120.000 Jahre Alpengletscher

 

Wir leben seit 11.700 Jahren in einer „gletscherfeindlichen“, d.h. warmen Zeit. Solche Interglaziale gab es auch früher schon. Der Normalfall der vergangenen 2,6 Millionen Jahre, des Quartärs, waren jedoch die wesentlich längeren „gletscherfeundlichen“ Glazialzeiten. Sie dauerten in den vergangenen 800.000 Jahren im Schnitt etwa 100.000 Jahre lang. Ihr Hauptmerkmal waren enorme Klimaschwankungen, die ihresgleichen in Interglazialzeiten suchen. In sehr kalten Phasen senkte sich die Nullgradgrenze weit ab, die Alpengletscher schwollen an und ihre Zungen stießen in die Haupttäler vor. Während Phasen milderen Klima schmolzen die Gletscher wieder zurück.

Das Wissen über diese gewaltigen Eisänderungen ist spärlich, denn gegen Ende der letzten Glazialzeit kam es zur Maximalausdehnung des Eisstromnetzes in den Alpen, das  Innsbruck unter 1700 m Eis begrub. Die großen Gletscher dieser Eiszeit löschten die meisten Spuren der früheren Gletscherschwankungen aus.

Letztere können jedoch mittlerweile simuliert werden. Der kurze Film zeigt ein solches Rechenmodell; es ist das erste seiner Art und daher noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Es vermittelt jedoch einen anschaulichen Eindruck welchen gewaltigen und kurzfristigen Änderungen die Alpengletscher in den vergangenen 120.000 Jahren vermutlich unterworfen waren.

Diese Achterbahn des Klimas und der damit zusammenhängenden Gletscher- und Landschaftsänderungen war mit Sicherheit nicht auf die letzte Glazialzeit beschränkt; und man kann mithilfe solcher Computermodelle nachvollziehen, wie der wiederkehrende „glaziale Hobel“ die Täler der Alpen zu denen ausgeformt hat, die wir heute kennen. 

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