Projektteil 05: Prospektion von Silexrohmaterialien in Südtirol 2009

 

Leitung:

A.o. Univ.-Prof. Dr. Walter Leitner

Mitarbeiter:

Thomas Bachnetzer Bakk. phil. 
Mag. phil. Beatrix Nutz
Julia Hammerschmied Bakk. phil.

Universität Innsbruck
Institut für Archäologien
Zentrum für Alte Kulturen
Langer Weg 11
A-6020 Innsbruck

Prospektion Südtirol 2009 

   


Im Rahmen der Forschungsaktivitäten des Projekteiles 05 des SFB HiMAT wurde  im Jahr 2009 die Prospektionstätigkeit auf Rohmateriallagerstätten für Silex auf den Raum Südtirol ausgeweitet.

Die Prospektionen wurden in zwei Etappen durchgeführt, die erste im Frühjahr und die zweite im Sommer 2009. Ein Vergleich mit Sammlungsbeständen sowohl des Bozener Archäologiemuseums[1] als auch von Privatsammlern[2] lässt einen deutlichen Schwerpunkt der mesolithischen Rohmaterialversorgung aus dem angrenzenden Trentiner Raum erkennen. Hier spielen vor allem die Lagerstätten des Nonstales sowie der Lessinischen Berge (Scaglia Rossa, Scaglia Variegata Alpina, Biancone Formation) eine wichtige Rolle. Daneben stellt Bergkristall einen der bedeutendsten Rohstoffe im Raum Südtirol dar.

Lediglich ein Bruchteil der begutachteten Artefakte konnte lokalen, d.h. Südtiroler Lagerstätten zugewiesen werden. Dabei kristallisierten sich vor allem zwei geologische Formationen als Rohmaterialquellen heraus: Zum einen die Buchenstein Formation, die vor allem im Schlerngebiet und massiv um die Seiser Alm sowie im Einzugsgebiet des Grödnertals ansteht. Dabei handelt es sich um jurassische Kalke, die sowohl Hornsteinknollen wie -platten führen. Zum anderen die Puez Formation im Bereich des Puez – Odle - Gardenaccia Plateaus und der Region Fanes – Geisleralm, Überreste von Kalkmergeln, die am Übergang vom Jura zur Kreide stehen und zum Teil hervorragendes Material liefern.

Kleinere lokale Vorkommen wie beispielsweise am Auener Joch anstehende Jaspisse spielen lediglich kleinräumig eine Rolle.

Eine zusätzliche Überprüfung zweier Bergkristallvorkommen im Bereich der Zillertaler Alpen (auf der Weitenbergalm und entlang des sogenannten Gliderganges) zieht auch diesen Rohstoff mit in Betracht, wobei eine Differenzierung einzelner Bergkristalllagerstätten bislang nicht möglich ist.

Generell kann im Raum Südtirol beim derzeitigen Forschungsstand nicht von regelhaften Abbautätigkeiten an lokalen Rohmateriallagerstätten ausgegangen werden. Dagegen spricht einerseits die zu geringe Menge an lokalem Material in den Fundbeständen und die vergleichsweise einfache Verfügbarkeit der Rohstoffe. So kann innerhalb der Buchenstein Formation der Plattenhornstein, der sich als bedeutendster lokaler prähistorischer Rohstoff in diesem Einzugsbereich herausgestellt hat, ohne großen Aufwand und Arbeitsgerät oberflächennah händisch gewonnen werden. Die Hornsteine der Puez Formation müssen lediglich aus den natürlichen Schutthalden geklaubt werden.

Der typische ziegelrote alpine Radiolarit konnte in dieser Form in keinem der natürlichen Vorkommen festgestellt werden, sehr wohl jedoch im archäologischen Fundmaterial. In diesem Fall könnte es ich sich um einen nördlichen Kontakt mit Einzugsbereich Rofan – Grubalacke handeln. Dazu stehen aber nähere Untersuchungen noch aus.

Diese Arbeit wurde dankenswerterweise durch eine Forschungsbeihilfe des Landes Südtirol finanziert.

(Bericht von M. Brandl)



[1] Herzlichen Dank an G. Kaufmann, Archäologiemuseum Bozen.

[2] Herzlichen Dank an K. und N. Kompatscher, A. Videsott, G. Niederwanger und als wissenschaftlicher Bearbeiterin J. Cappelletto.


zurück zur Seite von PP05
zurück zur HiMAT-Homepage 

../../images/smallminer.gif