Aus S. Kierkegaard "Furcht und Zittern"

Ein altes Wort, geholt aus der äußeren und sichtbaren Welt, erklärt: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen." Sonderbar genug, das Wort paßt nicht auf die Welt, in der es zunächst zu Hause ist; denn die äußere Welt ist unter das Gesetz der Unvollkommenheit gelegt, und hier wiederholt sich wieder und wieder, daß auch der, welcher nicht arbeitet, zu essen hat, daß der welcher schläft, es reichlicher hat, als der, welcher arbeitet. In der äußeren Welt ist alles dessen, der es gerade hat; sie ist dienstbar unter dem Gesetz der Gleichgültigkeit, und wer den Ring hat, dem gehorcht des Ringes Geist, er sei nur ein Nureddin oder ein Aladdin, und wer der Welt Schätze hat, der hat sie, ganz gleich, wie er sie gewann. In der Welt des Geistes ist es anders. Hier herrscht eine ewige göttliche Ordnung, hier regnet es nicht über Gerechte wie Ungerechte, hier scheint die Sonne nicht über Gute wie Böse, hier gilt es, daß nur wer arbeitet, zu essen hat, daß nur wer in Angst war, Ruhe findet, daß nur wer zur Unterwelt niedersteigt, die Geliebte befreit, nur wer das Messer zieht, Isaak empfängt.