Kommentierte Liste der DILIMAG-Gattungsbezeichnungen

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Näheres zum Problem der Terminologie finden Sie in dem Beitrag „Terminologie zu Erscheinungsformen digitaler Literaturmagazine" 

 

Verwendete Gattungsbezeichnungen


digitales Literaturmagazin

digitales Literaturmagazin (Rezensionsorgan)

digitales Literaturmagazin (Primärliteratur)

digitales Fachmagazin/E-Journal

digitales Kulturmagazin

digitale Presseschau/Medienschau

digitales Theatermagazin

Weblog

Literaturblog

Literaturblog (Autorenblog)

Literaturblog (Rezensionsorgan)

Metablog

Blogportal

Kulturblog

Theaterblog

Homepage

kollektives/kollaboratives Schreibprojekt

unredigiertes Publikationsforum

Newsletter

Mailingliste

Literaturportal

 

Hinweise:

1. Printvarianten:
Eventuell parallel oder nach der digitalen Ausgabe erscheinende Printvarianten werden in der DILIMAG-Datenbank zusätzlich angegeben; ebenso Serviceleistungen wie Print on Demand (PoD) und PDF.

2. Verwendung der Gattungsbezeichnungen:
Treffen mehrere Gattungsbezeichnungen auf ein Objekt zu, werden diese parallel angeführt (Beispiel „Berliner Zimmer“: digitales Literaturmagazin, Literaturportal).

3. Erläuterung der Zeichensetzung:
(...) Klammer: Die Angabe in Klammer enthält eine nähere Spezifikation, dies kann sein: Rezensionsorgan, Primärliteratur, Satiremagazin, Autorenblog.


/ Schrägstrich: Stehen für einen Gattungstyp einschlägig verwendete synonyme Begriffe zur Verfügung, werden diese mit Schrägstrich getrennt angegeben (Beispiel: Fachmagazin/E-Journal).



digitales Literaturmagazin: Der Begriff bezieht sich auf den Vorläufer der Gattung im Printformat; periodisch aktualisierte Website mit unveröffentlichter Primärliteratur,Buchrezensionen, Artikeln allgemeiner Art etc. (Beispiel: „Schnipsel“, URL: <http://literaturmagazin-schnipsel.de>). [Stand 2009/09/21]


digitales Literaturmagazin (Rezensionsorgan): Entspricht inhaltlich dem Literaturteil der Tages- und Wochenpresse im Printformat; periodisch aktualisierte Website mit Buchbesprechungen, Buchtipps und eventuell auch Informationen über den Literaturbetrieb, Artikel allgemeiner Art etc.; ist häufig mit kommerziellen Anbietern verlinkt; enthält keine literarischen Texte (Beispiel „Buchkritik.at“, URL: <http://www.buchkritik.at/>). [Stand 2009/09/21]

digitales Literaturmagazin (Primärliteratur): Zeigt Ähnlichkeiten mit den Printformaten „Anthologie“ und „Literaturmagazin“; periodisch aktualisierte Website mit ausschließlich literarischen Texten (Beispiel: „Erosa“, URL: http://www.erosa.de/). [Stand 2009/09/21]

digitales Fachmagazin/E-Journal: Der Begriff bezieht sich auf den Vorläufer der Gattung im Printformat; periodisch aktualisierte Website, die als redigiertes Publikationsorgan für wissenschaftliche bzw. fachspezifische Beiträge zu einem bestimmten Gebiet dient. Erscheint meist in regelmäßigen Zeitabständen, enthält meist eine registrierte Seriennummer (ISSN) und entspricht im geisteswissenschaftlichen Bereich (noch) in der Mehrheit der herkömmlichen Form im Printformat; ist unterschiedlich frei oder per Abo zugänglich. Wird nur in Ausnahmefällen aufgenommen, nämlich wenn es sich um eine bedeutende Quelle zur Gattung digitale Literatur oder zum Thema Literatur und Internet bzw. digitale Medien handelt.
(Beispiel: „dichtung digital“, URL: <http://www.erosa.de/>). [Stand 2009/09/21]

digitales Kulturmagazin: Der Begriff bezieht sich auf den Vorläufer der Gattung im Printformat und entspricht inhaltlich auch der Gattung „Feuilleton“ in der Tages- undWochenpresse; periodisch aktualisierte Website mit Buchrezensionen und Artikeln allgemeiner Art etc. zu verschiedenen Bereichen der Kultur (Literatur, Film, Musik, Kunst usw.). Kann auch Rubriken mit literarischen Texten enthalten. (Beispiel: Titel-Magazin, URL: http://www.titel-forum.de/). [Stand 2009/09/21]


