Osterei und Osterhase


Das beherrschende Sinnbild des Osterfestes ist das Osterei. Österliche Eierbräuche hängen einerseits wohl mit dem Ende der Fastenzeit, in der früher der Genuß von Eiern untersagt war, zusammen; andererseits waren Ostereier bzw. österliche Zinseier als Teile österlicher Abgaben- und Spendenpflichten zu verstehen: Urkunden und Rechtsbücher berichten seit dem 9. Jh. von Eierzinsen zu Ostern. Eine genau bemessene Anzahl von Zinseiern mußte an Herrschaften und Klöster abgegeben werden. Von der Herrschaft aus wurden als Gegengabe das Jahr hindurch gewisse Zoll- und Marktfreiheiten garantiert, und zwar für diese spezielle Art von Waren, also für Eier. Im kirchlichen Bereich wurde im weiteren Verlauf aus dem Zinsei das Schenkei. Die Klöster und Kirchen gaben die Vielzahl von Eiern weiter, die sie aus ihren grundherrlichen Rechten vereinnahmt, gewohnheitsrechtlich erheischt oder geschenkt erhalten hatten. Sie belohnten damit zum österlichen Termin Geistliche und Kirchendiener, Pfründer und Spitalspersonal, schließlich auch die armen Leute der Umgebung, indem sie die Eier teils geweiht in natura, teils gebacken als Osterfladen verteilten. Zumeist hat es sich dabei um das einfache weiße Ei gehandelt. Die Frage nach dem Alter des farbigen und verzierten österlichen Geschenkeies, das außerhalb wirtschaftlicher Abhängigkeitssysteme ausgetauscht wurde, führt bis zum 16. Jh. zurück und hängt mit dem Aufkommen des Eierschenkens als Patengeschenk zusammen.


Osterhase 

osterhase

Als besonders populäres Requisit der Osterbräuche gilt der Osterhase. Die Vorstellung vom Osterhasen stammt aus dem städtisch-bürgerlichen Bereich. Die frühesten Osterhasen-Belege gehen auf protestantische Autoren im 17. Jh. zurück. Sie verweisen auf eine Zeit, in der es in evangelischen Familien üblich war, die Ostereier zur Verschleierung ihrer Herkunft zu verstecken. Wie es nun im einzelnen dazu kam, gerade dem Osterhasen die Fähigkeit des Eierbringens und –versteckens zuzuschreiben, steht nicht fest.

 


Literatur:
Küster, Jürgen: Wörterbuch der Feste und Bräuche im Jahreslauf, Freiburg/Basel/Wien 1985
Grass, Nikolaus: Ostern in Tirol, Innsbruck 1957
Weber, Kellermann, Ingeborg: Saure Wochen, Frohe Feste, München 1985