Hans Strotzka
1917 - 1994

Über Hans Strotzka, den Sozialpsychiater, wird anderswo zu schreiben sein. Über Hans Strotzka, den Engagierten, müssen hier Worte der Anerkennung, ja der Bewunderung formuliert werden.

Der am 16. Juni durch einen Unfall verstorbene Strotzka verband seine wissenschaftliche Kompetenz mit einer menschlichen Wärme, die er zumeist hinter ironischer Distanz zu verstecken versuchte. Und er konnte seine Biographie in faszinierend selbstkritischer Weise mit konkreten politischen Schlußfolgerungen versehen. Dennoch war er aber ganz gewiß nicht der Mann, der der Politik zu Belieben gewesen wäre - sein Engagement war niemals von irgendjemandem, und wäre er (sie) ihm noch so politisch nahegestanden, einfach abrufbar. Ohne auch nur im geringsten der Versuchung zu erliegen, sich in einem akademischen Elfenbeinturm zu verschließen, war Strotzka doch ein Muster an persönlicher Unabhängigkeit. In seiner Jugend hatte der 1917 geborene Strotzka ein von ihm immer offen zur Diskussion gestelltes Naheverhältnis zum Nationalsozialismus. Daß er dieses biographische Element nie verbergen oder auch nur verharmlosen wollte, machte ihn zu einem wichtigen Zeitzeugen, der mithelfen konnte, daß andere - vor allem in der nächsten Generation - zu verstehen lernten. Und von dort aus war Strotzkas Einsatz gegen aggressive Vorurteile und bösartige Unvernunft, für Aufklärung und interkulturelle Verständigung erklärbar und auch besonders überzeugend.

Als 1982 die Gesellschaft für politische Aufklärung gegründet wurde, war Strotzka von Anfang an dabei - nicht bei Sitzungen und allgemeinen Besprechungen, aber immer dann, wenn sein fachlicher (und engagierter) Rat gefragt war. Gerade bei der Erforschung von Vorurteilen und bei Konzeption eines Umganges mit denselben hat er uns allen wesentlich geholfen.
Er war ein Aufklärer.

Anton Pelinka