Donnerstag, 27. November 2008, 18.00-19.30 Uhr, Hörsaal 4

Ringvorlesung Kinder und Medien

Britta Minges:
Patchworkfamilien in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart

 „Während im wirklichen Leben noch recht viele Kinder mit ihren Eltern zusammenleben, ist die
traditionelle Familie in der Kinder- und Jugendbuchwelt schon seit längerer Zeit dabei, sich
aufzulösen."1 Kann diese Auflösungserscheinung der literarischen Familie als Prognose für die reale
Zukunft gesehen werden? Natürlich steht im Vordergrund nicht die soziologische Forschung zur
Familie (vorrangig in der BRD), dennoch ist diese als Grundlage für den Hauptteil, die Analyse der
neueren Kinder- und Jugendliteratur nach dem Gesichtspunkt der Familie sehr wichtig. Neben der
Soziologie spielen auch die Erziehungswissenschaft und Psychologie als Hilfswissenschaften bei den
literaturwissenschaftlichen Analysen eine wichtige Rolle.


Zunächst soll die Frage geklärt werden, was Familie eigentlich bedeutet, wie sie sich definiert und
welchen Wandel sie - vor allem in den letzten 40 Jahren - erfahren hat. In ebendiesem Zeitraum
haben sich auch die Darstellungsweisen und Themen der Kinder- und Jugendliteratur maßgeblich
geändert, was in einem kurzen Überblick veranschaulicht werden soll. Welchen Stellenwert nimmt
nun die Familie in der Kinder- und Jugendliteratur ein, welche Funktion erfüllt sie für den
Protagonisten bzw. welche Konsequenzen ergeben sich aus der besonderen familiären Situation für
dessen Handeln? Wie verhalten sich die Protagonisten in den dargestellten Problemsituationen
innerhalb des Familiengefüges? Welche Familienformen werden auf welche Art präsentiert? Und
schließlich: Welche Lösungsstrategien werden den Rezipienten angeboten?


Kann die Literatur durch die alltägliche Darstellung familiärer Probleme und außergewöhnlicher
Familienkonstellationen diese enttabuisieren und für selbstverständlich erklären? Muss sie dabei immer problematisieren oder unterhält sie nur? Auffällig in Bezug auf die realen Gegebenheiten ist,
dass das "Problem" Familie seit den 1970er Jahren in der Kinder- und Jugendliteratur angesprochen
wird, aber bis in die 1990er die neuen Familienformen durchaus noch nicht allgemein akzeptiert
waren. Welchen Anteil könnte also die Kinder- und Jugendliteratur an diesem „Prozess der
Normalisierung" haben?
Zur Veranschaulichung dieser Aspekte soll ein (evtl. auch zwei) Primärtext herangezogen und werden.

1 MONIKA OSBERGHAUS: Mütter auf dem Rückzug. Die Kinder müssen ran: Wie die Jugendliteratur die Familie sieht. In: FAZ Nr. 33 vom 9. Februar 2005. S. 31.

Zur Person
Mag.a Britta Minges studierte Germanistik mit Schwerpunkt Literaturvermittlung an der Otto-
Friedrich-Universität Bamberg und ist nun Doktorandin an der LFU Innsbruck. Ihr Arbeitsschwerpunkt
liegt im Bereich Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart.

 

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