Flurnamen und Berglandwirtschaft

Landwirtschaftliche Nutzung und Nutzungsänderungen
im Spiegel der Flurnamen in Obergurgl (Ötztal)balken-dunkelblau

Lorelies Ortner (Institut für Germanistik) und Rüdiger Kaufmann (Institut für Ökologie)

 

Flurnamen wurden zu allen Zeiten als Orientierungs- und Kommunikationscode von Hirten und Bauern benützt. Die extrem kleinräumige, reliefgebende und reichstrukturierte Hochgebirgslandschaft sowie jahrhundertelange Besitzteilungen haben eine große Vielfalt an Namen begünstigt. Dies zeigt sich besonders gut an der Ortschaft Obergurgl im inneren Ötztal (Gemeinde Sölden) mit ihren Fluren auf 1900 bis 3000 m Seehöhe.

Im Sommer 2009 wurden Interviews mit zwei Landwirten, einem Schäfer, einem Jäger, vier Berg-/Wanderführern und einem Hüttenwirt geführt, um Flurnamen zu erfragen und das Erfahrungswissen über Landnutzung und Nutzungsänderung zu dokumentieren. Ergebnis der Befragungen sind Audioaufnahmen sowie eine Datei von 488 Flurnamen (teilweise mit der Transkription der Interviews), weiters Kartenskizzen als Basis für die GIS-Kartierung sowie ein Foto- und Filmarchiv zur Landschaftsdokumentation.

Die Interviews haben gezeigt, dass sich die Methode der Flurnamenerhebung hervorragend als Ausgangspunkt für Alltagsgeschichten über das bäuerliche Leben eignet. Flurnamen und ihre Kartierung sind ein Auslöser für vielschichtige Erinnerungen der Einheimischen: Die alpine Naturlandschaft und deren Nutzung in Vergangenheit und Gegenwart lebt in Erzählungen wieder auf – und das Wissen darüber bleibt der Nachwelt als kulturelles Erbe erhalten.

 

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Interview: Lokalaugenschein im Freien (Foto: Johanna Pidner, 2009)
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s'Bankle (Obergurgl) (Foto: Rüdiger Kaufmann, 2008)
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