Projektteil 05: Bericht zur Prospektion am Riepenkar 2008

 

Leitung:

A.o. Univ.-Prof. Dr. Walter Leitner

Mitarbeiter:

Thomas Bachnetzer Bakk. phil. 
Mag. phil. Beatrix Nutz
Julia Hammerschmied Bakk. phil.

Universität Innsbruck
Institut für Archäologien
Zentrum für Alte Kulturen
Langer Weg 11
A-6020 Innsbruck

ProspektionRiepenkar2008 

   

Untersuchungen zum prähistorischen Abbau von Bergkristall am Riepenkar in den Tuxer Alpen

Die an Quarzklüften reiche Region der Tuxer- und Zillertaler Alpen (Tauernfenster) wurde offensichtlich schon von den postglazialen Jägern auf Bergkristall prospektiert. Im Rahmen der aktuellen montanarchäologischen Untersuchungen des Instituts für Archäologien im August 2008 konnte dies bestätigt werden. Am südlichen Ausläufer des Olperers öffnen sich im Bereich des Riepenkars in 2.700 m Höhe mehrere große Quarzklüfte die nicht nur Ziel der gegenwärtigen Mineraliensammler sind, sondern auch schon in der Zeit vom 8. bis zum 6. Jahrtausend v. Chr. von besonderem Interesse waren. Der dort vorkommende Bergkristall ist von außergewöhnlicher Güte und Reinheit, wie der mineralogische Befund bestätigt. Für die prähistorischen Jäger im hochalpinen Gelände bildete dieses Material neben den gängigen Silexvarietäten ein zusätzliches Rohmaterial für ihre Steingeräteproduktion. Es ist zwar schwieriger zu bearbeiten, aber diese Mühe wurde offensichtlich wettgemacht durch die optischen Eigenschaften dieses Gesteins.  Form, Transparenz und der Glitzereffekt machen diese Kristalle zu begehrten Materialien die letztlich auch im frühen Tauschhandel über die Alpen eine nicht unwesentliche Rolle spielten. Dabei kommt dem Riepenkar hinsichtlich seiner geographischen Position zwischen dem Zillertal und dem Pfitscher- bzw. Eisacktal möglicherweise eine Schlüsselrolle zu.  Aus diesen Tälern kennt man mehrere mittelsteinzeitliche Fundstellen die Bergkristallartefakte führen und somit eine nord-süd verlaufende Transitstrecke vorgeben.

Unter den Funden der diesjährigen Prospektion am Riepenkar sind diverse Abschläge, Klingenfragmente und Trümmerstücke mit Retuschespuren und Schlagnegativen zu registrieren. Sie sind in erster Linie das Produkt von Schlagversuchen an Bergkristall vor Ort. Ein stationärer Lagerplatz in dieser Höhenlage ist nicht zu erwarten. Vielmehr suchte man diese Stelle gezielt auf um sich mit dem begehrten Rohmaterial zu versehen. Die eigentliche Verarbeitung zu Geräten erfolgte sodann an den jeweiligen Basislagern.

Unter den Funden ist ein Trümmerstück aus schwarzem Hornstein zu erwähnen. Dieses Material ist nicht unmittelbar anstehend und wurde demnach von den Jägern dorthin gebracht. Aus dem leicht gewölbtem Verlauf der Steinoberfläche und den Anzeichen von Pickspuren kann man auf einen ovaloiden Klopfstein schließen, der möglicherweise zum Herausschlagen der Kristalle gedient hat.

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