Vom Alten abgrenzen und das Neue vorwegnehmen? / Separarsi dal veccio ordine e anticipare il nuovo?

Rome, 22nd-24th September 2021

Conference in cooperation with the Istituto storico a Roma

 

Vom Alten abgrenzen und das Neue vorwegnehmen?

Umordnen von Staat und Gesellschaft im 18. Jahrhundert in zeitlicher Perspektive

Separarsi dal vecchio ordine e anticipare il nuovo?

La riorganizzazione dello Stato e della società nel XVIII secolo in una prospettiva temporale

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Das Projekt „Changing Social Representations of Political Order ca. 1800. Governmental Concepts in the Correspondence of Maria Carolina of Naples-Sicily“ ist in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts und im beginnenden 19. Jahrhundert angesiedelt, einer Zeit, die geprägt von den Vorstellungen der Aufklärung zu vielfachen Veränderungen in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft geführt hat. Üblicherweise wird dieser Zeitabschnitt als großer Innovationsschritt untersucht, nicht zuletzt weil er so auch oft von Zeitgenossen und Zeitgenossinnen thematisiert wurde. Richtet man jedoch den Blick auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, dann lassen sich dort ebenfalls sehr umfassende Neuordnungen ausmachen, die nicht – wie häufig üblich – teleologisch als Vorläuferinnen und Wegbereiterinnen der späteren Reformen gelesen werden müssen, sondern in ihrer Eigenständigkeit hohes Vergleichspotenzial bieten, um Logiken des Neu- und Umordens auf die Spur zu kommen.

Dabei wollen wir den Selbstdarstellungen des jeweiligen Tuns im Umformen von Staat und Gesellschaft nachgehen und diese darauf befragen, wie man sich von früheren Ordnungen abgrenzte oder aber auch daran anknüpfte und was man sich von der Neuordnung erwartete. Der Blick richtet sich also mit den Zeitgenossinnen und Zeitgenossen nicht nur auf deren Gegenwart, sondern zugleich auf ihre Vergangenheit und Zukunft. Dabei stehen nicht nur Regenten und Regentinnen, hohe Beamte und Vertreter von Ständen im Fokus, sondern Neuordnungsentwürfe mit Rückbezügen und Zukunftsszenarien lassen sich breiter denken, etwa auch in Form von vorgebrachten Gravamina oder Debatten, die über Publikationen ausgetragen wurden. In Betracht kommen Fragen nach der politischen Verfasstheit von Staaten sowie ihrer Repräsentation und ihren diplomatischen Beziehungen wie ebenso nach der ständischen, konfessionellen, wirtschaftlichen oder infrastrukturellen Ordnung.

  • Warum wurde etwas als Unordnung beschrieben, das nun eine neue Ordnung brauchte? Wie begründete man Eingriffe in bestehende Strukturen? Gelang die Abgrenzung leichter, wenn es um die Umformung neu erworbener Territorien ging? Wie war aber zu argumentieren, wenn die früheren Regenten und Regentinnen aus der eigenen Familie kamen?
  • Ließ sich die Vergangenheit auch als bestärkender Referenzpunkt im eigenen Handeln nutzen? Gab es vielleicht „Erinnerungsorte“ im Pierre Nora’schen Sinn, an die man anknüpfte?
  • Welche neuen Ideen und Konzepte wurden aufgegriffen und gegen welche anderen – alten – abgewogen? Was lässt sich an Debatten über deren Umsetzung greifen?
  • Wie beschrieb man den „Erwartungshorizont“ (Reinhart Koselleck)? Richtete sich der Blick in die Zukunft und wurden erwünschte Entwicklungen gedanklich vorweggenommen?
  • Zugleich wollen wir auch einen vergleichenden Blick ins 17. und 19. Jahrhundert werfen und nach Praktiken von Rückbezug und Vorwegnahme in deren Kontexten fragen.

 

Organisationsteam

Andreas Gottsmann, Ellinor Forster, Jonathan Singerton, Giovanni Merola, Anne-Sophie Dénoue

Tagungssprachen

Deutsch, Italienisch und Englisch 

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