Die germanistische Schule in Innsbruck: berühmte Personen und Projekte


Ignaz Vinzenz Zingerlebalken-dunkelblau

Zingerle Sagen klein

Zingerle

Ignaz Vinzenz Zingerle (1825-1892)

 

Ignaz Vinzenz Zingerle war der erste Inhaber der Lehrkanzel für Germanistik der Universität Innsbruck (1859). Er verfasste über 180 Einzelarbeiten, vor allem zu Fragen der Tiroler Sprach- und Volksgeschichte. Besonders bedeutsam war seine Walther-von-der-Vogelweide-Forschung, die er im Jahr 1877 mit der Auffindung des bis heute einzigen urkundlichen Zeugnisses über Walther (eine Notiz in den Reiserechnungen des Bischofs Wolfger von Passau) krönte. Berühmt schon zu seiner Zeit und weit über die Universität hinaus bekannt sind die von Zingerle gesammelten und 1891 herausgegebenen "Sagen aus Tirol".

 

 

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Josef Schatzbalken-dunkelblau

Wörterbuch der Tiroler Mundarten klein

Schatz

Josef Schatz (1871-1950)

 

Josef Schatz übernahm 1912 die Professur für deutsche Sprache und Literatur am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck. 1939 wurde er "entpflichtet". Er war Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Der Schwerpunkt seiner Forschungen lag auf dem Gebiet der Mundarten. Von ihm stammt die erste grundlegende Gliederung des gesamtbairischen Mundartgebietes, er arbeitete die geschichtlichen Grundlagen für die Mundartforschung im Allgemeinen aus, er schuf eine altbairische Grammatik und krönte sein Lebenswerk 1927 mit einer althochdeutschen Grammatik. Nachhaltig bekannt geworden ist Josef Schatz durch das Wörterbuch der Tiroler Mundarten, das er in unermüdlicher Arbeit auf der Basis von Befragungen seiner Studenten in Nord-, Ost- und Südtirol und unter Einbeziehung von zahlreichen alt- und neuhochdeutschen Werken von 1936 bis zu seinem Tod 1950 geschaffen hat (die Drucklegung übernahm Karl Finsterwalder).

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Karl Kurt Kleinbalken-dunkelblau

Klein

Karl Kurt Klein (1897-1971)

 

Karl Kurt Klein, ein Siebenbürger Sachse, war zunächst evangelischer Pfarrer, Universitätsassistent, a.o. Professor und schließlich auch Direktor der Universitätsbibliothek in Jassy (Rumänien). Danach erhielt er den Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Klausenburg (Rumänien/nach 1940 Ungarn). Im 2. Weltkrieg musste er diese Universität verlassen und begann an der Universität Innsbruck eine weitere wissenschaftliche Laufbahn. 1956 wurde er zum o. Professor ernannt.

Siebenbürgisch-Deutscher Sprachatlas klein

Karl Kurt Klein war ein äußerst vielseitiger Wissenschaftler, der neben literaturgeschichtlichen Arbeiten viele altgermanistische, sprachgeschichtliche und dialektologische Abhandlungen hinterlassen hat. Er hat sich intensiv mit der siebenbürgisch-sächsischen Sprach- und Siedlungsgeschichte sowie Mundartforschung beschäftigt (Mitarbeit am Siebenbürgischen Sprachatlas) und hat eine Grammatik der deutschen Sprache (1935) verfasst. Bahnbrechend und völlig neue Erkenntnisse bringend sind seine Arbeiten über die Rolle, die Tirol in den Anfangszeiten des gesamtdeutschen Schrifttums spielte. Karl Kurt Klein war auch der Begründer und geistige Vater der Bibliothek des Instituts für Germanistik, die ab 1953 in großer Perfektion von Assistenten des Instituts und vor allem von Frau Dr. Notburga Wolf betreut wurde. Mehr dazu

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Karl Finsterwalderbalken-dunkelblau

Tiroler Ortsnamenkunde klein

Finsterwalder

Karl Finsterwalder (1900-1997)

 

Karl Finsterwalder war Lehrbeauftragter des Instituts für Germanistik und ein Universalgelehrter, der umfassende Kenntnisse in Geographie, Geologie, Kartographie, Germanistik, Romanistik, Indogermanistik und Namenforschung hatte. Mit zahlreichen namenkundlichen Abhandlungen hat er die Innsbrucker Tradition der Namenforschung begründet. Nachhaltige Bekanntheit hat er durch die Namenbearbeitung für die österreichischen Alpenvereinskarten und den Atlas von Tirol sowie durch die drei Bände Tiroler Ortsnamenkunde und durch die zwei Bände Tiroler Familiennamenkunde erlangt.

