Carl-Johannes Rokitanskybalken-dunkelgruen

Carl-Johannes RokitanskyMag.phil. Carl-Johannes Rokitansky



Doktoratsstudent an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

  Carl-Johannes.Rokitansky@uibk.ac.at



Projektangaben | Projektskizze | Publikationen | Kurz-CV

balken-dunkelgruen

Projektskizze

In dem autobiografischen Prosawerk Beim Häuten der Zwiebel (2006) rechtfertigt der 2015 verstorbene Günter Grass seine SS-Vergangenheit mit dem ‚jugendlichen Leichtsinn der frühen Jahre‘. Aus der Sicht eines erinnernden Subjekts wird erzählt, wie aus dem NS-Sympathisanten und Kriegsgefangenen Grass ein Schriftsteller von internationaler Anerkennung wird. Das Buch endet mit der Veröffentlichung der Blechtrommel. Folgt man der Argumentation in Beim Häuten der Zwiebel, so kann die Niederschrift der Blechtrommel als ein Anschreiben gegen die Schuld verstanden werden. Aus dem erinnernden Subjekt, das sich vor der Wirklichkeit in die Fiktion flüchtet, wird in der Blechtrommel ein pikaresker Künstler, der der Welt schon zum Zeitpunkt der Geburt kategorisch entsagt und sich damit jeglicher Verantwortung entzieht. Folglich geht es in der Blechtrommel auch um das Motiv der Weltflucht, auf das ich mich in meiner Arbeit konzentriere und das ich in einen breiten motivgeschichtlichen Kontext bette.
Besonderes Augenmerk verdienen dabei die romantischen Künstlerkonzeptionen, die den Protagonisten im Spannungsfeld von technokratischem Fortschritt, bürgerlicher Ordnung und künstlerischer Freiheit zeigen, gleichzeitig aber Versatzstücke aus dem ursprünglich religiösen Kontext der christlichen Lehre übernehmen. Der Künstler wird zum modernen Einsiedler. Diese Auffassung gipfelt schließlich in Thomas Manns Doktor Faustus-Roman, der dem Leser den Niedergang des modernen Künstlers vor Augen führt. Das Motiv der Weltflucht greift Grass unter parodistischen Vorzeichen auf und leitet damit die Überwindung der Künstler-Bürger-Problematik ein.