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Forschungsgruppe "Language and Gender"

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Profil

Die Forschungsgruppe „Language and Gender“ legt den Fokus explizit Sprache. Im Mittelpunkt unseres Interesses stehen das interdependente Verhältnis von Sprache und Geschlecht(lichkeit) sowie die Frage, wie Geschlecht(lichkeit) durch heteronormativitätskritische Ansätze in verschiedenen Soziokulturen sprachlich neu verhandelt werden kann oder gar muss.

Die Forschungsgruppe widmet sich feministischen, gender- und queer-linguistischen Fragestellungen. Dabei fassen wir Sprache in Anlehnung an feministische Theorien als geschlechterdiskriminierendes Medium auf. Kritisch hinterfragt werden patriarchale und frauendiskriminierende Strukturen sowie sprachlich verankerte und hervorgebrachte Machtverhältnisse. Allerdings verstehen wir Geschlecht ausdrücklich als ein fließendes Kontinuum, sodass unser Blick offen für unterschiedlichste Ansätze der linguistischen Geschlechterforschung ist. Hierzu zählen theoretische Auseinandersetzungen mit der Funktion von Sprache im Diskurs ebenso wie empirische, diskurs- und konversationsanalytische und korpuslinguistische Ansätze, die die Wirkungsweisen von Sprache im Diskurs aufzeigen.

Eine große Rolle spielt für die Forschungsgruppe dabei die Identität bzw. die sprachliche Identitätsbildung. Aus einer linguistisch-konstruktivistischen Perspektive wird Identität nicht als essentialistisch und expressiv, sondern als performativ, das heißt, als erst in der konkreten Performanz hervorgebracht, verstanden. So gilt es zu untersuchen, auf welche Weise sich sprachliche Identitätsbildung in situ vollzieht und wie sich Personen als männlich, weiblich, transgender, hetero-, homo-, bisexuell etc. konstruieren. Zum Beispiel werden Annahmen früherer linguistischer Forschung zu einer angeblich ‚eigenen‘ Sprache von Frauen und Männern (‚Genderlekt‘), oder auch Schwulen und Lesben kritisch zu hinterfragen und den ideologischen Charakter solcher Forschung zu entlarven. Ferner wird die Rolle der Sprache bei der Erzeugung und Zementierung heterosexueller, binarisierender Normen kritisch beleuchtet.

Die Forschungsgruppe „Language and Gender“ verfolgt das Ziel, das Sprachsystem und den Sprachgebrauch in unterschiedlichen Soziokulturen aus feministischer und/oder queer-linguistischen Perspektiven zu betrachten sowie die starke Aufteilung sprachwissenschaftlicher Fragestellungen in Sprachsystem und Sprachgebrauch kritisch zu hinterfragen. Primär gilt es zu analysieren, wie durch Sprache in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen Geschlecht(lichkeit) konstruiert und (Geschlechts)Identität hergestellt wird bzw. werden kann.

Die Forschungsgruppe ist grundsätzlich inter- und transdisziplinär ausgerichtet und greift damit also auch unmittelbar Ideen und Untersuchungsziele anderer in der Forschungsplattform angesiedelter Forschungsgruppen und Forschungsbereiche auf: So wird im Forschungsbereich Körper - Gesundheit - Normierung Körpergeschichte als diskursiver, reziproker und historischer Prozess aufgefasst. Die Feministische und Queer-Linguistik beschäftigt sich einerseits mit den Erscheinungsformen von Körpern in Sprache (z.B. Körpermetaphern) und untersucht andererseits in empirischer Weise Diskurse (z.B. Medizin- und Biologiekurse, Mediendiskurse, historische Diskurse etc.), um sich letztendlich der Frage zu nähern, wie in den entsprechenden Diskursen Körper sprachlich konstruiert werden.

Da Geschlecht(lichkeit) und Identität soziokulturelle Konstrukte darstellen und beide Phänomene im alltäglichen Leben zu einem wesentlichen Teil sprachlich erzeugt werden, knüpft die Forschungsgruppe unmittelbar an den Forschungsbereich Subjektivität - Macht - Narrativität an. Denn auch hier wird Geschlecht in einem soziokulturellen Kontext verortet. Zudem lässt die sprachliche Konstruktion von Geschlecht und Identität fragen, inwieweit diese durch Machtstrukturen und das Mainstream-Marginalitäts-Prinzip geleitet und beeinflusst wird.

In dem Forschungsbereich Sozioökonomische und politische Transformationen bringt sich die Feministische und Queerlinguistik insbesondere im Bereich der Sprachveränderungsstrategien ein. Die sogenannte Binnen-I-Problematik bzw. das damit verbundene geschlechtergerechte Formulieren stellt hier einen Verknüpfungspunkt zwischen Sprache und politischer Realität dar. Dabei werden unter anderem die Auswirkungen des Einsatzes- oder Nicht-Einsatzes solcher sprachlicher Strategien aufgezeigt.