Topographie und Forschungsgeschichte 

 

Der Colle Serpente erhebt sich markant über dem Ort Ascoli Satriano und ist seit langem als daunischer Siedlungsplatz sowie als Nekropole bekannt. Topographisch betrachtet dürfte er für das daunische Ascoli neben dem Kastellhügel wohl das bedeutendste Siedlungszentrum gewesen sein. Von diesen beiden Erhebungen konnte das Umland ausreichend kontrolliert werden. Wenn man sich den heutigen Baumbestand an der Südflanke des Serpente wegdenkt, so fiele der Blick frei nach Süden über die Ebene des Carapelle und nach Osten ins Hügelland, während vom Kastellhügel die Kontrolle der Carapelle-Ebene gegen Westen und Norden möglich war. Das Gelände des Serpente ist seit jeher Gemeindegrund und war in nachantiker Zeit nicht bebaut, sondern diente als Weide oder mitunter als Gemeindeacker.

 

 

Abb. 1 Ansicht von Ascoli Satriano (links Kastellhügel und rechts Colle Serpente)

 

 

Die ersten Ausgrabungen der Soprintendenza fanden in den Jahren 1965/66 unter F. Tinè Bertocchi statt. Sie brachten neben einem Stück Kieselpflasterung und Mauerresten 14 daunische  und hellenistisch/römische Gräber zu Tage, die zwischen dem 7. und 1.Jh.v.Chr. zu datieren sind. In der gleichen Zeit wurden auch die ausgedehnte Nekropole im Gelände des Cimitero Vecchio mit 59 Gräbern und vier Fossa-Gräber in San Rocco ergraben.

 

Durch die Anlage eines Sportstadions, bei der beträchtliche Erdbewegungen stattfanden und vor allem der nördliche Ausläufer des Hügels abgetragen wurde, sollen nach Aussagen von Einheimischen unzählige Gräber oder Reste von solchen zu Tage gekommen sein. Zumindest im Randbereich zwischen dem Stadion und dem ansteigenden Hang fanden sich drei große daunische Grabanlagen

 

Außerdem entdeckte man im Osten des Nordhangs Mauerreste eines großen rechteckigen Gebäudes, dessen Inneres mit Dachziegeln und Keramik bei Aufgabe der Anlage vorsätzlich bedeckt worden war. Davor erstreckte sich ein großer Platz mit einer geometrisch gelegten Pflasterung aus Flusskieseln, die sich auch an einer Seite des Gebäudes entlangzog. Antefixe des 5. Jhs.v.Chr. lassen auf eine erste Bauphase in dieser Zeit schließen, eine zweite Phase der Erneuerung  und das Kieselmosaik datieren ins 4. Jh.v.Chr. Im Zuge der Restaurierung der Pflasterung wurde unter dieser eine Reihe von Gräbern aus dem 6. und 5. Jh.v.Chr. aufgedeckt, was zur Deutung des Gebäudes als Kultbau im Zusammenhang mit Totenriten beigetragen hat. 

 

Im Auftrag der Soprintendenza  wurde 1992 im Bereich der Grabungen von 1965/66 erneut sondiert und diese gegen Norden erweitert, wobei ein zusammenhängender Bereich von Wohnhäusern mit Fundamentmauern aus Steinen und Ziegeln und einige Gräber entdeckt wurden. Durch  neueste Grabungen der Universität Potenza im Jahre 1999 konnten in unmittelbarem Umfeld  des Kultbaues weitere Teile des Mosaikpflasters, davon unabhängige Mosaikabschnitte und Gräber freigelegt werden.

 

Im Jahr 1995 wurde der Nordhang des Colle Serpente oberhalb des modernen Sportplatzes als „Parco Archeologico Pasquale Rosario“ zum Gedenken an den großen heimischen Antiquar eröffnet.

 

Zusammenfassend zum Colle Serpente führten die bisherigen Grabungen zum Ergebnis, dass der Hügel im 6. Jh.v.Chr. als Nekropole, die zu einer noch nicht identifizierten Siedlung gehörte, genutzt wurde. Im 5. Jh.v.Chr. entstand das sogenannte kultische Gebäude. Im 4. Jh.v.Chr., in dem auch dieser Kultbau erneuert und sein Vorplatz gepflastert wurde, scheint der gesamte Nordhang  Wohngruppen mit anliegenden Gräberzonen gedient zu haben. Der größte Teil der Behausungen dürfte dann im 3. Jh.v.Chr. endgültig verlassen worden sein, während aber der Serpente weiterhin, zumindest teilweise, als Nekropole verwendet wurde.

 

Weitgehend unerforscht blieb bis zum Beginn der österreichischen Grabungen allerdings der zentrale Hügelbereich, wo nur einige Sondierungen stattfanden. In den Jahren 1997-2002 wurden daher vom Institut für Klassische und Provinzialrömische Archäologie insgesamt sieben Grabungskampagnen auf dem Colle Serpente durchgeführt. Die österreichischen Grabungen auf dem Colle Serpente bewegten sich bisher in zwei Zonen des Hügels: auf dem sanft abfallenden Abhang und auf der Hügelkuppe. Neben Resten von Siedlungsbefunden und Opferplätzen konnten auch vier Gräber freigelegt werden, die nach daunischer Sitte in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung lagen und zudem teilweise durch geometrische Kieselpflasterungen gekennzeichnet waren

 

Grabungskampagnen Colle Serpente 

  • 16.9. bis 3.10. 1997  

  • 14.9. bis 2.10. 1998  

  • 3.5. bis 14.5. 1999  

  • 27.9. bis 15.10. 1999  

  • 28.8. bis 15.9. 2000  

  • 10.9. bis 29.9. 2001  

  • 14.9. bis 11.10. 2002 

 

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Für den Inhalt verantwortlich: Florian MÜLLER, Astrid LARCHER - Institut für Archäologien - Innsbruck 2006