digitale Presseschau/Medienschau: Der Begriff bezieht sich auf den Vorläufer der Gattung im Printformat; bietet Informationen, Auszüge in Zitatform und Zusammenfassungen von Artikeln aus der Printpresse zu einem bestimmten Thema (Literatur, Kultur, Politik etc.). Die meisten Onlineprojekte dieser Gattung beschränken sich aber nicht auf die Printpresse, sondern berücksichtigen auch TV, Radio und Internet – der Begriff „Medienschau“, wenn auch noch nicht sehr verbreitet – bietet sich hierfür an (Beispiel: „Perlentaucher“, URL: http://www.perlentaucher.de/). [Stand 2009/09/21]

digitales Theatermagazin: Der Begriff bezieht sich auf den Vorläufer der Gattung im Printformat und entspricht inhaltlich auch der Gattung „Theaterfeuilleton“ in der Tages- und Wochenpresse im Printformat; periodisch aktualisierte Website mit Theaterkritiken, Veranstaltungshinweisen, Artikeln allgemeiner Art etc. zum Thema Theater (Beispiel: „Theaternarr“, URL: http://www.theaternarr.de/). [Stand 2009/09/21]

Weblog: Der Begriff leitet sich aus der Abkürzung für das World Wide Web (Web) und „Logbuch“ ab und wird zum ersten Mal 1997 auf der Website von John Barger nachgewiesen. Er benennt auf technisch-formaler Ebene ein Softwaresystem, das es erlaubt, Inhalte einer Website auf leicht zu handhabende Weise ohne spezifische technische Kenntnisse (HTML) zu verwalten und zu publizieren. Die Software-Systeme (z.B. „WordPress“) können meist kostenlos auf dem eigenen Server installiert werden oder auf fremdem Webspace über einen kommerziellen Anbieter genutzt werden (z.B. „twoday.net“). Typische Funktionen sogenannter „Weblog-Publikationssysteme“ sind das Anzeigen der „geposteten“ Einträge in umgekehrter Chronologie (meist im Mittelfeld), Kommentarfunktion, „Permalink“ (jeder Eintrag erhält einen eigenen „Pfad“, d.h. Internetadresse), „Blogroll“ (Linkliste – im rechten oder linken Feld), Archivkalender (erlaubt das Abrufen der Einträge nach Datum) u.a. Auf inhaltlicher Ebene lassen sich Weblogs nicht einheitlich beschreiben, da sie sehr unterschiedlich genutzt werden (z.B. als Autoren-Homepage, als kollaboratives Schreibprojekt etc).
Wir (DILIMAG) sammeln daher nicht einfach alle Weblogs
mit literarischen Inhalten, sondern versuchen, nur jene aufzufinden, die
a) sich in Inhalt und Funktion mit Literaturmagazinen vergleichen lassen
b) als "Metablog" bezeichnet werden können, d.h. Beiträge aus anderen
Litblogs sammeln und/oder die Gattung Litblog selbst zum Thema haben.

Literaturblog: Häufig verwendete Abkürzung: „Litblog“. Einzel- oder Gruppenblog über Literatur und Literaturbetrieb (Rezensionen, Hinweise, Nachrichten etc.) und/oder mit literarischen Inhalten; dient als Überbegriff für unterschiedliche Formen und Inhalte und muss deshalb meist näher spezifiziert werden. Für Weblogs typische Funktionen wie Kommentar, Blogroll und Blogkalender können, aber müssen nicht aktiviert sein (Beispiel: lesemaschine.de, URL: http://lesemaschine.de/). [Stand 2009/09/21]