 

 

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Johannes Erbenbalken-dunkelblau

Erben

Johannes Erben *1925

 

Der Leipziger Germanist Johannes Erben war zunächst an der Humboldt-Universität Berlin tätig. Er war Abteilungsleiter und später Direktor des Instituts für deutsche Sprache und Literatur der Deutschen Akademie der Wissenschaften. Er arbeitete 10 Jahre an der Fertigstellung des Deutschen Wörterbuchs der Brüder Grimm mit. 1965 bis 1979 hatte Johannes Erben den Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Innsbruck inne und leitete das DFG-Projekt "Deutsche Wortbildung" des Instituts für deutsche Sprache, Mannheim (Außenstelle Innsbruck). Erben Grammatik klein1979 übernahm er den Lehrstuhl von Hugo Moser an der Universität Bonn. Johannes Erben war Mitglied in mehreren Wissenschaftsorganisationen (z.B. Sächsische Akademie der Wissenschaften) und erhielt 1985 das Ehrendoktorat der Universität Innsbruck. Das umfangreiche wissenschaftliche Oeuvre von Johannes Erben umfasst außer Wörterbuch- und Handbuchartikeln zahlreiche, heute noch oft zitierte Aufsätze zur Sprachgeschichte, zur Wortbildung und zur Syntax. Bahnbrechend waren die korpusbasierten Monographien zur deutschen Grammatik von Johannes Erben und die - moderne Nominationstheorien vorwegnehmende - Einführung in die Wortbildungslehre.
Prof. Erben hat ganze Generationen von Innsbrucker Linguistinnen und Linguisten in ihrem Wissenschaftsstil bis heute geprägt. Sein Markenzeichen: materialreiche Forschung, sehr gute Literaturkenntnis, akribische Genauigkeit und vor allem: die große Liebe zum Gegenstand "deutsche Sprache".

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Hans Wellmannbalken-dunkelblau

Der Niedersachse Hans Wellmann war zunächst als wissenschaftlicher Assistent für Geographie bzw. für Germanistik an den Universitäten Aachen und Bonn tätig. 1967 arbeitete er im Forschungsprojekt "Sprachaufbau" an der Universität Innsbruck mit. Von 1970 bis 1975 war Hans Wellmann wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsprojekt „Deutsche Wortbildung - Typen und Tendenzen in der Gegenwartssprache" des Instituts für deutsche Sprache, Mannheim, Außenstelle Universität Innsbruck. Deutsche Wortbildung Typen klein

Im Rahmen dieses von Prof. Johannes Erben geleiteten, DFG-geförderten Projekts (1968¬1988) entstanden fünf umfangreiche Bände, an denen Hans Wellmann - z.T. hauptverantwortlich - beteiligt war. Als Dozent der Universität Innsbruck hielt er dort von 1976 an immer wieder Lehrveranstaltungen. 1978 wurde er o. Prof. für Germanistische Linguistik an der Universität Augsburg, 1981 und 1983 Dekan der Philologischen Fakultät II, 1987 Senator der Universität Augsburg. Im Jahr 2000 erhielt er für seine Verdienste um die Auslandsgermanistik das Ehrendoktorat der Universität Chabarowsk. Hans Wellmann hat zahlreiche Aufsätze und Bücher veröffentlicht. Seine Arbeitsgebiete sind Grammatik (Deutsche Grammatik 2008), Lexikologie und Lexikographie (Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache 1993 ff., 2008; Taschenwörterbuch Deutsch als Fremdsprache 2003 ff., 2007), weiters Sprachgeschichte, Stilistik und Pragmatik. Mehr dazu

 

 

WellmannProf. Hans Wellmann ist dem Germanistischen Institut der Universität Innsbruck in all den Jahren freundschaftlich verbunden geblieben: ein in jeder Hinsicht anregender, interessanter Gesprächspartner und ein großer Förderer jüngerer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

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