DIE INTERFAKULTÄRE FORSCHUNGSPLATTFORM GESCHLECHTERFORSCHUNG TRAUERT UM IHR LANGJÄHRIGES MITGLIED

Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Elfriede Pöder (1959-2015)

 

Zur Parte, zum Kondolenzbuch und zu Gedenkkerzen: http://www.trauerhilfe.at/todesanzeigen/detail/uid/2020/verstorbener/98194/

Nachruf

Elfriede Pöder gehörte Mitte der 1980er Jahre zu den Gründungsmitgliedern der Arbeitsgemeinschaft "Feministische Philologie" am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck. Im Rahmen dieser AG wurden erstmals Lehrveranstaltungen zur feministischen Literaturwissenschaft abgehalten. Im Zweitstudium Amerikanistin, war Elfriede eine, die uns mit Impulsen aus einer anderen, bereits weiter entwickelten feministischen Tradition versorgte. Als Elfriede 1994 eine Stelle am Institut für Germanistik erhielt, war durch ihre Person die Institutionalisierung der feministischen Literaturwissenschaft am Institut für Germanistik noch mehr gesichert und eine weitere Etablierung des Forschungs- und Lehrbereichs begann.

Elfriede Pöder war mit dabei, als der Verein "Effi Biest: Verein zur Förderung von feministischer Literatur und Wissenschaft" gegründet wurde, der in den späten 1980er Jahren  österreichische Gegenwartsautorinnen zu Lesungen nach Innsbruck lud. Elfriede war ein aktives Mitglied, aber auch eine der ersten vom Verein eingeladenen Autorinnen. Die erste Lesung, die "Effi Biest" organisierte, war eine von Barbara Hundegger und Elfriede Pöder, sie fand im damals neuen "FrauenLesbenZentrum" in der Liebeneggstraße statt.

In ihrem wissenschaftlichen Werdegang blieb sie dem genderkritischen Forschungsansatz treu. Mit scharfem Blick, klarsichtiger Analyse und oft unbarmherziger Logik übte sie Patriarchatskritik; zugleich begab sie sich auf die Suche nach Spuren „ungezähmten Denkens“ in der Literatur von Frauen. Dies bezeugt u.a. auch ihre Habilitation, die sich verschiedenen Aspekten der literarischen Kanonkritik widmete. Immer den Aspekt der Metaebene und der theoretischen Relevanz zu sehen, das war Elfriedes Stärke, es machte viele ihrer Diskussionsbeiträge zu verblüffenden Einsichten für ihre Kolleginnen und Kollegen.

Elfriedes Krankheit prägte ihr Leben auf eine sehr traurige Weise und schränkte ihre wissenschaftliche Entfaltung an vielen Stellen ein.

Wir verlieren mit Elfriede Pöder eine Kollegin, die sich der Wissenschaft leidenschaftlich, mit klugem Humor und großem Wissen widmete. Herumzögern und anpassende Diplomatie waren ihre Sache nicht. Sie besaß einen scharfen Intellekt, eine nicht minder scharfe Zunge und ein für viele Blicke verborgenes liebendes Herz.

Elfriede, wir trauern, dass Du nicht mehr bei uns bist. Wir werden Dich nicht vergessen.

Anna und Ursula