Projektteil 12: Paläoökonomie, Subsistenz und Paläoökologie in Bergbaurevieren: die archäozoologischen Belege

 

Leitung:

Univ.-Prof. Dr. Jörg Schibler

Mitarbeiter:

Dr. Sabine Deschler-Erb 
Dr. Heidemarie Hüster-Plogmann 
Dr. Barbara Stopp
Dr. Elisabeth Marti-Grädel

Universität Basel
Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA)
Spalenring 145
CH-4055 Basel

 

Publikationen & Poster

 

Ziele des Projektes

Bergbautätigkeiten haben Auswirkungen sowohl auf die Gesellschaft und die Landwirtschaft als auch auf die Umwelt. Mit dem Anstieg bergbaulicher Aktivitäten in den Alpenregionen und dem Entstehen von eigentlichen Bergbauzentren dürfte auch eine Änderung in der Wirtschaftsstrategie (Subsistenz) einhergegangen sein. So entwickelten sich zum Beispiel außerhalb der Bergbauregionen neue oder zusätzliche Versorgungssysteme. Daneben stieg auch die Bedeutung von Arbeitstieren im Bergbau selbst (z.B. ihr Einsatz bei Bergbauaktivitäten). In der Umgebung der Bergbaugebiete kam es wegen des starken Verbrauchs von Bauholz zur Auflichtung der Wälder bis hin zur Entwaldung, was deutliche Spuren in der heimischen Wildfauna hinterließ. Obwohl bereits einige Untersuchungen zur Gesellschaft, Ökonomie und Ökologie in Bergbaugebieten vorhanden sind, ist unser Wissen um die gegenseitige Beeinflussung der drei Bereiche noch immer sehr gering. In Zusammenarbeit mit anderen Projektgruppen des HiMAT sollen deshalb die archäozoologischen Untersuchungen helfen, die durch menschliche Aktivitäten verursachten Veränderungen in den Alpenregionen besser zu verstehen.

 

In der ersten Projektphase durchgeführte Untersuchungen

Aus dem Gebiet Montafon liegen aus dem spätmesolihischen Abri Mittelberg- Schneiderküren und aus der mittelalterlichen Siedlung Silbertal Kristberg Knochenreste vor, die bestimmt und statistisch ausgewertet sind. In den bronzezeitlichen Fundstellen am Bartholomäberg wurden keine Knochenreste gefunden. Keine aussagekräftigen Mengen  an Knochenfunden haben auch die Fundstellen am Mitterberg erbracht. Eine Schlämmaktion im Rahmen der Grabungen 2009 lieferte nur sehr wenige, ausschliesslich kalzinierte Knochen.

Aus der Key Area Schwaz dagegen liegen aus etlichen Fundstellen aussagekräftige Knochenkomplexe vor. Ganz abgeschlossen sind die Bestimmungs-und Auswertungsarbeiten für zwei Verhüttungsstellen im Berbaurevier Mauken bei Radfeld/Brixlegg. Die untersuchten Knochenreste stammen hier aus verschiedenen Grabungskampagnen unter der Leitung von G. Goldenberg. Im Jahre 2008 nahmen wir selber an den Grabungen teil, bei der eine für methodische Belange wichtige Feingrabung mit Schlämmaktion durchgeführt wurde. Zu den archäozoologischen Untersuchungsergebnissen liegt eine Publikationen vor (Schibler et al. 2009), drei sind in press und werden dieses Jahr erscheinen, eine dritte, interdisziplinär angelegte Publikation, die die Resultate der verschiedenen Forschungsbereiche zusammenführt, ist ebenfalls in Vorbereitung (Antiquity). Aufgrund der archäozoologischen, archäobotanischen und vegetationsgeschichtlichen Ergebnisse bestehen für Mauken Hinweise auf eine nahrungswirtschaftliche Abhängigkeit der im Bergbau und Verhüttung tätigen Bergleute von ausserhalb existierenden Wirtschaftseinheiten.

Von der dreiphasigen, frühneolithischen bis bronzezeitlichen Siedlungstelle Kiechlberg sind die Knochenfunde ebenfalls bereits bestimmt und ausgewertet. Erste Resultate wurden im Rahmen einer Posterpublikation vorgelegt. Im Laufe der Besiedlung sind bedeutende viehwirtschaftliche Veränderungen, namentlich eine Intensivierung der Rinderhaltung, erkennbar. Die ungewöhnliche Lage auf 1000 m ü.M. auf einem Lawinenkegel und die geringe Ausdehnung von Anbau-und Weideflächen werfen grundsätzliche Fragen zur Organisation von Ackerbau und Viehzucht in dieser Siedlung auf. Der Möglichkeit von Transhumanz soll anhand Isotopenanalysen an Knochenfunden im Rahmen der nächsten Projektphase nachgegangen werden.

