD gehen die Bleiwerte im Torf des Kogelmooses zurück. Das Auflassen des staatlichen Bergbaues am Falkensteinrevier im Jahr 1827 AD (Bartels et al. 2006) ist wiederum begleitet von einem leichten Anstieg der Kiefern- (Pinus) und Lärchenwerte (Larix) im Pollenprofil. Pollendiagramm Kogelmoos

Abb. 2: Pollendiagramm Kogelmoos (Relativdiagramm [%]; nur ausgewählte Arten dargestellt). RKZ = Römische Kaiserzeit; graue Fläche = Überhöhungskurve x10; Hauptdiagramm: x steht für die Tannenwerte (Abies), ∆ steht für die Fichtenwerte (Picea), die schwarze Linie ist die Grenze zwischen den Anteilen der Baum- und Nicht-Baum-Pollen, die schwarz gefüllte Fläche stellt den Anteil der Gräser (Poaceae) dar.

Die Sekundärsukzession auf den Abraumhalden als direkte durch Bergbau bedingte Vegetationsveränderung zusammen mit den Bleigehalten der Torfablagerungen kann als paläoökologisches Modell für Bergbauaktivitäten dienen. Um dies zu testen wird versucht, auch ältere Bergbauphasen im Pollen- und Schwermetallprofil zu erfassen.Im frühen Atlantikum besteht die Vegetation um das Moor aus einem Fichtenwald (Piceetum montanum) mit einzelnen Kiefern (Pinus). In diesen wandern am Ende des Atlantikums die Tanne (Abies) und später auch die Buche (Fagus) ein. Bis ins Mittelalter besteht ein Fichten-Tannenwald (Abietetum) in den mittleren Lagen des Mehrerkopfes. Erste Siedlungszeiger (Behre & Kučan 1986) mit steigenden Werten der Mikroholzkohlen treten zum Beginn der Mittelbronzezeit auf. Zeitgleich zeichnet sich eine Ausbreitung der Kiefer (Pinus) und auch der Lärche (Larix) ab. Diese Vegetationsabfolge zeigt die Wiederbesiedelung schuttreicher Steilhänge des Mehrerkopfes auf und deutet hiermit auf die initiale Bestockung von Abraumhalden einer frühen Bergbauphase im Revier Falkenstein hin. Archäologische Funde von Rillenschlägeln und Keramik (Rieser & Schrattenthaler 1998/99) sowie Radiocarbondatierungen von Holzkohlen aus prähistorischen Stollen der sogenannten „Heidenzechen“ (Goldenberg & Rieser 2004) bestätigen Bergbauaktivitäten für die Bronzezeit. Im Pollenprofil ist ein Ende der anthropogenen Eingriffe Mitte der Römerzeit zu erkennen. Ab etwa 290 AD gehen die Werte der Mikroholzkohlen zurüc,k und die sich ausbreitende Tanne (Abies) drängt die lichtliebende Lärche (Larix) in höhere Lagen ab. Kultur- und Siedlungszeiger sind bis zum Spätmittelalter nur vereinzelt zu finden, und reflektieren einen anthropogen kaum beeinflussten Fichten-Tannen-Wald (Abietetum) im Untersuchungsgebiet.

Um etwa 1400 AD brechen die Prozentwerte der Tanne (Abies) stark ein, während die Anteile der Birke (Betula), der Hasel (Corylus avellana) und der Lärche (Larix) sowie auch der Kultur- und Siedlungszeiger und der Gräserwerte (Poaceae) ansteigen. Die Fichten-Tannen-Wälder (Abietetum) um das Moor werden für Ackerbau und Viehzucht gerodet, was sich in einer durchgehenden Getreidepollenkurve (Cerealia) und in steigenden Gräserwerten (Poaceae) gemeinsam mit Spitzwegerich (Plantago lanceolata), Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa) und Scharfem Hahnenfuss (Ranunculus acris) bis in die jüngste Neuzeit abzeichnet. Diese Urbarisierung wird durch die erste urkundliche Erwähnung der „Schwaige am Hohen Kogel“ (die Gehöfte Kogelmoos) im Urbar von 1361/70 AD der Benediktinerabtei St. Georgenberg bestätigt (Bachmann 1981).

Literaturzitate:

Bachmann, H., (Hrsg.), 1981: Die mittelalterlichen Stiftsurbare des Bistums Brixen IV. Teil: Das älteste Urbar der Benediktinerabtei St. Georgenberg zu Fiecht von 1361/70 und das Weinzinsregister von 1420 und 1422 (= Österreichische Urbare. III. Abteilung: Urbare geistlicher Grundherrschaften, Bd. 5). Wagner, Innsbruck.

