DOC2: Eine Region betritt die Moderne - sozio-ökonomische Entwicklungen im 16. und 17. Jahrhundert im Bergbaugebiet Kitzbühel

Doktorandin

Mag.a Anita Feichter-Haid

 

Betreuer

Univ.-Prof. Dr. Klaus Brandstätter

 

Kontakt
Universität Innsbruck
Institut für Geschichtswissenschaften
und Europäische Ethnologie
Innrain 52, A-6020 Innsbruck
Tel 0043 (0)512 507 96122

Anita Haid

 
   

Historischer Abriss

An der Wende vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit befanden sich in Nordtirol zwei große Zentren des Bergbaus. Neben dem mit Abstand bedeutendsten mittelalterlichen Montangebiet um Schwaz entwickelte sich eine zweite wichtige Bergbauregion um die Stadt Kitzbühel. Hier kann eine bergbauliche Tätigkeit bereits für den Beginn des 15. Jahrhunderts nachgewiesen werden. Der damalige Landesfürst, Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt, ließ seine Besitzungen in einem heute noch erhaltenen Salbuch vom Jahre 1416 aufzeichnen und beschreiben.

Mit der Übernahme der Herrschaften Kitzbühel, Kufstein und Rattenberg durch den Habsburger Maximilian I. 1504/1506 wurde das bis dahin eher bescheidene Bergbauwesen reorganisiert. Zu dieser Zeit begann eine Entwicklung, die Kitzbühel für ca. 150 Jahre zu einem bedeutenden Tiroler Bergbaugebiet machen sollte.

Der Ausbau des Montanwesens veränderte die Landschaft. Für den Bau zahlreicher Schächte und zum Schmelzen des Metalls benötigte man riesige Mengen an Holz. Massive Rodungen und ständiger Streit um Waldnutzungsrechte waren die Folge. Um Kupfer und Silber transportieren und die Bergleute versorgen zu können, setzte gleichzeitig ein Ausbau der Verkehrswege ein.

Der Bergbau veränderte aber nicht nur die Landschaft, sondern hatte auch beträchtliche Auswirkungen auf die sozialen Strukturen. Einerseits kam es zu einem massiven Zuzug von Bergleuten mit (und ohne) technischem Wissen, andererseits fanden bereits ansässige Kleinbauern als Bergarbeiter ohne Fachwissen einen Nebenerwerb oder verdienten bald so ihren gesamten Lebensunterhalt.

Fragestellung

Innerhalb des gemeinsamen Projektes wird sich dieser Projektteil v.a. mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Welche Strukturen bildeten sich innerhalb der Bergverwandten aus? Wie organisierten sich die verschiedenen Bergarbeiter? Wie verschafften sich die verschiedenen Gemeinschaften der Bergverwandten Gehör? Wie sah der Alltag der Knappen und Lohnarbeiter im Montanwesen aus? Wie funktionierte die Versorgung des Bergwesens?

Quellenlage und Methodik

Zum Bergbau in Kitzbühel gibt es zwar nur wenig einschlägige Literatur[1], jedoch eine fast einzigartige Quellenlage. Der Gesamtbestand des Tiroler Landesarchivs an Akten, Büchern, Kodizes oder Handschriften zum Bergbau in Kitzbühel erstreckt sich dabei über mehr als 115 Laufmeter. Neben den Büchern der Bergverwaltung Kitzbühel, befinden sich hier Kanzleibücher sowie die Bergwerksordnungen der Reviere. Im Archivbestand sind außerdem die Akten der Werks- und Bruderlade, Rechnungen der Bergverwaltung Kitzbühel aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie Verzeichnisse von Urkunden, Akten, Karten zu finden. Von Bedeutung sind zudem weitere Bestände des Landesarchivs, wie etwa die Kopialbücher der Regierung und der Kammer, die eine Fülle an Informationen zur Organisation des Montanwesens bereitstellen.

Zur Beantwortung der obig gestellten Fragen wird eine methodische Aufarbeitung des relevanten Archivbestands u.a. mithilfe des von Anja Masur (DOC4) adaptierten und weiterentwickelten Datensystems vonnöten sein.



[1] Hervorzuheben ist hier besonders die Dissertation von Manfred Rupert „Zur Geschichte des Berg- und Hüttenwesens in der Herrschaft Kitzbühel bis ins 17. Jahrhundert“ aus dem Jahr 1985.

 

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