D. Sanders
Upper Cretaceous 'Rudist formations'

GPM 23, p. 37-59

Abstract:
The Late Cretaceous hippuritids and radiolitids were able for rapid colonization of large areas of substrate, and for growth in densely packed, mono- to paucispecific aggregations. The rudist biostromes were vulnerable to storm damage and to churning by burrowing, and were terminated either by frequent toppling/fragmentation of rudists, or by burial with sediment, or by environmental restriction. The rudists were relatively resistant to siliciclastic input. Hippuritids and radiolitids co-existed in mounds with scleractinians and skeletal sponges. These mounds are up to some tens of meters thick and hundreds of meters in lateral extent, and typically are topped by a rudist biostrome. As hippuritids and radiolitids lived together with corals and sponges as well as in environments unfavourable to corals and sponges, and because these rudists were able for both rapid colonization and growth in dense aggregates, the result is a larger number of rudist constructions and a smaller number of coral-sponge-rudist constructions, irrespective of coral-sponge-rudist synecology.
Rudist colonization and -growth occurred during intervals of time much shorter than parasequence development. Rudist formations, thus, may be present in the shallow neritic sector of each systems tract of a depositional sequence. The Late Cretaceous elevator rudists were not able to build wave-resistant bioherms comparable to Holocene coralgal reefs, but were mainly a source for bioclastic sediment. This, in turn, exerted a profound influence on the faciès architecture and stratigraphie development of Late Cretaceous carbonate shelves, which are characterized by a wide external platform belt that gradually merges into an open lagoonal environment.
The radiolitid-dominated rudist faunas from the Southern Tethys contrast markedly with the hippuritid-dominated faunas from the shelves on the northern fringe of Tethys (Southern France, Northern Calcareous Alps). The hippuritid-dominated fauna of the Northern Calcareous Alps is also quite impoverished. The dominance of hippuritids and the depauperation of the rudist fauna may result from geographic barriers, or from the relatively northerly Late Cretaceous position of the area of the Northern Calcareous Alps, which thus may have been apt to short-term changes in water temperature and/or nutrients or, possibly, seasonal changes in oceanic surface currents.
During early diagenesis of rudist shells an early, open mould phase during/after aragonite dissolution is indicated by compaction- induced deformation and endogenic brecciation of both the ostracal parts of the rudist shells and the sedimentary infill of the intertabular spaces. Meteoric dissolution of rudist shells associated with the formation of emersion surfaces may lead to substantial taphonomic loss, down to complete diagenetic 'erasion' of biostromes. A certain amount of loss by shell dissolution appears to be a common step in the taphonomy of rudist biostromes.

Zusammenfassung:
Die Hippuritiden und Radiolitiden der späten Kreide konnten große Rächen von Substrat in dichtgepackten, mono- bis pauzispezifischen Aggregaten rapide kolonisieren. Die von diesen Rudisten gebildeten Biostrome wurden häufig durch Stürme und bioturbationsverursachte Durchwühlung der Matrix zerstört. Die Akkumulation der Biostrome wurde entweder durch häufige Kippung und Fragmentierung der Rudistenschalen während Hochenergie-Ereignissen, durch Begrabung des Biostromes mit Sediment, oder durch zunehmende Milieueinschränkung beendet. Die Hippuritiden und die Radiolitiden waren vergleichsweise unempfindlich gegenüber siliziklastischem Eintrag.
In flachhügeligen Biokonstruktionen koexistierten Hippuritiden und Radiolitiden zusammen mit Skleraktinien und Skelettschwämmen. Die flachhügeligen Biokonstruktionen sind bis einige Zehnermeter dick und von einigen hundert Metern seitlicher Ausdehnung, und sind meist von einem Rudistenbiostrom überlagert. Da die Hippuritiden und Radiolitiden sowohl zusammen mit Korallen und Schwämmen als auch in Milieus lebten, die den beiden letzteren unzugänglich waren, und da diese Rudisten zu rapider Substratkolonisation und Wachstum in dichten Aggregaten fähig waren steht eine größere Zahl reiner Rudistenkonstruktionen einer kleineren Zahl von Korallen-Schwamm-Rudisten-Konstruktionen gegenüber.
Da Rudistenkolonisation und -Wachstum während Zeitintervallen erfolgten, die wesentlich kürzer sind als die Zeitintervalle der Parasequenzentwicklung, können Rudistenformationen im flachneritischen Anteil jedes Systemtrakts einer Ablagerungssequenz vorhanden sein. Die spätkretazischen „Elevator-Rudisten" waren nicht zum Aufbau wellenresistenter Bioherme vergleichbarer holozäner Korallen-Algen-Riffe imstande, sondern fungierten vor allem als Lieferanten für bioklastisches Sediment; dies übte einen weitreichenden Einfluss auf Faziesarchitektur und stratigraphische Entwicklung spätkretazischer Karbonatschelfe aus. Diese Karbonatschelfe sind durch eine breite externe Plattformzone charakterisiert, welche landwärts graduell in ein offen lagunäres Milieu übergeht.
Den radiolitidendominierten Rudistenfaunen des südlichen Tethysbereiches stehen die Hippuritiden-dominierten Faunen der Schelfe vom Tethys-Nordrand (Südfrankreich, Nördliche Kalkalpen) gegenüber. Darüber hinaus ist die Hippuritiden-dominierte Fauna der Nördlichen Kalkalpen auch deutlich artenärmer; dies mag zum Teil auf geographische Barrieren und/oder auf die relativ nördliche paläogeographische Position des Bereiches der Nördlichen Kalkalpen zurückzuführen sein, welcher dadurch möglicherweise saisonalen Wechseln in Wassertemperatur, Nährstoffgehalt und im Muster
der ozeanischen Strömungen ausgesetzt war.
Im Verlauf der frühen Diagenese von Rudistenschalen wurde häufig ein Abschnitt durchlaufen, während dessen die aragonitischen Schalenanteile völlig herausgelöst wurden, sodass offene Hohlräume verblieben. Gleichzeitig mit oder nach der Aragonitlösung erfolgten häufig auch Kompaktions-verursachte Verformung und endogene Brekziierung sowohl des restlichen, primär kalzitischen (ostrakalen) Anteils der Rudistenschale und der Sedimentfüllungen der Intertabularräume der Schalen. Meteorische Lösung von Rudistenschalen in Verbindung mit der Bildung subaerischer Freilegungsflächen kann zu starkem taphonomischen Verlust in Biostromen führen, bis hin zur völligen "Auslöschung" eines Biostromes. Ein gewisses Ausmaß taphonomischen Verlusts durch frühdiagenetische Schalenlösung scheint ein häufiger Abschnitt in der Taphonomie von Rudistenbiostromen zu sein.


Zurück zu / Back to Titelseite / cover page von / of vol. 23