Bartels, Ch., Bingener, A., Slotta, R., 2006: „1556 Perkwerch etc.“ Das Schwazer Bergbuch. Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Bochum.

Behre, K.-E., Kučan, E., 1986: Die Reflektion archäologisch bekannter Siedlungen in Pollendiagrammen verschiedener Entfernungen – Beispiele aus der Siedlungskammer Flögeln, Nordwestdeutschland. In: Behre K.-E. (ed). Anthropogenic indicators in pollen diagrams. Rotterdam: 95 – 114.

Breitenlechner, E., 2008: Pollenanalysen zur Siedlungs- und Bergbaugeschichte im Raum Schwaz. Der Anschnitt 5-6, 214-221.

Breitenlechner, E., Hilber, M., Lutz, J., Kathrein, Y., Unterkircher, A., Oeggl, K., 2009a: The impact of mining activities on the environment reflected by pollen, charcoal and geochemical analyses. Journal of Archaeological Science (doi:10.1016/j.jas.2010.01.006)

Breitenlechner, E.; M. Hilber and A. Unterkircher 2009. Von der (Über)Nutzung eines ökologischen und sozialen Raumes am Beispiel des Montanreviers Schwaz im 17. Jahrhundert – eine interdisziplinäre Annäherung. In: L. Krye, C. Stühring, and T. Zwingelberg: Natur als Grenz(E)rfahrung. Europäische Perspektiven der Mensch-Natur-Beziehung in Mittelalter und Neuzeit: Ressourcen, Entdeckungen, Naturkatastrophen. Göttingen, 2009, pp. 51-77.

Erdtmann G 1936: New Methods in Pollenanalysis. In: Svensk botanical Tidskrift, 28, 354 – 351.

Goldenberg, G., Rieser, B., 2004: Die Fahlerzlagerstätten von Schwaz/Brixlegg (Nordtirol). Ein weiteres Zentrum urgeschichtlicher Kupferproduktion in den österreichischen Alpen. Alpenkupfer Rame delle Alpi, Der Anschnitt 17, 37-52.

Ingenhaeff W. und Bair J. 2002: Schwazer Silber – vergeudeter Reichtum? Verschwenderische Habsburger in Abhängigkeit vom oberdeutschen Kapital an der Zeitenwende vom Mittelalter zur Neuzeit. Tagungsband 1. Internationales Bergbausymposium. Schwaz.

Mighall, T.M., Abrahams, P.W., Grattan, J.P., Hayes, D., Timberlake, S., Forsyth, S., 2002: Geochemical evidence for atmospheric pollution derived from prehistoric copper mining at Copa Hill, Cwmystwyth, mid-Wales, U.K. Science of the Total Environment 292, 69-80.

Rieser, B., Schrattenthaler, H., 1998/99: Urgeschichtlicher Kupferbergbau im Raum Schwaz-Brixlegg. Archaeologica Austriaca 82-83, 135-179.

Sokoll T. 1994. Bergbau im Übergang der Neuzeit. Idstein, S. 39.

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B) Subsistenz von prähistorischen Bergbaurevieren

Bearbeiter: Mag. Anton Stefan Schwarz; Mag. Barbara Viehweider; MMag. Dr. Alexandra Schmidl 

Mikrostudie zur Versorgung einer Kupferzeitlichen/ Frühbronzezeitlichen Siedlung am Kiechlberg in Thaur im Tiroler Unterinntal

Bearbeiter: Mag. Anton Stefan Schwarz

Neueste siedlungsarchäologische Untersuchungen des PP 06 haben einen jungneolithischen Siedlungsplatz im Tiroler Inntal auf dem Kiechlberg (1028 m) in Thaur freigelegt (Töchterle et al. 2009). Keramikfragmente aus der Pollinger Kultur sprechen für eine frühe Erschließung des Geländesporns. Mehrere Radiokarbondatierungen aus einer Abfallgrube belegen eine Siedlungskontinuität von der Kupferzeit bis in die Frühe Bronzezeit. Darüber hinaus wurden aus den Abfallschichten zahlreiche Werkzeuge (Steinschlägel, Steinbeile) und Verarbeitungsprodukte geborgen, die eine geschlossene Kette der Kupferverhüttung wiedergeben. Roherz, Schlacken, Rohkupferkuchen und fertige Schmuckgegenstände lassen eine rege Verhüttungsaktivität erkennen. Auch wurden zahlreiche Silexpfeilspitzen und Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens (z.B. Knöpfe) gefunden. Zusätzlich erlauben Knochenreste von Wild- und Haustieren (PP 12) sowie eine beachtliche Anzahl an verkohlten Pflanzenresten Einblicke in die Ernährung und in die Holznutzung der frühen Siedler. Die kürzlich abgeschlossenen Analysen der verkohlten Pflanzenresten belegen, dass am Kiechlberg während der Frühbronzezeit eine nahrhafte und ausgewogene Kost konsumiert wurde: An Kulturpflanzen liegen überwiegend Getreidekörner von Gerste (Hordeum vulgare) und Emmer (Triticum dicoccum) vor, die auch das Hauptgetreide gebildet haben. Daneben ist die Speiseerbse (Pisum sativum) in großer Zahl nachgewiesen. Diese Ergebnisse lassen auf einen entwickelten Feldfruchtbau schließen, der auch durch einige Wildpflanzen und Unkräuter komplettiert wird. Das Sammeln von Wildobst und Nüssen aus der nächsten Umgebung - wie z.B. von Eberesche (Sorbus), Schwarzem Holunder (Sambucus nigra), Haselnuss (Corylus avellana) und Eicheln (Quercus) – ergänzte des Nahrungsspektrum der Siedler (Schwarz & Oeggl 2009, 2010 in Druck).

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Hinweise auf den Wald und seine Nutzung in der unmittelbaren Umgebung der Siedlung geben die analysierten Holzkohlen. Fichte (Picea/Larix Typ), Tanne (Abies alba) und Buche (Fagus sylvatica) belegen einen Bergmischwald für die damalige Zeit. An den feucht-schattigen Hängen im Osten der Siedlung stockten zusätzlich Ahorn (Acer) und Ulme (Ulmus). Auf trockenen, offenen und sonnigen Standorten in der Nähe der Siedlung gedeihten Kiefer (Pinus), Birke (Betula), Haselnuss (Corylus avellana) und Eiche (Quercus). Das Vorkommen von Pionierarten deutet auf eine moderate Nutzung des natürlich vorkommenden Waldes während der Frühbronzezeit hin, welcher sich auch heute noch in der aktuellen Vegetation rund um den Kiechlberg widerspiegelt (Schwarz & Oeggl 2010 in Druck).

Literaturzitate:

Schwarz, A. S. & Oeggl K. (2009): The natural environment round the Kiechlberg during Early Bronze Age. Mining in European History Conference, Innsbruck, Austria, 12.11.2009 – 15.11.2009. In: Peter Anreiter, Gert Goldenberg, Klaus Hanke, Rüdiger Krause, Walter Leitner, Franz Mathis, Kurt Nicolussi, Klaus Oeggl, Ernst Pernicka, Jörg Schibler, Ingo Schneider, Harald Stadler, Thomas Stöllner, Gerhard Tomedi, Peter Tropper (Hrsg.): Mining in European History Special Conference of the SFB HiMAT: Historical Mining Activities in the Tyrol and Adjacent Areas: Impact on Environment and Human Societies, iup conference guide: 54.

Schwarz A. S. & Oeggl K. (2010 in Druck): Carbonised plant remains from the Kiechlberg at Thaur and its implications for the surrounding vegetation during the Late Neolithic and Early Bronze Age. Proceedings of the Mining in European History Conference of the SFB HiMAT, Innsbruck, Austria, 12.11.2009 – 15.11.2009. iup conference series.

Töchterle U., Goldenberg G., Klaunzer M., Hye Simon & Tomedi G. (2009): Neue Ergebnisse der Grabungen 2007/2008 am Kiechlberg bei Thaur in Nordtirol. In: K. Oeggl and M. Prast: Die Geschichte des Bergbaus in Tirol und seinen angrenzenden Gebieten Proceedings zum 3. Milestone-Meeting des SFB HiMAT vom 23. - 26.10.2008 in Silbertal. iup conference series, Innsbruck, 2009, pp. 291 – 298.

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Fallstudie zur bronzezeitlichen Waldnutzung im Montafon in Vorarlberg

Bearbeiter: Mag. Anton Stefan Schwarz 

Eine frühe prähistorische Besiedlung des Montafons galt bis zur Entdeckung von drei bronzezeitlichen Siedlungen in unmittelbarer Nähe zueinander (Krause 2009) als völlig ausgeschlossen. Im Zuge der archäologischen Ausgrabungen durch PP 08 wurden aus den früh- und mittelbronzezeitlichen Kulturschichten der Siedlungen (Würfel 2009) auch Bodenproben zur archäobotanischen Bearbeitung gezogen. Die darin enthaltenen Pflanzenreste und Holzkohlen lassen Schlüsse auf die Zusammensetzung des Waldes und dessen Veränderungen durch den Menschen zu. Diese Analysen zeigen, dass während der Bronzezeit eine kontinuierliche Holznutzung zu einer Auflichtung und Veränderung der natürlichen Zusammensetzung der Wälder im Montafon führte (Schwarz & Oeggl, 2009):

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In der Frühbronzezeit herrschten Fichtenwälder mit Buche (Fagus sylvatica) und Tanne (Abies) vor. Ahorn (Acer) und Linde (Tilia) waren vereinzelt eingesprengt. In der Mittelbronzezeit traten die Laubgehölze in den Hintergrund, während Licht liebende Gehölze wie Birke (Betula sp.), Haselnuss (Corylus avellana) und Erle (Alnus sp.) verstärkt vorkamen (Poster).

Literaturzitate

Krause R. (2009): Organisation des bronzezeitlichen Bergbaus: Siedlungshierarchien und metallurgische Prozesse. In: K. Oeggl and M. Prast: Die Geschichte des Bergbaus in Tirol und seinen angrenzenden Gebieten Proceedings zum 3. Milestone-Meeting des SFB HiMAT vom 23. - 26.10.2008 in Silbertal. iup conference series, Innsbruck, 2009, pp. 61 – 78.

Würfel F. (2009): Bronzezeitliche Landschafts- und Siedlungsdynamik am Bartholomäberg im Montafon. In: K. Oeggl and M. Prast: Die Geschichte des Bergbaus in Tirol und seinen angrenzenden Gebieten Proceedings zum 3. Milestone-Meeting des SFB HiMAT vom 23. - 26.10.2008 in Silbertal. iup conference series, Innsbruck, 2009, pp. 203 – 209.

Schwarz A. S. & Oeggl K. (2009): Die Waldnutzung im Montafon während der Bronzezeit. In: K. Oeggl and M. Prast: Die Geschichte des Bergbaus in Tirol und seinen angrenzenden Gebieten Proceedings zum 3. Milestone-Meeting des SFB HiMAT vom 23. - 26.10.2008 in Silbertal. iup conference series, Innsbruck, 2009, pp. 215 – 219.

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Fallstudie zur Versorgung eines spätbronzezeitlichen Bergbaureviers (Mauken) bei Brixlegg im Tiroler Unterland

Beabeiter: Mag. Anton Stefan Schwarz; MMag. Dr. Alexandra Schmidl 

Die archäologischen Grabungen von PP 06 (Bericht zur Ausgrabung Mauken A) im prähistorischen Bergbaurevier Mauken bei Brixlegg belegen rege Bergbauaktivitäten für die späte Bronzezeit (Goldenberg 2004). Vom Abbau in den Gruben über Erzaufbereitung, Röstbetten bis hin zu Schmelzöfen ist in diesem Revier die metallurgische Arbeitskette belegt. Diese verschiedenen Gegebenheiten wurden systematisch beprobt und auf ihre Pflanzenreste untersucht. Die Analysen zeigen, dass zur Erzverarbeitung das Brennholz aus dem umliegenden Wald entnommen wurde. Im Vergleich mit der frühbronzezeitlichen Verhüttung am Kiechlberg ist zu erkennen, dass die frühbronzezeitlichen Siedler am Kiechlberg die Rohstoffe in ihren Siedlungsplätzen verarbeitet, hingegen in der späteren Bronzezeit die Bergleute von Mauken das Erz unmittelbar bei den Erzvorkommen und abseits der Siedlungen verhüttet haben. Die archäobotanischen Ergebnisse haben das Potential neben der Rekonstruktion der Waldzusammensetzung und -nutzung im Kontext mit den archäozoologischen (PP12) und den archäologischen Analysen auch Hinweise auf die räumliche Strukturierung und Versorgung eines Bergbaureviers zu liefern. Erste Ergebnisse dieser Studie werden in Kürze veröffentlicht.

Literaturzitate

Goldenberg G, Rieser B (2004) Die Fahlerzlagerstätten von Schwaz/Brixlegg (Nordtirol). Ein weiteres Zentrum urgeschichtlicher Kupferproduktion in den österreichischen Alpen. Alpenkupfer Rame delle Alpi Der Anschnitt, Beiheft 17:37–52.

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