Literaturblog (Autorenblog): Der Begriff leitet sich vermutlich von „Autorenhomepage“ ab. Ein Autor/eine AutorIn veröffentlicht chronologisch regelmäßig oder unregelmäßig eigene literarische und/oder metaliterarische Beiträge („Postings“ bzw. „Posts“). Kann auch persönliche, tagesaktuelle Notizen im Tagebuchstil enthalten. Für Weblogs typische Funktionen wie Kommentar, Blogroll und Blogkalender können, aber müssen nicht aktiviert sein. Ein Autorenblog kann auch Gastbeiträge von anderen AutorInnen enthalten, aber der Hauptakzent liegt auf eigenen Einträgen.
Aufnahme nur vereinzelt, wenn es sich
a) um ein Weblog handelt, das unter anderem auch wesentliche Funktionen eines Literaturmagazins weiterführt, d.h. zur Veröffentlichung von Buchbesprechungen, Kommentaren und Informationen zum aktuellen Literaturbetrieb dient (Beispiel: „P’s Veranda“, URL http://michaelperkampus.blogspot.com/) [Stand 2009/09/21],
b) das die Gattung selbst mitreflektiert, also Metablog-Charakter hat (Beispiel: „Die Dschungel. Anderswelt“, URL: http://albannikolaiherbst.twoday.net/). [Stand 2009/09/21]

Literaturblog (Rezensionsorgan): Einzel- oder Gruppenblog mit Buchbesprechungen, Informationen und Kommentare zum Literaturbetrieb etc.; enthält keine literarischen Texte. Die Einträge können herkömmlichen Textgattungen (Buchrezension, Kommentar, Artikel allgemeiner Art etc.) entsprechen oder im typischen Blogstil (betont subjektiver, tagebuchartiger Stil) gehalten sein. Für Weblogs typische Funktionen wie Kommentar, Blogroll und Blogkalender können, aber müssen nicht aktiviert sein (Beispiel: Literaturwelt, URL: http://blog.literaturwelt.de). [Stand 2009/09/21]

Metablog: Von einer Einzelperson oder Gruppe betreutes Weblog, das regelmäßig über andere Weblogs informiert. Anders als beim Blogportal scheinen dort nicht die Einträge der beteiligten Blogpartner auf, sondern es führen lediglich Links zu den besprochenen Blogs (Beispiel: krit.de, URL: http://krit.de/). [Stand 2009/09/21]

Blogportal: Vereinigt bzw. bildet ein Netzwerk von mehreren Weblogs. Die aktuellen Einträge der beteiligten Blogpartner erscheinen in umgekehrter Chronologie im Mittelfeld der Hauptseite. Tritt meist in Kombination der Funktionen von „Metablogs“ und „Literaturblogs“ auf (Beispiel: litblogs.net: http://www.litblogs.net/). [Stand 2009/09/21]

Kulturblog: Einzel- oder Gruppenblog mit Einträgen zu verschiedenen Bereichen der Kultur (Literatur, Film, Musik, Kunst usw.). Die Einträge können herkömmlichen Textgattungen (Buchrezension, Kommentar, Artikel allgemeiner Art etc.) entsprechen oder im typischen Blogstil (vorwiegend kurze Einträge in betont subjektivem, tagebuchartigem Stil) gehalten sein (Beispiel: Kulturblog, URL: http://www.kulturblog.ch/) [Stand 2009/09/21]. Für Weblogs typische Funktionen wie Kommentar, Blogroll und Blogkalender können, aber müssen nicht aktiviert sein; wird teilweise kombiniert mit charakteristischen Elementen eines Literaturmagazins (Editorial, Rubriken, Eingangsseite; Beispiel: „Glarean“, URL: http://glareanverlag.wordpress.com/). [Stand 2009/09/21]

Theaterblog: Einzel- oder Gruppenblog mit Theaterbesprechungen im Blogformat. Die Einträge können herkömmlichen Textgattungen (Theaterkritik, Artikel allgemeiner Art etc.) entsprechen oder im typischen Blogstil (vorwiegend kurze Einträge in betont subjektivem, tagebuchartigem Stil) gehalten sein. Wird teilweise kombiniert mit charakteristischen Elementen eines Theatermagazins (Editorial, Rubriken; Beispiel: „nachtkritik.de“, URL: http://www.nachtkritik.de/). [Stand 2009/09/21]

Homepage: Der Begriff wird hier nicht als technische Bezeichnung der Start- oder Eingangsseite einer Website verwendet, sondern im alltagssprachlich üblichen Sinn als Bezeichnung einer Website oder -seite, die der Präsentation oder Selbstdarstellung einer Person, einer Gruppe oder eines Projekts dient. Die Gattung wird hier nur ausnahmsweise berücksichtigt, wenn sie als hybride Form sowohl als Informationsseite für eine Gruppe oder Einzelperson als auch als periodisches Publikationsorgan dient; wird hier immer mit mindestens zwei parallel angeführten Begriffen bezeichnet, z.B.: Homepage, digitales Literaturmagazin (Beispiel: „lit.art“, URL: http://www.litart.ch/). [Stand 2009/09/21]


