Tiroler Trachtenpraxis im 20. und 21. Jahrhundert

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Es werden Archiv- und Feldforschungen durchgeführt.

Zentrale Archivbestände sind im Tiroler Volkskunstmuseum Innsbruck vorhanden. Dort befinden sich das Archiv der Mittelstelle Deutsche Tracht und ihrer Trachtenwerkstätte sowie Unterlagen zur Kulturkommission Südtirol und zur Optionszeit und weitere trachtenbezogene Archivbestände aus der Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit, etwa zu Trachten- und Brauchberatungen, zu ehemaligen Trachtenfirmen (Trachten Konrad und Haller Textilwerke) und zu „Erneuerten Frauentrachten des Bundeslandes Tirol“. Weitere wichtige Bestände gibt es u.a. in Bozen/Bolzano, Bregenz, Salzburg, Linz, Wien, Berlin und München. Von großer Bedeutung sind Vereins- und Verbandsarchive sowie private Sammlungen, Dokumentationen und Archive. Großer Wert wird darauf gelegt, NachfahrInnen damaliger AkteurInnen und noch lebende Zeitzeuginnen einzubeziehen und die von AkteurInnen des Trachtenwesens betriebenen Archivierungsarbeiten und Überlieferungsprozesse als Teil des Forschungsfeldes mitzudenken.

In gegenwartsbezogener Hinsicht geht es um die ethnografische Begegnung mit AkteurInnen des Trachtenwesens heute. Wir besuchen Trachtenumzüge, Trachtenmärkte, Trachtenhochzeiten, Trachtlerwallfahrten, Trachtenclubbings und diverse andere Anlässe, ohne den „Großereignissen“ a priori größere Bedeutung beizumessen als anderen, versteckteren Geschehnissen. Angestrebt sind Feldkontakte und Interviews mit einem breiten Spektrum von ZeitgenossInnen, denen Tracht „etwas sagt“ und bedeutet, die sich einschlägig engagieren und besondere biografische Bezüge zu Trachten haben. Ebenso gesucht sind aber auch Menschen, die indifferente Gefühle oder Aversionen solcher Kleidung gegenüber haben und darüber sprechen wollen. Wir fragen einerseits nach den „antidemokratischen Aufladungen und historischen Instrumentalisierungen von Volkskultur“ (Homepage TKI) und andererseits und zugleich nach den historischen und gegenwärtigen Tendenzen, sich das Kleidungsgenre Tracht als mehr oder weniger „demokratisch handhabbares Kulturgut“ (Ulrike Kammerhofer-Aggermann) anzueignen.

Unser Ziel ist es, diverse –  nicht nur dominante – „Wissen“ (im Plural) zu versammeln und zu einer demokratisierenden Kulturgeschichtsschreibung des Trachtenwesens beitragen.