Projektteil 13: Dendrochronologie

 

Leitung:

A.Univ.-Prof. Mag. Dr. Kurt Nicolussi

Mitarbeiter:

Mag. Andrea Thurner
Mag. Thomas Pichler

laufende Diplomarbeiten:

Mag. Angela Fodor (Arbeitstitel: Dendrochronologische Analysen an Bergbauhölzern des Reviers Schwaz / Brixlegg)

abgeschlossene Diplomarbeiten:

Lukas Furtenbach (Dendrochronologische Untersuchungen an subfossilen Fichten und Lärchen aus dem Mitterberggebiet, Salzburg)
Michael Lechner (Untersuchung zum Einfluss der neuzeitlichen Gletscherentwicklung auf den Bergbau in den Hohen Tauern)
Stefan Unterrader (Dendrochronologische Untersuchungen an historischen Bergbauhölzern vom Südtiroler Schneeberg)

 

Universität Innsbruck
Institut für Geographie
Arbeitsgruppe Dendrochronologie
Innrain 52
A-6020 Innsbruck


Zusammenfassung:

Für den prähistorischen und historischen Bergbau war Holz ein unentbehrlicher Rohstoff, der auf vielfältige Weise zum Einsatz gekommen ist wie, z.B. zum Bau von Stollenanlagen, für Vorrichtungen zur Weiterverarbeitung des abgebauten Erzes, für Arbeitsgeräte, als Brennmaterial für den Erzabbau mittels "Feuersetzen" bzw. die im Anschluss daran notwendigen Schmelzprozesse. Reste dieser mit dem Bergbau in Verbindung stehenden Hölzer sind im Alpenraum vorwiegend aus dem Mittelalter und der Neuzeit erhalten geblieben, aber auch aus früheren Perioden stammende hölzerne Artefakte sind bei Grabungen zu Tage getreten. Dendrochronologische Analysen erlauben prinzipiell nicht nur eine jahrgenaue Datierung der einzelnen Hölzer, sondern ermöglichen, zusammen mit weiteren archäologischen und historischen Ergebnissen, Erkenntnisse zur räumlichen und zeitlichen Entwicklung der alpinen bergbaulichen Aktivitäten. Des Weiteren können mit den erarbeiteten Jahrringdaten Ereignisse und Entwicklungen der Umwelt- und Klimageschichte mit hoher zeitlicher Auflösung bestimmt werden.

In Tirol wurden dendrochronologische Studien und Datierungen an Bergbauhölzern bislang kaum durchgeführt. Mit wenigen Ausnahmen sind derartige Untersuchungen auch in den angrenzenden Gebieten des Tiroler Raumes dünn gesät (Ruoff und Trivun 1998, 2000, Grabner et al. 2005). Neuerdings liegt für den Alpenraum eine mehrtausendjährige Jahrringchronologie (Nicolussi et al. 2004) vor, die nicht nur für Datierungszwecke sondern auch für Fragen der Klima- und Umweltentwicklung herangezogen werden kann. Für den ersten Abschnitt (Laufzeit vier Jahre) des SFB werden im Teilprojekt Dendrochronologie folgende Ziele verfolgt:

  • Erarbeitung einer Jahrringdatenbasis auf Grundlage prähistorischer und historischer Bergbauhölzer für den Tiroler Raum bzw. angrenzende Bereiche
  • Dendrochronologische Datierungen von Bergbauhölzern in enger Zusammenarbeit mit den archäologischen Teilbereichen des Projektes
  • Dendrochronologische Untersuchungen zur bergbaulichen Erschließung des hochalpinen Raumes in Tirol bzw. benachbarter Gebiete unter Berücksichtigung der gegebenen Umweltverhältnisse
  • Dendroklimatologische Analysen mit innerhalb des Projektes erarbeiteten als auch mit bereits vorhandenen Jahrringdatensätzen für eine Rekonstruktion der klimatischen und ökologischen Verhältnisse in den Bergbaurevieren zum Zeitpunkt ihrer Aktivität

 

Laufende Arbeiten

Aufbau lokaler Referenzjahrringchronologien auf Basis von Bergbau- und subfossilen Hölzern (Moorhölzer) sowie dendrochronologische Analysen an diesen hinsichtlich klimatischer und ökologischer Bedingungen in den Bergbaugebieten; begleitend werden auch rezente Hölzer hinsichtlich der Wachstums-Umwelt-Analysen bearbeitet

Analysiert werden dazu gegenwärtig Hölzer aus den Revieren:

Mitterberger Hauptgang
•  subfossile Hölzer: Troiboden, Oberer Wildensee / Vorderkeil, Langmoos;
•  historische Hölzer: Bergbau Flachenberg, Holzkohlen ehemaliger Kohlenmeiler im Gebiet des oberen Wildensee
Kitzbühel
•  prähistorische Bergbauhölzer des Museums Kitzbühel sowie von neuen archäologischen Grabungen: Kelchalm
•  neuzeitliche Bergbauhölzer (Museumshölzer): Kelchalm, Jochberg
Schwaz / Brixlegg
•  subfossile Hölzer (zum Teil von einer Erzaufbereitungsanlage): Schwarzenbergmoos
•  prähistorische Hölzer (Holzkohlen): Grube MaukE
•  neuzeitliche Hölzer: Grube MaukE, Kieszeche, Sagzeche, Moosschrofen, Bergbauhölzer (Museum Brixlegg) aus verschiedenen Stollen im Revier Schwaz / Brixlegg, Nachtschattenhof
Montafon
•  subfossile Hölzer: Bartholomäberg
•  historische Hölzer: Knappagruaba
Schneeberg
•  neuzeitliche Hölzer: Bergwerkshölzer am Schneeberg

 

Kooperation

Zur Analyse von bereits geborgenen und in lokalen Museen zugänglichen Bergbauhölzern besteht eine Zusammenarbeit mit folgenden Museen:

Museum Kitzbühel (Dr. Wido Sieberer)
Bergbau- und Heimatmuseum Jochberg (Kustos Georg Jöchl )
Bergbau- und Hüttenmuseum Brixlegg (Dipl. Ing. Robert Stibich)


weitere Kooperationen:

Dipl. Ing. Robert Stibich (Brixlegger Montanwerke, Brixlegg)
Robert Pils (Revier Mitterberger Hauptgang)
Peter Radacher (Grundeigentümer, Mitterberg)
Trivun Sormaz (Archäologischer Dienst Graubünden, Chur )
Dr. Andreas Rudigier (Montafoner Museen)
Dr. Michael Grabner (Institut für Holzforschung, Universität für Bodenkultur, Wien)
Dipl. Prähist. Willy Tegel (Institut für Waldwachstum, Universität Freiburg)
Dr. Eva Fischer (Grundeigentümer Nachtschattenhof - ehem. Knappenhof)
 

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