kollektives/kollaboratives Schreibprojekt: Kein medienspezifischer Gattungsbegriff, da die Form in Print- und Onlineformaten auftritt. Parallel gebräuchlich ist auch der Begriff „Mitschreibprojekt“. Die Bezeichnungen werden aber mittlerweile vorwiegend auf Internetprojekte bezogen und meinen literarische Schreibprojekte, die von einer Gruppe erstellt werden. Der Grad der Interaktion ist unterschiedlich. Die Schreibprojekte können als abgeschlossenes oder fortlaufendes Projekt ohne vorgesehenes Ende konzipiert sein. Die Aufnahme erfolgt nur in Ausnahmefällen, wenn
a) es sich um ein fortlaufendes Projekt ohne vorhergesehenen Abschluss handelt und
b) es (einem Literaturmagazin ähnlich) dazu dient, regelmäßig neue, unveröffentlichte literarische Beiträge zu publizieren (Beispiel: „Der goldene Fisch“, URL: <http://www.der-goldene-fisch.de/>). [Stand 2009/09/21]


unredigiertes Publikationsforum: Tritt im Internet in verschiedenen Formen und Bezeichnungen auf: „Web-“, „Chat“- und „Diskussionsforen“ erlauben freies Publizieren und asynchrones Kommunizieren unter den Mitgliedern. Die Mitgliedschaft erfolgt kostenlos per Anmeldung. Die Startseite zeigt meist eine Übersicht über die thematisch gebündelten Einträge („Threads“ = Diskussionstränge) an. Im literarischen Bereich werden Internetforen genutzt, um eigene literarische Produktionen veröffentlichen und zur Diskussion stellen zu können. Neben den Diskussionsforen, in denen der Veröffentlichungsvorgang von den Nutzern selbst durchgeführt wird (Beispiel „gedichte.com“ URL: http://www.gedichte.com/) [Stand 2009/09/21], gibt es auch Websites in der Gestalt von Literaturmagazinen, bei denen die Betreiber Veröffentlichung, Edition und Layout vornehmen (Beispiel: „interimist“, URL: http://interimist.net/) [Stand 2009/09/21]. Als „Plattform“ oder „Portal“ bezeichnete Websites bieten Software und Speicherplatz für selbständige Publikationen an (Beispiel: „BookRix“, URL: http://bookrix.de/). [Stand 2009/09/21]

Newsletter: E-Mail dient als primäres Verbreitungsmedium. Die Verbreitung erfolgt über Subskription, die in der Regel auf einer Homepage angeboten wird. Die Mitglieder erhalten neue Mails in meist festgelegten periodischen Abständen vom Sender. Die Aufnahme erfolgt nur in Ausnahmefällen, wenn die Inhalte auch auf einer Homepage veröffentlicht werden und damit nicht nur von einem adressierten, sondern offenen Leserkreis rezipiert werden können (Beispiel: „Lyrikmail“, URL: http://www.lyrikmail.de/). [Stand 2009/09/21]

Mailingliste: E-Mail wird als primäres Verbreitungsmedium genutzt. Die Verbreitung erfolgt per Anmeldung. Die Kommunikation erfolgt bidirektional, d.h. ähnlich wie bei Chat- oder Diskussionsforen kann jedes Mitglied jederzeit mit allen Mitgliedern kommunizieren. Die Aufnahme erfolgt nur in Ausnahmefällen, wenn die Inhalte auf einer Homepage veröffentlich werden und damit nicht nur von den Mitgliedern, sondern einem offenen Leserkreis rezipiert werden können (Beispiel: „Mailingliste Netzliteratur“, URL: <http://www.netzliteratur.de/>). [Stand 2009/09/21]

Literaturportal: Bezeichnet eine Einstiegsseite, die mehrere Projekte vereinigt. Der Begriff „Portal“ ist nicht einheitlich zu definieren und wird in der Praxis unterschiedlich verwendet, meist um die ‚Größe’ einer Website zu betonen; er wird hier nur dann verwendet, wenn eine Website unterschiedliche Projekte zusammenführt (Literaturmagazin, Buchvertrieb etc.) oder hauptsächlich auf extern gespeicherte Projekte verweist (Beispiele: litCOLONY, URL: http://litcolony.de/ und „carpe“, URL: http://www.carpe.com/buch/). [Stand 2009/09/21]