Nikolaus (6. Dez.)


Obwohl der Nikolaus eine der populärsten Figuren abendländischer Kulturgeschichte ist, weiß man über das Leben des Heiligen nur sehr wenig. Was man über ihn weiß, beruht auf antiken Kompilationen historischer Daten, die einerseits auf Nikolaus, den Bischof von Myra (Kleinasien, 4.Jh.), zurückgehen, andererseits das Leben des gleichnamigen Abtes zu Sion, Nikolaus Archimandrid (Lykien, 6.Jh.), beschreiben. Im byzantinischen Reich erlebte der Nikolauskult zwischen dem 6. und 9. Jh. seinen Höhepunkt. Schon in dieser Zeit wurde der 6. Dezember als Todes- oder Begräbnistag des hl. Nikolaus gefeiert. Die Hagiographen schrieben ihm zahlreiche Wundertaten zu. Dazu gehörten u.a. auch Berichte, die in die Kindheit des Heiligen zurückreichten, wo bereits erste Zeichen seiner Auserwähltheit ersichtlich schienen. So sei Nikolaus schon am ersten Tag nach seiner Geburt aufrecht im Badebecken gestanden und habe sich obendrein geweigert, am Mittwoch und am Freitag jeder Woche, den traditionellen Fasttagen, mehr als einmal an der Mutterbrust zu saugen. Die Ausbreitung des Nikolauskultes im Westen erfolgte nach der Überführung der Reliquien von Myra nach Bari im Jahr 1087. Noch im selben Jahr wurde dort von Papst Urban II. die neuerbaute Nikolauskirche eingeweiht. Bis zum Ausgang des Mittelalters gab es mehr als 2000 Nikolauskirchen und – kapellen in Nord- und Mitteleuropa. Der Reliquienüberführung nach Bari folgte unmittelbar die Aufnahme des Todestages (6. Dez.) in den Meßkanon. Die Vielfalt antiker und mittelalterlicher Nikolauslegenden (Nikolaus als Retter aus Sturmesnot, als Ehestifter, als Helfer in der Hungersnot, als Helfer der Gefangenen, als Freund der Kinder,..) und die daraus resultierenden Patronate forcierten die Verbreitung des Kultes in weite Kreise der Bevölkerung.


Nikolausbrauch

Der Nikolausbrauch in seiner heutigen Form entwickelte sich aus verschiedenen Brauchformen. Im allgemeinen wird davon ausgegangen, dass das mittelalterliche „Kinderbischofsfest“ (12. Jh.) einen wesentlichen Anteil am gegenwärtigen Erscheinungsbild trägt. Damals wurde in den kirchlichen Schulen und Bildungsstätten am 28. Dez. (Tag der Unschuldigen Kinder) einer der Schüler zum „Bischof“ gewählt, der dann nach dem Motiv der „verkehrten Welt“, mit bischöflichen Gewändern und Insignien ausgestattet, den Erwachsenen die Leviten lesen konnte. Vermutlich mit der zunehmenden Verehrung des hl. Nikolaus wurde zwischen dem 13. und 14. Jh. der Termin schließlich auf den 6. Dez. verlegt und so der Kinderbischof durch den ehrwürdigen, gabenbringenden Bischof Nikolaus ersetzt. Der Nikolausbrauch findet sich heute generell in zwei Ausformungen, die meist auch nebeneinander bestehen. Es sind das einerseits die Nikolausumzüge verbunden mit Hausbesuch, Belehrung und Beschenkung in denen der Nikolaus personifiziert in Erscheinung tritt, andererseits das sog. „Einlegen“ bei dem der hl. Nikolaus „ungesehen“ Gaben in vor die Tür oder Fenster gestellte Schuhe, Strümpfe, Körbe u.ä. füllt. Zu den Charakteristika des Nikolausbrauches gehört der Auftritt von Schreckgestalten, die den pädagogischen Aspekt der Feier besonders deutlich werden lassen. Trotz zahlreicher Verbote im Zeitalter der Aufklärung setzte sich der Umgang der teuflischen Begleiter (siehe: Klaubaufgehen) des Heiligen durch und ist auch heute noch üblich.