Kernfach: Geschichte der Neuzeit

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Isabelle d'Este - 'La prima donna del Mondo", Fürstin, Diplomantin, Mäzenin, Kunstsammlerin und Modeschöpferin der RenaissanceDas Kernfach Geschichte der Neuzeit deckt vorwiegend die europäische Geschichte von der Mitte des 15. bis in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts ab. Die räumlichen Schwerpunkte des Faches, Zentraleuropa unter Einbezug westeuropäischer Entwicklungen, ergeben sich aus der geografischen Lage der Universität Innsbruck. So sind einerseits der Alpenraum und andererseits der südliche Nachbar Italien als Wiege von Humanismus und Renaissance wesentliche Forschungsthemen der Frühen Neuzeit, bei denen sowohl der kultur- und sozialgeschichtliche als auch der biographische Ansatz vertreten sind. Humanismus und Renaissance nehmen für das Verständnis der späteren Zeit und nachfolgender Entwicklungen - wie z. B. die zum neuen Menschenbild oder zum frühmodernen Staat - eine bedeutende Rolle ein.

Schon bei den Humanisten herrschte die Meinung, dass im 15. Jahrhundert mit der Rückbesinnung auf die Antike und der Entstehung eines anderen Menschen- und Weltbildes eine neue Zeit angebrochen war - der man deshalb den Namen "Neu(e)zeit" gab -, die an die Kulturen der Griechen und Römer direkt anknüpfen und sich vom mittlerweile revidierten Geschichtsbild der "finsteren Zeit in der Mitte" (= Mittelalter) eindeutig abheben wollte.

Die Neuzeit, die Ära von Michelangelo und Leonardo da Vinci, von Erasmus von Rotterdam und Martin Luther, von Jean Jacques Rousseau und Immanuel Kant, vom Sonnenkönig Ludwig XIV. und von Maria Theresia, von Isaac Newton und James Watt, von Napoleon und Katharina der Großen, von Mazzini und Garibaldi ist ein langer und wechselvoller Abschnitt der Geschichte, in dem Erfindungen, Entdeckungen und neue Glaubenswege den Alltag der Menschen veränderten, in dem neue Staaten, Verfassungen, demokratische Ideen, die Menschenrechte geboren wurden und in dem zum ersten Mal laut gesagt wurde, dass alle Menschen gleich sind.


Forschung

Karikatur auf die Unterdrückung der Grundrechte. Aus der "Illustrierten Zeitung", 1849Heute beschäftigt sich das Kernfach Neuzeit neben den oben genannten Schwerpunkten entlang des „roten Fadens“ der Geschichte des Politischen mit frühneuzeitlicher Diplomatiegeschichte, Staats- und Gesellschaftstheorien, interdisziplinärer Demokratieforschung, Aufklärungsforschung, Ideengeschichte und politischer Philosophie sowie mit der Geschichte und dem Strukturwandel der Geisteswissenschaften. Dies betrifft ebenso die Geschichte politischer Systeme und Kommunikation, ihrer Strukturdefizite sowie der modernen Demokratie- und Globalisierungstheorien.

Weitere Forschungsbereiche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kernfaches Neuzeit sind die Geschichte des Wandels von gesellschaftlichen Strukturen, die Geschichte der Reformation und konfessioneller Pluralität, die Medizin- und Psychiatriegeschichte und die historische Kulturanthropologie.


Lehre

In der Lehre werden die oben genannten Schwerpunkte u. A. unter Einsatz von neuen Medien wie dem e-learning und blended learning vermittelt. Ziel der Ausbildung im Fach Neuzeit ist es, die zukünftigen HistorikerInnen auf geschichtliche Zusammenhänge, die bis in unsere Zeit nachwirken, aufmerksam und die Entwicklungen zu einer Welt, wie der unseren, die räumlich immer größer wird und sich zeitlich beschleunigt, nachvollziehbar zu machen. Studierende dieses Kernfaches sollen sensibilisiert werden für die Einbettung von Einzelschicksalen in das globale Geschehen, für den untrennbaren Zusammenhang von Ursache und Wirkung und für eine möglichst breite, europäische beziehungsweise globale Sicht der Geschichte der „großen Politik“ sowie des „kleinen Mannes“.

Dazu dient, neben den Grundlehrveranstaltungen, ein breites Angebot an Proseminaren, Seminaren und Übungen mit vielfältigen und breit gefächerten Themen.

Nach Absolvierung der Pflicht- und Wahllehrveranstaltungen aus Geschichte der Neuzeit verfügt der/die Studierende über ein gefestigtes Grundwissen der Geschichte von der Frühen Neuzeit bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts und über eine Spezialisierung in verschiedenen, frei wählbaren Themen dieser Zeitspanne aus der Ereignis-, Mentalitäts-, Alltags-, Männer- und Frauengeschichte sowie aus der historischen Kulturanthropologie.

Der angehende/die angehende Neuzeithistoriker/in lernt im Laufe seines/ihres Studiums das "Werkzeug" zur Erschließung der verschiedenen und vielfältigen Quellentypen dieser Zeit (von der Urkunde bis zur Oral History) für die Aufbereitung und wissenschaftliche Erarbeitung einer Fragestellung kennen. Er/sie erlernt weiters die Fähigkeit, neuzeitliche Quellen sowohl im Archiv als auch in der Sekundärliteratur ausfindig zu machen und diese kritisch zu betrachten, um sie für eine wissenschaftliche Arbeit adäquat verwerten zu können.

In jedem Semester wird eine mehrtägige Exkursion angeboten, bei der Studierende für historische Quellen und deren Einbindung in die Geschichte sensibilisiert werden.


Lesenswertes

  • Duby, Georges / Perrot, Michelle (Hrsg.), Geschichte der Frauen, Bde. 3-5, Frankfurt a. M., New York 1994-1995.

  • Elze, Reinhard/Repgen, Konrad (Hrsg.), Studienbuch Geschichte. Eine europäische Weltgeschichte, Bd. 2: Frühe Neuzeit, 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 52000.

  • Mathias, Peter (Hrsg.), The Nineteenth Century (History of Humanity, Bd. 6), London 2005.

  • Langewiesche, Dieter, Europa zwischen Restauration und Revolution: 1815-1849, (= Oldenbourg-Grundriss der Geschichte, Bd. 13), München 52007.

  • Schulze, Winfried: Einführung in die Neuere Geschichte, Stuttgart 42002.

  • Völker-Rasor, Anette (Hrsg.): Frühe Neuzeit, München 22006.

  • Vogler, Günter: Europas Aufbruch in die Neuzeit: 1500-1650 (= Handbuch der Geschichte Europas, Bd. 5), Stuttgart 2003.

  • Wiesner-Hanks, Merry E.: Early Modern Europe, 1450-1789, Cambridge 2006.


MitarbeiterInnen: