Projektteil 05: Bericht zur Grabungskampagne Grubalacke 2008

 

Leitung:

A.o. Univ.-Prof. Dr. Walter Leitner

Mitarbeiter:

Thomas Bachnetzer Bakk. phil. 
Mag. phil. Beatrix Nutz
Julia Hammerschmied Bakk. phil.

Universität Innsbruck
Institut für Archäologien
Zentrum für Alte Kulturen
Langer Weg 11
A-6020 Innsbruck

Grabung 2008 

   

Die Grabungsarbeiten fanden vom 3. bis 18. Juli unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Walter Leitner statt, nachdem von Seiten des Grundbesitzers und des Bundesdenkmalamtes die notwendigen Genehmigungen erteilt wurden.

Die Arbeitsgruppe setzte sich einschließlich des Leiters aus einem 13köpfigen Team, bestehend aus Fachstudenten und -absolventen der archäologischen Wissenschaften zusammen.

Ziel der Forschungen war und ist es im Rahmen eines Projektes zur Geschichte des Bergbaues in Tirol das Rofangebirge als Ressourcenregion für Feuerstein zu erkunden. Schon seit mehreren Jahrzehnten wissen wir von Oberflächenfunden diverser Steingeräte, dass dieses Gebiet von steinzeitlichen Jägern, Sammlern und wohl auch Hirten vornehmlich zwischen  dem Ziereinsee und der Grubalacke in der Zeit vom 7. bis zum 6. Jahrtausend v. Chr. begangen wurde. Die hinterlassenen Spuren weisen auf Aufenthaltslager hin, die während der sommerlichen Jagdsaison immer wieder aufgesucht wurden und in denen man Steinwerkzeuge herstellte. Das dafür notwendige Rohmaterial stammt zum größten Teil aus der unmittelbaren Umgebung. Es handelt sich dabei um mehrere Feuersteinvarietäten  (Radiolarite, Hornsteinarten) von teilweise beachtlicher Qualität. Das war sicherlich mithin ein Grund warum man die Region Rofan bereits in der Steinzeit aufgesucht hat. Es galt dieses wertvolle Steinmaterial, das sich durch seine Härte und Elastizität bestens zu scharfkantigen Geräten verarbeiten ließ, zu sammeln bzw. abzubauen. In diesem Zusammenhang wissen wir auch, dass das Rofangebirge diesbezüglich noch einmal – viele Jahrtausende später – und zwar im 16. Jahrhundert wirtschaftlich interessant wurde, als man aus dieser Gesteinsart Flintensteine für Steinschloss-Feuerwaffen herstellte und diese über weite Strecken vertrieb (so zu lesen im Tiroler Landreim von Georg Rösch von Geroldshausen im Jahre 1557/58).

Für die Sommerkampagne 2008 wurden zwei Areale im Bereich der Fluren Grubastieg (Grundstücksnummer 188) und Grubalacke (Grundstücksnummer 186) für die entsprechenden archäologischen Untersuchungen herangezogen.

Grund für die Sondierungen an einer flachen Senke auf einer freien Almfläche nahe des Grubastiegs, waren kohlige Holzelemente, die nach entsprechenden C-14 Laboruntersuchungen in Wien ein Alter von ca. 2.700 v. Chr. ergaben. Leider konnten in diesem Verbund jedoch keine weiteren Indizien für eine steinzeitliche Fundstelle erbracht werden.

So konzentrierten sich die Arbeiten in erster Linie auf das Westufer der Grubalacke, wo bereits vielfach Steinzeitartefakte aufgelesen und massenhaft rotes Radiolaritmaterial ansteht. Nicht alle vorgesehenen Untersuchungsflächen konnten in das Arbeitsvorhaben eingebunden werden, da sich teilweise noch eine dicke Schneedecke darüber erstreckte. Unmittelbar am westlichen Uferrand der Lacke wurden drei rechteckige Flächen von je 8 qm abgetieft. Dabei konnten jeweils die anstehenden verwitterten Schichten der Radiolaritlagen, die auf der stark klüftigen Kalkformation auflagen, lokalisiert werden. Diese waren jedoch als Rohstoff weniger bis kaum zu gebrauchen. Beste Qualität hingegen zeigte das im unmittelbaren Verbund eingelagerte Material in Form von sog. Knauern (Knollen) die im Prinzip gebrauchsfertig aufgelesen, oder mit geringfügigem Aufwand aus den Verwitterungsschichten herausgeschlagen werden konnten. So gesehen war ein regelrechter Abbau im bergmännischen Sinne zumindest nicht überall notwendig. Das gilt auch für die dort anzutreffenden Hornsteinarten, deren ausgewitterte Knollen oft ganze Halden bilden. Die vorgefundenen Knollen wurden aufgelesen, aufgeschlagen und der beste Kern sodann für die Produktion von Steinklingen verwendet. Dabei entstanden große Mengen an Splitterabfall. Die nicht mehr zu gebrauchenden Kerne wurden als sog. Restkerne verworfen.

In den Grabungsflächen an der Grubalacke konnte in den ziegelroten Verwitterungsschichten auch eine graue Verfärbung festgestellt werden, die besonders reich mit Radiolaritsplittern und -abschlägen durchsetzt war. Diese Schicht  scheint gegen das hier leicht abfallende Seeufer abgerutscht zu sein und lässt den Nahbereich eines Lagers bzw. einer Steinschlägerwerkstatt weiter oberhalb vermuten.

Sämtliches Aushubmaterial der ausgegrabenen Flächen wurde im See geschlämmt, sodann auf Planen ausgebreitet und auf Artefakte durchsucht. Das verbliebene Material wurde zu einem Kegel aufgeschichtet und ergab fast einen Kubikmeter reinen Radiolaritbruch bezogen auf die 24 qm große und durchschnittlich 20 cm tiefe Ausgrabungsfläche.

In unmittelbarer Nähe der Grabungsflächen finden sich mehrere intentionell angelegte halbkreisförmige bis kreisförmige Steinsetzungen, deren Funktion nicht geklärt erscheint. Die archäologischen Untersuchungen ergaben ebenfalls keine weiteren Aufschlüsse.

Die gesamte Grabungsfläche wurde mittels Theodolit vermessen, digital-fotographisch aufgenommen und mittels den Programmen Auto-CAD und Photoplan am Computer entzerrt. Über das Institut für Geodäsie wird die Position der Ausgrabungsfläche in die Landeskoordinaten eingebunden.

Die ersten Ergebnisse der Arbeiten bestätigen zunächst die quantitativ und qualitativ bedeutsamen Silexressourcen im gesamten Rofangebirge und deren früheste Nutzung durch mittelsteinzeitliche Jäger und Sammler. Das Areal um die Grubalacke erweist sich dabei als besonders fundreich und entspricht möglicherweise einer zentralen Stelle für die prähistorische Gewinnung von Radiolarit im unteren Inntal.

Wir danken der Gemeinde Eben am Achensee, der Rofanseilbahn AG sowie der Schlossverwaltung Tratzberg für ihre Unterstützung.

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