Palmsonntag und Ostern

Die Osterzeit

Ursprünglich feierten die Christen jeden Sonntag als Gedenktag der Auferstehung Christi. Das jährliche Osterfest, dem dann eine Fastenzeit voranging bildete sich im 2. Jh., anfangs noch im Anschluss an die jüdische Passahberechnung. Seit den Beschlüssen des nizäischen Konzils (325) feiert die Christenheit den Beginn ihres höchsten und zugleich ältesten Festes einheitlich am Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. Daß der Name des Osterfestes von einer germanischen Göttin Ostera herzuleiten ist, ist nicht nachweisbar, vielmehr scheint die Bezeichnung Ostern mit Osten, der Himmelsgegend des Sonnenaufgangs, in Beziehung zu stehen. Bis zur Mitte des 16. Jh. galt Ostern vielerorts auch als Jahresanfangstermin an den sich neben christlichen Glaubensvorstellungen von Kreuzigung und Auferstehung zahlreiche Frühlingsbräuche lehnen, die die Begegnung zwischen Tod und Leben, Vergehen und neuem Wachstum, Fasten und Verschwendung, Untergang und Erlösung thematisieren.


Palmsonntag

Der Palmsonntag in Erinnerung an den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem leitet die Karwoche ein; chara wurde hier in der Bedeutung von Trauer verwendet. Der "dominica palmarum" wurde bereits im 6. Jh. gefeiert. In der Messe wird erstmals die Passion gelesen, wobei sich seit dem 10. Jh.drei Sänger die Rollen des Evangelisten, Jesu Christi und seiner Widersacher teilten. Diese szenische Gestaltung des Evangelientextes ging der Ausformung späterer Passionsspiele voraus.

Palmstange von Rum bei Innsbruck 1999 Photo: Berger Karl © 1999

Palmstange von Rum bei Innsbruck 1999
Photo: Berger Karl © 1999

Im Zusammenhang mit den Palmprozessionen, die den Einzug Christi in Jerusalem bildlich darstellen, setzte sich die Palmweihe als populärer Brauch durch. Dabei geht es im wesentlichen um die kirchliche Segnung der von den Gläubigen vorbereiteten "Palmen": Sträußen aus Weiden-, Wacholder-, Buchsbaum-, Erika- und Stechpalmenzweigen, die jeweils einzeln zusammengebunden aber auch an meterhohen Stangen kunstvoll arrangiert sein können. Mit Papierstreifen umwunden, mit Heiligenbildern, bemalten Eiern, Äpfeln und Fähnchen geschmückt, stehen derartige Palmstangen oft während der ganzen Karwoche im Kirchenraum.

Die Gestaltung dieser Palmstangen, auch als Palmbuschen oder Palmbesen (Osttirol) bezeichnet folgt meist traditionellen allegorischen Vorstellungen: Stechpalmenkugeln mit Rosen und die Leidenswerkzeuge versinnbildlichen die Passion des Herrn; spezielle Zeichen wie Äpfel (für das überwundene Böse) oder ausgesuchte Farbkombinationen (rot für das vergossene Blut, lila für den überwundenen Tod, Kirchenfarben) .

Die geweihten Palmzweige galten besonders in der agrarischen Welt und gelten teilweise noch heute, als Segensbringer: Man steckte sie in den Herrgottswinkel, in die Bienenhütte, auf den Dachboden, hinter die Stalltür, in den Garten vor dem Haus oder in den Acker. Sie schützten vor Blitz und Krankheit, getrocknet verfütterte man sie an das Vieh zum Schutz gegen Krankheit, und bei besonders schlimmen Übeln wurden die sog. Palmkätzchen auch von Menschen geschluckt.

 


Literatur:
Küster, Jürgen: Wörterbuch der Feste und Bräuche im Jahreslauf, Freiburg/Basel/Wien 1985
Grass, Nikolaus: Oster in Tirol, Innsbruck 1957
Weber, Kellermann, Ingeborg: Saure Wochen, Frohe Feste, München 1985