Themenbereich "Demographic Change in the Alps" (DCA)

Michael Beismann, Judith Walder, Savina Konzett, Bernhard Grüner, Julia Ryan und Ernst Steinicke

Das Forschungsfeld der Counterurbanisierung und Amenity Migration beschäftigt sich in erster Linie mit Wanderungsbewegungen vom urbanen in den peripheren ruralen Raum, wobei unsere Studien auf das Gebirge gerichtet sind. Hauptfragen unserer Forschungstätigkeit zum Thema neue Gebirgsbewohner (bzw. "New Highlanders"): Wo und in welchem Ausmaß ist ein solcher Trend erkennbar? Welches sind die Hauptgründe für die Wiederbesiedlung abgelegener, ehemals von Abwanderung geprägter Bergdörfer und welche Auswirkungen/Folgen ergeben sich? Welche Impulse, Innovationen kommen von den neuen Gebirgsbewohnern? In Bezug auf ethnische (ethnolinguistische) Minderheiten geht es vor allem um die Erforschung der raumbedeutsamen Kräfte (Assimilation, Biodemographie, Wanderung und Innovation), die Verschwinden und Erhalt solcher Gruppen bzw. kultureller Besonderheiten steuern. Eng mit dieser Thematik hängt die Erforschung der "New Farmer" zusammen, welche die Kulturlandschaft revitalisieren und damit das Naturrisiko für die neuen Gebirgsbewohner vermindern.

Forschungs- und Untersuchungsräume hinsichtlich dieser Phänomene und Fragestellungen sind insbesondere der Europäische Alpenraum, ferner auch der Westkaukasus, der Hohe Atlas sowie die kalifornische Sierra Nevada.

Haben sich unsere Forschungen in den Alpen bislang auf Frankreich, Italien und Slowenien konzentriert, so sollen in zunehmendem Maße auch die Periphergebiete im österreichischen Alpenraum berücksichtigt werden."

Nach vier abgeschlossenen FWF-Projekten mit zahlreichen Publikationen und einem daraus abgeleiteten Filmprojekt (“The New Wild“) wird aktuell von DCA ein Interreg V-A Projekt (EUMINT) bearbeitet, das die Chancen in Bezug auf Unterbringung, Beschäftigung und Integration von Asylsuchenden im (alpinen) ländlichen Raum untersucht und Handlungsempfehlungen erarbeitet – mit Fokus auf die Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Aufgabe dieses EUMINT-Projekt (Europaregionen, Migration und Integration) ist die Analyse der grenzüberschreitenden Integrationszusammen-arbeit sowie jene der zivilen und beruflichen Integration.

In enger Kooperation mit DCA betreibt Michael Beismann seit 2015 selbständig unter anderem den Transfer von Erkenntnissen aus unserer Grundlagenforschung und bringt somit unsere Themen in die Gesellschaft und die betreffenden Erkenntnisse zur Anwendung.

Themenbereich Mobilitäten, Digitalisierung und die Politiken des Raums

Tabea Bork-Hüffer

Im Fokus dieses Themenbereiches steht eine Untersuchung der Veränderungen und Verflechtungen digitaler, physischer und imaginärer Mobilitäten sowie der „policy mobilities“ und ihre Auswirkungen auf die Politiken des Raums. Kernfragen dieses Querschnittsbereiches sind: Wie wirken unterschiedliche Mobilitäten bei der Produktion von Raum und Ort und den Politiken des Raums zusammen? Wie wirken digitale und physische Mobilitäten bei der Wahrnehmung, dem Erleben von und der Identifikation mit Raum und Ort zusammen? Welchen Einfluss nimmt die zunehmende Digitalisierung auf soziale Beziehungen, sozialen Zusammenhalt und transkulturelles Verständnis sowie die (De-)Konstruktion kultureller Stereotype und Vorurteile?

Im Rahmen von Förderungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und des Asia Research Institutes der National University of Singapore sind bisher vier Forschungsprojekte abgeschlossen worden, die sich mit oben genannten Schwerpunkten beschäftigt haben. Untersuchungs- und Forschungsregionen waren dabei insbesondere urbane Räume in Südost- (v.a. Singapur) und Ostasien (v.a. China). Ausweitungen auf spezifische Fragestellungen im alpinen Raum sind derzeit in Planung.

Darüber hinaus wird derzeit an einer Weiterentwicklung neuer mehr-als-repräsentationaler und digitaler Method(ologi)en gearbeitet. Nicht- bzw. mehr-als-repräsentationale Zugänge nehmen eine zunehmend bedeutende Rolle bei der Erforschung von Affekten und Emotionen in physischen Räumen ein. Weit weniger erprobt ist bisher das Potential dieser innovativen Ansätze für eine Untersuchung von Affekten und Emotionen in digitalen Räumen. Die gesellschaftspolitische Relevanz emotionaler und affektiver Erfahrungen im Internet ist in den letzten Jahren stark und teilweise kontrovers debattiert worden – beispielsweise im Zusammenhang mit Hass im Internet, Computerspielen, digitalen (transkulturellen) Begegnungen, Online Dating und Online-Learning-Spaces. Neue methodologische und methodische Zugänge sollen hier zu einem besseren Verständnis der Beziehungen von Digitalisierung, menschlichen Wahrnehmungen und Empfindungen und digitalem und physisch-digitalem Miteinander beitragen.

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