Die Untersuchungen in der bronzezeitlichen Siedlung Fliess-Silberplan sind noch nicht abgeschlossen. Nur die Knochen aus der Grabungskampagne von 2008 sind bereits bestimmt worden, diejenigen der Kampagnen 2009 und 2010 müssen noch untersucht werden. Ebenfalls noch nicht ganz abgeschlossen sind die Auswertungsarbeiten zum eisenzeitlichen Fundplatz Krahnsattel, wo die archäologischen Arbeiten ebenfalls noch im Gang sind. Die abschliessenden archäozoologischen Auswertungsarbeiten können hier, wie grundsätzlich bei allen im HiMAT-Projekt untersuchten Fundstellen sinnvollerweise erst nach der Aufarbeitung der archäologischen Funde und Befunde vorgenommen werden. Neben den bereits genannten Siedlungsfunden liegen mit  Weer- Stadlerhof auch Knochenfunde von einem Opferplatz vor. Erste Ergebnisse zu dem rund 60’000, vorwiegend kalzinierte Knochen umfassenden Fundkomplex  wurden in einer vergleichenden Betrachtung zu den Funden von Mauken vorgelegt (Schibler et al. 2009).

Tab. 1: Im Rahmen des HiMAT-Projektes in der ersten Projektphase durchgeführte archäozoologische Untersuchungen (PP12).

Region Sites Period

Animal bones NISP

handcollected sieved
Montafon area (Vorarlberg) Mittelberg-Abri Schneiderküren late Mesolithic 371 -
  Bartholomäberg-Friagawald Bronze Age no bones -
  Bartholomäberg-Bodaweg Bronze Age no bones -
  Bartholomäberg-Buxwaldstrasse Bronze Age no bones -
  Silbertal-Kristberg Middle Ages 710 yes (N: 178)
Schwaz area (Tyrol) Mauken b. Radfeld (A und D) late Bronze Age 4005 yes (N: c. 800)
  Kiechlberg b. Thaur late Neolithic/Bronze Age 3507 -
  Fliess-Silberplan middle-late Bronze Age 2500 present count
(2008 excavation)
-
  Weer-Stadlerhof early-middle Bronze Age - yes (N: > 60'000)
  Krahnsattel Iron Age ca. 500 -
Mitterberg area (Salzburg) Mühlbach a. Hochkönig Bronze Age - yes (few, calcinated)
  Krimml-Falkenstein mainly early-middle Bronze Age 525 -
  Viehhofen-Wirtsalm Bronze Age 544 -
  Bischofshofen-Sinnhubschlössl Bronze Age 330 -
  Schwarzach-Brandstatt Bühel mainly late Bronze Age 40 -
  St. Johann-Hubbauer Bronze Age 94 -
  St. Johann-Klinglberg early Bronze Age 13 -

 

Verbreitungskarte PP12

Fig. 1: Übersichtskarte zu den Untersuchungen

Ebenfalls angefangen wurde das Sammeln von Daten bereits publizierter Fundstellen, die aus demselben geographischen Gebiet wie diejenigen des SFB HiMAT-Projektes stammen (vgl. Fig. 1). Diese Informationen werden zu Vergleichszwecken eingesetzt und dienen als wichtige Ergänzung zu den Daten der Fundstellen, die während des SFB HiMAT-Projektes neu untersucht wurden (Fig. 2). 

Figure 2 de

Fig. 2: Vergleich von Fundstellen aus dem SFB HiMAT-Projekt und anderen, bereits publizierten Fundstellen.
Fragmentanteile von Rind (Cattle), Schaf/Ziege (Sheep/Goat) und Hausschwein (Pig)
100% = Rind + Schaf/Ziege + Hausschwein
*: Museum Salzburg, wahrscheinlich ausgelesenes Material

 

Ausblick

An neuen Methoden sollen DNA-Untersuchungen an Rinder- und Schweineknochen (IPNA) und Isotopenuntersuchungen in Zusammenarbeit mit PP 09 hinzukommen.. Beides dient der Abklärung, ob Tiere über weitere Strecken verhandelt wurden. Zudem werden aus den laufenden und neuen Grabungen (z.B. Fliess-Silberplan, Kitzbühel-Kelchalpe, Schwaz-Kogelmoss) weiterhin die Tierknochen bestimmt, weitere, grabungsbegleitende Schlämmaktionen sind ebenfalls geplant.

 

 

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