Prozessionen, Bittgänge und Flurumgänge


Isidorprozession in Mieming

isidorAm ersten Sonntag im Juli findet in Untermieming eine Prozession zu Ehren des heiligen Isidor statt. Isidor, ein Bauer aus Madrid (1072-1130), der nach einem Leben der Arbeit, des Gebets und der Nächstenliebe in hohem Alter verstarb, wurde 1622 heilig gesprochen. Als Patron der Bauern wird er in vielen Orten Tirols verehrt. Untermieming ist Sitz einer eigenen Isidorbruderschaft. Im Mittelpunkt der jährlichen Prozession steht das große Ferkulum, das eine Szene aus der Legende zeigt - der Heilige betet am Feld, während zwei von kleinen Buben dargestellte Engel für ihn den Pflug mit zwei weißen Ochsen führen. In vielen Tiroler Kirchen werden der Hl. Isidor und die Hl. Notburga als Geschwisterheilige gemeinsam verehrt.


Notburga-Prozession in Eben am Achensee

notburgaAm ersten Sonntag nach dem Notburgafest (14.9.) findet in Eben am Achensee eine Prozession zu Ehren der beliebten Tiroler Heiligen statt. Frauen tragen dabei ein Ferkulum mit einer Statue der Heiligen. Die um 1265 in Rattenberg geborene Nothburga war zuerst Dienstmagd im Schloß der Grafen von Rottenburg. Sie nahm sich besonders der Armen an und gab ihnen, was von den herrschaftlichen Mahlzeiten übrigblieb und was sie sich selbst vom Mund absparte. Nach dem Tod ihrer Herrin wurde sie von deren geiziger Schwiegertochter entlassen und ging zu einem Bauern in Eben in den Dienst. Dort habe sie sich der Legende nach einmal der Anordnung des Bauern, nach dem Feierabendläuten am Samstag noch Korn zu schneiden, widersetzt. Ihre Sichel sei dabei frei in der Luft geschwebt. Notburga kehrte später wieder auf Schloß Rottenburg zurück und starb dort am 14.9.1313. Wegen des Sichelwunders gilt sie vor allem als Patronin der Dienstmägde, der Einhaltung der Arbeitsruhe und des Feierabends, weiters auch für glückliche Geburt, bei Viehkrankheiten und allen Nöten der Landwirtschaft. Ihre Verehrung reicht zumindest in das 16. Jahrhundert zurück, also lange vor die Legende durch den Haller Stiftsarzt Hippolytus Guarninoni barocke Ausschmückung erfuhr. Die Gebeine der Heiligen Notburga wurden 1738 aus einem kleineren Vorgängerbau in die neu erbaute Pfarrkirche von Eben übertragen, die bis heute ein beliebtes Ziel von Wallfahrern ist.

 


Literatur:
Wimmer, Otto u. Hartmann Melzer: Lexikon der Namen und Heiligen. Innsbruck, Wien, München 4. Aufl. 1982.
Bachmann, Hanns: Die historischen Grundlagen der Notburga-Legende. In: Tiroler Heimat 24 (1960), S. 5-49.
Schmidt, Leopold: Gestaltheiligkeit im bäuerlichen Arbeitsmythos. Wien 1952, S. 143-156.
Egg, Erich: Die Kirche St. Notburga in Eben. In: Tiroler Heimatblätter 67, Heft 3 (1992), S. 74-79.